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Wunderbar, die alten Recken. Leider etwas weit weg gesessen.

Jimmy Page & Robert Plant – Setlist

 

Geborgen in ungestillter Sehnsucht erwachst du.

Morgenfrische wie an einem Sommertag, der Wärme verspricht bevor du sie spürst

Ein schwarzer Handschuh auf der Straße, zwischen zwei parkenden Autos – der Zeigefinger abgeknickt, der Daumen ausgestreckt

Die Bäume kriegen grüne Spitzen, blau der Himmel, leichter Wind

Froh bist du, die Finger auf die Tastatur zu legen und in Verbindung zu treten mit der Welt

Im Netz bist du zu Hause, ohne es seltsam zu finden. Nur sicheres Tasten nach dem, von dem du weißt, daß es da ist. Hier ist Sicherheit. Die Arbeit gut zu tun, sicher zu sein in dem, was du tust, nimmt dir das tiefe Ziehen aus dem Brustbein. Es ist weg. Die Trauminsel des Vortags verblaßt vor der virtuellen Realität. Du gehst über das tiefe Wasser deiner Seele, ohne unterzugehen. Ohne die Angst, unterzugehen. Aus hilfloser, drängender Unruhe wird ein ganz neues, stilles Sehnen. Steht für sich selbst, ohne Verlangen, geändert zu werden.

Aber nicht. Für immer. Irgendwann in die Wohnung, Immer noch still. Erster Sommerzeittag, Licht, Sonne bleibt lange, Fenster offen, fast nicht kalt. Liest ein Buch in warmem Pullover, hörst eine Platte. Als es Zeit ist, das Fenster zu schließen: Flashback. Muß hier raus, singt es in dir, alles hier drückt, ich werde erdrückt, in einfallender Dämmerung zu dir gekommen, zu dem, was du vorbei geglaubt hast, zum guten wie zum schlechten, zur Zuversicht wie zum Schmerz. Schlagartig. Der Wunsch, immer in dieser sicheren Zuflucht Büro zu bleiben. In Verbindung mit der Welt, doch allein. Immer spuckt die Maschine Kaffee aus, der Automat Cola. Aber natürlich ist es nicht so. Warte. Bis es vorbeigeht. Warte

CD Raum / Zeit

raumzeit_cd-neuEin Crossover aus Rock, Drum’nBass und Literatur.

Es war im November 1997, als sich ein ungleiches Trio zusammenfand, um viele ungleiche Ideen zu interessantem Sound zusammenzufügen. Nach dreitägiger Session, die die Teilnehmer in völliger Erschöpfung und Verwirrung zurückließ, war der Grundstein gelegt. Viele Nächte mit Overdubs und Zusatzideen später war “Raum / Zeit” dann fertig.

Die Idee hinter dieser Produktion war es, einmal nicht von durchkomponierten Songs auszugehen, sondern von dem, was bei einer spontanen Session entsteht. Aus einem spontanen Geplauder heraus luden Dorian und Andrea Sturm zu dieser Session Anita “FreakA” Hafner ein.

Interpreten:

Dorian Schaefer, FreakA & Andrea Sturm

Tracks:

  1. Dunkle Nacht II
  2. Sex
  3. Fliegen
  4. Raum/Zeit (MP3)
  5. Ich suche dich (MP3)
  6. Gitarrenkoitus
  7. Ich weiß ich bin
  8. Licht
  9. In deinen Augen

Derzeit nur als CD-R. € 18,- (+ Porto) | Bestellen

 

Mythos?

amantes_teruel
Die Liebenden von Teruel: 2 Marmorfiguren auf Särgen. Auf ewig Hand in Hand.

D: Ich musste mich endlich von diesem Mythos befreien.

Mythos:

Nicht das Gefühl ist der Mythos, sondern der Wunsch, es behalten zu wollen. Ist fast wie der Wunsch nach einem Dasein ohne Zeit und Raum. (Mutterleibssehnsucht?) – Aber: Nur, weil etwas nicht ewig dauert, muss ich es mir doch nicht verwehren?

Wäre die richtige Antwort gewesen, ist mir aber natürlich erst viel später eingefallen, nach dem Gespräch.

Coupland schreibt: Bei einigen von uns ist die Verbindung zwischen Liebe und Sex vor Jahren zerbrochen. Und wenn sie einmal zerbrochen ist, kann sie nie mehr wiederhergestellt werden.

 

glasklar

Die Welt ist glasklar & scharf & ich will dass das so bleibt. Daher nicht auf ein Bier mit M., nicht zu C. – Lieber allein zu Haus. In meinem Kopf. So viel zu tun und zu wollen: Lesen, schreiben, Musik hören, Musik machen, computern, Filme machen. Am besten alles sofort und gleichzeitig. Muss mich organisieren. Dabei das ausgesprochen dumme Gefühl, dass es so kurz vor Jahreswechsel ohnehin sinnlos wäre. Als wäre “Neujahr” eine reale Zäsur.

Bass und Schlagzeug

Hör dir den Bass an! Der lauft mit dem Schlagzeug dahin und greift gleichzeitig dem Keyboard unter den Rock!

[Dorian]

Gedanke um 2:30

Manchmal kommen auch

Taxis zu früh:

gern hätte ich

einen müden Kopf

an eine warme

Schulter gelegt

Ich habe mich durch deine Augen gesehen & plötzlich war ich schön.

…und heimwärts

Zartruhig eingeschlafen, nur um erschrocken aufzuwachen. Blick auf die Uhr erleichtert; es ist erst 3 – noch knapp 3 Stunden Schlaf vor mir.

Als der Wecker dann läutet erstaunlich ausgeruht. Schnell und beinah anstrengungslos den Rest der Sachen eingepackt. Dann anziehen, ungewohnt: Lange Hosen! Socken! Warme Schuhe!

Ganz leise noch ein letztes Mal Kaffee auf der Terrasse. Langsam fällt Dämmerung ins Dunkel. Schön.

Dann aber Zeit. Schlüssel und Adapter bleiben im Zimmer; Rest wird geschultert. Ächzend runter zur Haltestelle – nur um zu erfahren, dass der angepeilte Bus sonntags nicht geht. Das Taxi würde mich zwar zum Flugplatz fahren, aber um horrendes Geld.

Was solls, noch ist Zeit. Reichlich genug. Ich stelle mich zum Kiosk und trinke herrlich südlich-starken Kaffee, überm Meer wirds langsam Tag, während im TV Zeichentrick läuft, ganz ohne Ton. Vom Strand her kommen zwei im Blaumann, sie diskutieren in einer spanisch-englisch-deutschen Mischung, ob sie jetzt Bier trinken oder Kaffee. Sie bestellen Bier.

Ein Bus kommt, der Fahrer steigt aus und beginnt, das Fahrzeug zu waschen. Ein zweiter Bus kommt, und der Fahrer legt sich auf die schmale Holzbank auf ein Nickerchen. Ein elegant gekleidetes Mädel kommt und regt sich fürchterlich darüber auf, dass der Bus um 7:20 sonntags nicht geht. Sie macht das auf Spanisch, aber so deutlich artikuliert, dass ich trotzdem jedes Wort verstehe.

Ich bestelle einen zweiten Kaffeee, schaue den Wolken beim Ziehen zu und der Landschaft beim Hellwerden. Schließlich wird es dreiviertel Acht, und da kommt ein Bus, mit dem keiner gerechnet hat. Fahren Sie zum Flugplatz? Er fährt.

Alle steigen ein, aber die meisten fahren nicht weit. Sauber gekleidete Einheimische auf dem Weg zur Arbeit. In Puerto Rico 20 Minuten Aufenthalt, Zeit genug, um hinter einen Busch zu Pinkeln. Andere Gäste steigen ein, und schweigend geht es weiter bis Las Palmas, wo außer anderen Lokalreisenden noch 3 Schweizer einsteigen, die anfangs lauthals ihr (heimfahrendes) Schicksal beklagen, bevor sie auch in die Schweige-Falle des Busses tappen.

Naja. Leider und ziemlich unwillig irgendwann am Flugplatz angekommen. Frage mich durch bis zu meinem Schalter, der Nummer – na? – richtig, 42.

Dort ist noch zu, und um Zeit herumzubringen, kaufe ich einen höchst unnötigen Krimi, mit dem ich vor dem Schalter Stellung beziehe. Wenn ich die erste bin, habe ich nachher vielleicht noch Zeit für ein Stündchen auf der Terrasse?

Diese Illusion und die ganze Flughafenruhe jäh zerstört durch eine Horde wildgewordener Linzer Pensionisten, die sich mit spitzen Ellbogen und der geballten Kraft ihrer Gruppe gnadenlos an mir vorbeidrängeln.

Am Schlimmsten ein ältlicher Typ, der lauthals verkündet, zukünftig nur noch in Gars am Kamp Urlaub machen zu wollen, weil hier doch niemand richtiges Deutsch versteht. Als unsere Flugnummer, allerdings mit dem Zusatz “Destination: Linz” auf dem Display leuchtet, leichtes Murren, worauf der selbe Typ lauthals verkündet: “Natürlich wollen wir alle nach Linz, ist doch die Geburtsstadt des Führers!”

Während ich noch an einer vernichtenden Replik feile, kriege ich heftigst den Regenschirm einer Omi in die Rippen und muss erst Mal Luft holen.

Endlich öffnet der Schalter. Allgemeiner Rush. Die zwei Damen hinter dem Computer beraten kurz, dann über Lautsprecher die Frage: “Gibt es Passagiere nach Wien?”

Verwirrte Stille breitet sich aus, und mitten im ratlos vermodernden Haufen: Nur ich! auf dem Weg nach Wien, brülle erleichtert: “Ja, ich!” und kämpfe mich samt Gepäck durch die starrende, spitzzüngige Masse, kriege Bordkarte, bin die Riesentasche los. So böse können die anderen gar nicht schauen, wie ich jetzt freundlich grinse.

Noch ein bisschen Zeit und Zigaretten, CDs, Jause gekauft. Dann Panoramafensterblick auf Flugzeuge vor sonnenglitzerndem Meer. Nix mit Terrasse; quasi im Minutentakt wird die Gatenummer unseres (und der anderen) Flugzeugs geändert. Also kann man nur dastehen und hinunter schauen auf die Glücklichen, die gerade ankommen.

Schließlich der Zubringerbus über die Piste; bis der zweite Bus kommt, stehe ich auf der Gangway & atme Sonne und Meerluft. Wollte lesen, aber seltsam müde & erschöpft eingedöst. Wieder wach zum Abendrot über den Bergen. In Linz kurze Verwirrung, ob es überhaupt weitergeht nach Wien (es sind jetzt doch ca.10 Leute, die nach Wien wollen), aber es geht, obwohl wir betankt werden müssen vorher noch.

Spinnennetzdorflichter und leuchtfreudige Städte. Gleich bei der Passkontrolle wienerisch grantiger Drache. Heimat, du hast mich wieder!

Aufschub noch, indoors zur Schnellbahn und bis nach Wien Mitte, dann aber mitten im grauen Kalt und unter deutlich mehr Fremden als dort unten in Spanien. Sollte mir das nicht zu denken geben? Ich denke… nicht.

Der letzte Tag – der schönste Satz

Geschenkter Tag. Ein paar Schritte nach oben für ein sauberes Foto, dann runter ins Dorf und geschaut, was ich mit meinen restlichen Peseten noch anfangen kann. Kaktussamen und Drachenbaumsaat gekauft und noch Verpflegung für den Strand. Und dann der Bus, zum letzten Mal, nach Media Almud.

Dort aber tanzt der Mops: Wie auch nicht, ist Samstag und ist Feiertag. Unbeirrt, mit 2 geschenkten Inselzeitungen und Proviant für drei Tage nach unten und ein Plätzchen gesucht. Große Augen und mein Felseneck ist frei, jemand hat sogar die verwesende Katze entfernt, aber nur eine Stunde oder eineinhalb und das Wasser steigt bis zu meinem Handtuch.

Also gepackt und auf die andere Seite; euer Pech wenn ihr meinen einbeinigen Liegestuhl nicht wollt (schließlich ist die Treibholzkrücke durchaus stabil!)

3x Schwimmen obwohl schwierig, dort wo die Brecher brechen muss man durchtauchen, um in schwimmbare Wasser zu kommen, und das machen ausser mir nur die 20jährigen Typen, um die Mädels zu beeindrucken; ich aber mache es, weil ich morgen schon wieder in einem unsagbar kalten Wien sein werde, und wer dabei zuschaut, ist mir egal.

Letztes Sonnenöl verschmiert (perfektes Timing mit der Flasche). Perfekt auch ziehen Wolken immer dann herein, wenn Sonne gerade ein bisschen zu heiß wird.

Schliesslich dem Meer “Ciao” gesagt und ich gehe; früher als sonst, vielleicht gehen sich noch ein paar Klippen-Sonnenuntergangsfotos aus. Kaum glaublich heiß und gnadenlos die Sonne auf dem Weg zum Bus, als wollte sie mir zeigen, was ich die nächsten Monate vermissen werde. Oben, staubig, heiß, noch eine Zigarette geraucht und unglaublich froh schweißgebadet, meiner selbst ganz sicher und genauso sicher, dass ich diesen Augenblick bewahren kann.

Dann, drüben, geduscht und getrocknet; ungeduldig, mit dem Fotoapparat zur Klippe, trotz der Wolken, die die ganze Zeit so aussehen als würden sie gleich die Bahn frei machen für unglaubliche Farben, es aber dann doch nicht tun. Sitze lange und warte und schaue mache ein paar (unnötige) Fotos, denke, rauche, derweil schwappen hypnotisch die Wellen; eine nach der anderen.

Dann aufgegeben und rein ins Dorf; Antonio hat zu (verdammt!). Mein Buch habe ich vergessen. An der Kirche tanzen Kinder im Kreis und singen. Schnell nochmal zu Lumy und Kamera gegen Buch getauscht; sonst nichts. Hunger! Heute etwas bislang unerlebtes; neben Marina. Fischplatte. Nacht ist es, und der Wein ist gut. 2 schwarze Katzen streichen herum in der Hoffnung auf freigebige Gäste. Erst nach einer ganzen Weile kommt das Essen; aber was für eins! Ein ganzer halber Fisch (Brasse?) dazu ein Stück Thunfisch und ein Stück Haifisch, ein Krebserl und ein paar Muscheln. Kartoffeln, Salat. Dazu brauch ich noch ein zweites Glas, und schließlich ein drittes. Von diesem Wein.

Genüßlich teile ich mein abschließendes Festmahl mit den Katzen. Sitze noch lange mit dem restlichen Schluck Wein und beobachte abgeklärt promenierende Gäste, alt und neu (das kann man anhand der Hautfarbe leicht unterscheiden), die Boote im Hafen und den durchwachsenen Himmel.

Zur Rechnung kommt – mittlerweile wenig verwunderlich – auch hier ein Honigrum, nur das Glas ist etwas größer. Nagut.

Noch einmal die Runde, der letze Abend; ich hätte mir ein Fest gewünscht. Aber nur in den Touristenkneipen ist Betrieb, Antonio hat wie die anderen Einheimischen zu und auch im Trockendock herrscht tiefe Stille.

Nagut, dann noch einmal – ein letztes Mal! – vor an die Multimediaklippe. Lange gesessen, nicht nur wegen des Sounds – der heute wieder stark ist, und wegen der Sterne – die funkeln, als wäre es ihr letzter Tag – aber vor allem auch allem wegen der Hand, die runterhängt und den Sand durch die Finger rieseln läßt, diesen Sand, der keinen Frost kennt, keinen Schnee, und keine Kälte unter diesen 15 Grad.

Nach langer langer Zeit, es geht schon gegen Mitternacht, reiß ich mich los und trete den vermeintlich langen einsamen Heimweg an; jenseits der Touristenzone ist alles dunkel und ich schleiche an der Wand entlang; aber. Da vorne. Ist doch noch was?

Unsicher näher rangegangen, tatsächlich; Antonio hat zwar zu aber die Jungs aus der Werft sitzen in seinem Vorgarten, Dosenbier in der Hand, und bevor ich irgendwas entscheiden kann hat mich der Sailor schon entdeckt und grüßt mich lauthals freundlich und winkt mich an den Tisch; schickt jemanden um mir ein Bier zu holen und dreht die Konversation mit zwei simplen Sätzen ins Englische und bezieht mich mit ein, als wäre das ganz selbstverständlich, es fühlt sich an als hätte er seinen Arm um mich gelegt – aber das hat er natürlich nicht getan.

Macht nichts. Der eine von den Jungs ist Schwede und wir wechseln ein paar Worte Schwedisch, nur um zu beweisen, dass ichs kann, der Mexicano klatscht Beifall und nach ein paar Sekunden die anderen auch; ein anderer von den Jungs ist ein Mädel, sichtlich glücklich, weil ich nicht gleich geschnallt habe, dass es so ist, und alle anderen lachen. Es ist erstaunlich wunderbar und plaudert sich ganz ungewohnt schwerelos.

Viel zu früh viel zu spät ist es Zeit aufzubrechen, es stiebt in alle Richtungen; nichts bleibt als ein Winken da ein Lächeln dort, und ein Phantomschmerz unterhalb der Rippen als ich allein in Richtung Bett; nein, halt:

“Austriaka!” ruft mich der Sailor, er hat wohl meinen Namen ebenso vergessen wie ich den seinen; ich bleibe stehen, drehe mich um; wir gehen ein paar Schritte aufeinander zu.

Dann, direkt Aug in Aug, aber ohne Berührung (auf die ich in dem Moment warte), schaut er mich an und sagt: “You know, we could have had a live together.”

Äonen von Augenblicken, bevor wir beide loslachen; nur ein bisschen, ich lege meine Hand an seine Wange und sage “another time” und er drückt mich, fest aber harmlos, und sagt “another place”, dreht sich dann um und geht; schnell, um seine Freunde einzuholen, und ich stehe da, klassisch, und warte, bis sie um die Ecke sind.

Und gehe dann heim. Alles ist ganz leicht und ich bin wie beflügelt und getragen von diesem Satz, der – streng genommen – nur Luft ist, wie der Schaum auf dem Cappuccino, auf einer anderen Ebene aber das Schönste, was mir je gesagt worden ist: jemals.

Und, solchermaßen schwebend, vorbei am Casa Verde, wo wieder der einsame Entertainer Stimmung zu machen versucht, mit Stimme und Gitarre zu Orchesterkonserve.

Einen Moment lang das Gefühl, ihm sagen zu wollen, dass er gut ist; zumindest auf der Gitarre (die Stimme könnte etwas mehr Übung brauchen); dann aber doch lieber vorsichtig den romantischen Satz und das Gefühl dazu heimgetragen und mit ins Bett genommen, in dem Moment nur zärtlich (und erst viel später ironisch) berührt.

Ungerichtet, aber zufrieden

Als wäre meine weinselige Übernachtigkeit noch nicht schlimm genug, macht der wahnsinnige Deutsche doch glatt um 5:30 lauthals Frühstück. Ich wünschte, ich wäre wach genug, ihn umzubringen. Stattdessen erklärt ihm zum Glück seine spanische Frau, dass er offenbar völlig übergeschnappt ist. Zwar sind die 10 Minuten, in denen sie sich anschreien, ziemlich höllisch: aber danach herrscht wunderbare Ruhe. Ich schlafe weiter bis gegen 10.

Immernochmüde aber voller Tatendrang dann nur kurzes Frühstück und ab in die Playa. Dort ist Markttag. Statt mich an das zu halten, was ich vorhatte, kaufe ich zwei wunderbar bunte Tücher einen Elefanten für B., eine Trash-Halskette und natürlich einen Riesensack voller Nüsse, Lakritze gibt es auch, noch ein paar Flaschen Honigrum und schließlich, völlig entfesselt, die Elch-Ohrringe (3x plaudernd über alles Mögliche den Stand umkreist in der Hoffnung, dass ich nur einen kaufen kann anstatt alle zwei, aber der Typ ist einfach besser) und noch ein paar zirpende Grillen; wer weiß, was für Schrott ich noch gekauft hätte, wenn nicht Elton John’s Candle In The Wind mich zum Glück endlich vertrieben hätte.

Auf der Flucht noch, nur wegen dem Typ, der D. ähnlich sieht und an seinem Stand einsam mit einer Gitarre vor Heimstudio Aufnahmen sitzt, eine Kassette mit Synthie Musik mitgenommen. Als wäre so ein Typ automatisch auch ein Freund.

Erschöpft im Supermarkt Wasser geholt & noch ein Palmblatt und dann die Schätze nach Hause gebracht. Und dann, endlich: Auf nach Media Almud.

Im Bus die Kassette in den Walkman. Ganz bestimmt nicht die beste Musik, die ich je gehört habe, aber es passt hierher. Der Busfahrer übersieht mein Aussteigesignal und ich darf wieder einmal wandern: Ungewollt aber angenehm, immer noch mit der Musik im Ohr.

Unten hat irgendein Vollkoffer der toten Katze ein Steingrab gebaut (anstatt zu warten, bis die Flut sie wieder mitnimmt) – es stinkt zum Himmel. Daher muss ich auf meinen Lieblingsplatz verzichten und auf der anderen Seite rösten.

Schwimmen, braten, spazieren. Es ist so wunderbar egal, ob man etwas anhat oder nicht. Die holländische Familie traut sich allerdings erst ausziehen, als ich mein Spaziergangs-Hüfttuch ablege. Dadurch aufmerksam geworden, werfe ich einen Blick in die Runde: Alles, was liegt, ist nackt – aber alles, was sich bewegt, ist verhüllt. Auch seltsam, irgendwie; aber offenbar habe ich mich völlig unbewusst angepasst.

Endlich erreiche ich die Tussi vom Reisebüro: Siehe da, der Flug ist verschoben! Ich muss also nicht nachts noch zum Flugplatz fahren und dort bis 4 Uhr früh warten – ich kann in aller Ruhe am nächsten Tag hinfahren. Unerwartetes Geschenk!

Aufs Blau geschaut und Wasser getrunken und eine Zigarette geraucht; dann das Palmblatt gegessen und weiter aufs Meer geschaut und mehr Wasser getrunken und nach einer Weile noch eine Zigarette geraucht; dann wieder ins Wasser und weit hinaus geschwommen und danach doch noch eine Weile in der Sonne gelegen statt im Schatten.

Recht spät: Zu spät für den Sonnenuntergang! Richtung Pto Mogan; dort im Supermarkt noch mehr Honigrum gekauft und Wein, beides als Mitbringesl: Für C. und D.

Lange bei Brot und Käse auf der Terrasse gelesen; zu lange. Schließlich will ich vor allem runter und sehen, was los ist! In der Paralellgasse an Antonios Kneipe vorbei – nahe genug um zu sehen, dass dort kein Sailor sitzt; danach lange an der Klippe gesessen, wo das Meer wieder laut und polyphon schwappt (kein Wunder, den Walkman hab ich ja nicht mit.)

Dann eine Runde durch den Hafen, “the big American” ist weg. Die Thunder of Southampton auch, aber “Just Joss” ist noch da. Eine Weile unter dem Grünblinkleuchtturm gesessen; weit weit unter mir ist eine Jolle vertäut und schabt am Sand, muss wohl bei Flut reingekommen sein, denn bei der jetzigen Ebbe gäbe es keinen Weg an Land.

Kaffee und Soda im Casablanca, eine Weile einem seltsamen Gefühl nachgespürt, das ich nicht einordnen kann, bis ich feststelle: Mir ist einfach nur kühl! Den Pulli angezogen & am Kaffee festghalten, der ist auch warm.

Dann nochmal die Runde gedreht: Antonio hat zu, und einige andere auch. Deutet auf Besonderes, zusammen mit vielen Polizeistreifen und abendlichem aktionsgelbem Flugzeug. Mehr ist nicht zu erfahren (wäre es aber wohl, wenn ich nicht so mundfaul).

Noch träge den Tempel des Gelächters umkreist: Ein aufgedocktes Segelboot, in dem der Mexikaner und seine Leute Hof halten. Klar hat er gesagt, dass ich jederzeit willkommen bin. Klar wäre es kein Problem, hin zu gehen. Aber ich lasse es.

Hungrig jetzt: Noch einmal ins Marina; Thunfisch ist der Fisch des Tages (also wächst der doch nicht in der Dose?); dazu die Fernsehschirme mit einem Feature über das neueste Mercedes-Modell, längelang. Erstaunlicherweise werden auch hier schon die Gehsteige hochgeklappt, aber ich futtere genüßlich meinen Fisch. Heute gibt es wieder Pfirsichschnaps zur Rechnung.

Ich mag noch nicht wirklich heimgehen und entscheide mich, heute hauptsächlich angesichts des Mangels an Alternativen, fürs Casablanca. Draußen gähnende Leere und keinerlei Kellneraktivität, daher ausnahmsweis indoors an die Bar angedockt. Wenig, aber dafür überschwenglicher Betrieb; ich bestelle ein Bier und stehe an der Ecke wie ein Felsen in einer hektischen Kolonie von wahnsinnigen Pinguinen.

Ein Mädel spricht zu mir, weil ihr der, der zu ihr spricht, nicht gefällt. Eine Weile halte ich das aus, weil ich das Gefühl nur zu gut kenne. Derweilen flirtet die Kellnerin, die noch vor ein paar Tagen so überheblich unnahbar war, ganz eindeutig – mit mir.

Ich bemühe mich eine Zeitlang, im Einklang zu schwingen, aber irgendwann ist es dann genug. Ich zahle; nichts wie weg. Den Heimweg nicht direkt sondern mit Umweg genommen, belohnt durch den Abendstern, der eine helle Straße auf das ungewöhnlich ruhige Meer zaubert. Noch nie habe ich einen Stern so hell gesehen, dass er auf dem welligen Meer reflektiert! Zauberhaft.

Nochmals Wandern & ungewöhnlicher Genuss der Ablehnung

Ganz früh auf, eilends ins G’wand g’hupft, auf an die Echo-Felswand! Vorbei an Schulkindern mit Müttern und ohne, vorbei an Müllmännern, geschlossenen Lokalen & Geschäften, früh genug, dass es da hinten keine Badenden gibt, keine Funboote und…

…das Meer schläft noch. ganz ruhig, kaum ein Geräusch, und definitiv kein Grund, den Walkman aufzubauen. Verdammt!

Na gut dann… Hinter der Mauer auf den Felsen gesessen, eine Weile, dann, als Zivilisationsgeräusche vom Rundumerwachen erzählen, ab zum Frühstück ins Marina; Spiegeleier heute, Orangensaft, Toast. Gemütlich gelesen und in den Himmel geblinzelt, recht wolkig heute, ob es Regen gibt?

Danach auf den Weg gemacht, auf den langen, vielversprechenden. Durchs Dorf rauf zuerst, aus der Schule Kindergesang, vor mir ein älteres Pärchen, sprechen Schwedisch.

Den langen Kurvenberg hinauf (jetzt muss einmal der Wahnsinnige erwähnt werden, der seit vorgestern täglich morgens und Abends sein Horn bläst im Hafen, eh ich den noch ganz vergesse!). Hinauf, hinauf, hinauf. Die Schweden irgendwann überholt, man muss seinen Rhythmus behalten, dann ist alles halb so schwer.

Oben angekommen, wird gerade eine Schranke gebaut mit Gehämmer & Gebrüll, also stiller Frieden erst hinter der nächsten Kurve. Telefonieren muss ich auch noch. Vor Wut über den Anrufbeantworter im Flugbestätigungsbüro eine Zigarette angezündet & schon kommen die Schweden wieder vorbei. Keine Lust, schon wieder in Sichtweite zu laufen, also eine Weile sitzen geblieben & Buch gelesen. Dann weiter. An der großzügigen Felswand kurze Kraft-Rast mit ausgebreiteten Armen, soviel Kraft ist da drin! Flüchte, bevor lautes Auto meine seltsame Stellung entdeckt.

Nach vielen Schritten (gut) und vielen Gedanken (nicht so gut) das “heilige” Pinienwäldchen erreicht. Dort aber pfeift der Wind, daher kann ich auch diese Soundscape nicht aufnehmen, festhalten. Fast scheint mir, der Felsen da drüben grinst schadenfroh, als wäre es eine Absicht des Landes, als dürfte ich Dinge zwar erleben, aber keinesfalls mitnehmen.

Dann halt weiter. Will ich denn da wirklich noch runter, zum Strand, und dann wieder rauf? Hinter der ersten Bergabkurve sitzen die zwei Schweden mit noch zwei anderen, plaudern, jausnen. Sie sind aus Göteborg & zum Plaudern aufgelegt. Ob man da unten den Baden kann? (dürfte kein Problem sein heute). Ob ich gar keine Angst hätte, so allein? (Nein.) Wie man mit diesen Schuhen so weit laufen kann? (Sind bequemer als sie aussehen).

Also doch runter & heute ist es OK, wunderbar zum Baden und nicht zu heiß in der Sonne; ein paar Leute und ein paar Boote und Nackt gegen Angezogen steht 50:50, die Schweden kommen und sie zieht sich aus und er nicht, also bleibt es bei Gleichstand.

Unnötige Fantasy-Geschichte fertiggelesen, meine zwei Orangen gegessen und aufs Meer und in den Himmel geblinzelt, nicht ohne immer wieder einzutauchen ins große Blau und einmal sogar hinter die westliche Klippe geschwommen, verdammt weit, aber Meerwasser trägt.

Dann Hunger, stattdessen Wasser & irgendwann doch eine Zigarette; noch ein paar Steine aufgeklaubt & wieder weggeworfen & nochmal untergetaucht und schließlich ist es Zeit zu gehen.

Der Aufstieg wird zum unbeabsichtigten absurden Wettrennen zwischen mir & einem norddeutschen Pärchen, der Rucksack drückt & der Rücken schmerzt. Beschließe Anschaffung eines besseren (Rucksacks, nicht Rückens).

In “meinem” Wäldchen noch immer kein Vogelkonzert, trotzdem bleibe ich lange, weich auf den Piniennadeln (gibt es eigentlich Matratzen mit Piniennadeln zu kaufen?), angenehm und gut versteckt, um alle anderen davonziehen zu lassen & wieder ganz alleine gehen zu können.

Trotzdem auf dem weiteren Weg viel zu viel Verkehr für meinen Geschmack, nicht mein stiller einsamer Weg wie beim ersten Mal. Abschied von meiner Felswand, kurz, aber herzlich. Davor, danach, Autos, Motorräder, einige Uniformierte. Draußen auf dem Meer ein Loch in den Wolken, durch das die Sonne mit scharfem Strahle einen gleißenden Kreis auf die ansonsten bleigraue Wasserfläche malt. Dahinter strahlend helle Wolkenränder, mytisch-magisch.

Der Weg ist weniger weit als zuletzt, wohl wegen der vielen Autos, was wollen die denn hier? Eigentlich viel zu schnell zu Hause, runter um die Kurven, nochmal im Bücherregal geschmökert, dann am Balkon gejausnet nach der Dusche.

Dann feingemacht & runter ins Dorf; im Casablanca einen frischgepressten Orangensaft und anschließend einen Cappuccino genossen, während ich schreibe; dann eine große Hafenrunde & richtig hungrig jetzt, mutig! auf zu Antonio.

Dort eine Brasse zelebriert; köstlichst; dazu Wein, weißen: Habe nichts dagegen, wenn der Abend heute ein längerer wird.

Während ich noch warte, auf meine Brasse, kommt der Sailor eiligst herausgestürmt, was ihn nicht daran hindert, mir auf die Schulter zu klopfen & mich zu fragen, wie’s mir geht.

Antonio hat mich natürlich mit Handschlag begrüßt, der schnauzbärtige Gitarrenspieler sowie der fehlproportinierte Kellner ebenso – was die Franzosen am Nebentisch ziemlich ins Grübeln bringt, wie ich höre.

Der Fisch, wie erwähnt, köstlich. Samt Beilagen. Und Wein habe ich heute gleich von Anfang an vom Guten bekommen.

Vernunft hieße nun zahlen & gehen, allein: Das Weinglas ist noch voll. Derweil ich überlege, kommen drei Briten des Weges, 2 davon vom Wirt ebenfalls per Handschlag begrüßt, die dritte eine Allein-Weltumseglerin.

Antonio stellt mich vor und rückt eigenhändig die Tische zusammen, wie schön: Ein Grund zu bleiben.

Die Alleinseglerin ist weit entfernt von dem Bild, das ich von einer Alleinseglerin habe: Klein und zierlich, eine Stimme wie ein gläsernes Windspiel. Sie erzählt, wie es so ist, ganz allein auf dem Boot; die Technik sei kein Problem und schon nach ein paar Tagen würde man ganz automatisch bei jeder noch so leichten Windänderung aufwachen; der Körper gewöhne sich leicht an einen völlig anderen Rhythmus, bei dem man eben nur kurz schlafe, dafür aber öfter.

Schwieriger sei es da schon, mit dem Alleinsein klarzukommen – bei Teilstrecken von 3 Wochen verliert man irgendwann den Sinn dafür, was wirklich ist und was nur gedacht, sagt sie. Dafür habe ich vollstes Verständnis; mir passiert das auch ganz ohne wochenlanges Alleinsegeln.

Aber das sage ich nicht. Ich sage überhaupt wenig; lausche vielmehr fasziniert, wie übrigens auch das britische Pärchen, nur Antonio versucht, sich einzubringen – unschlüssig teilt er seine Aufmerksamkeit zwischen mir und der Seglerin.

Schließlich greift er zur Gitarre, gut so: da muss ich nicht mehr acht geben. Nach ein paar Songs und weiterem Geplauder läutet sein Telefon, im Vorbeigehen drückt er mir die Gitarre in die Hand und unbedacht entfleuchen mir ein paar Akkorde; plötzlich bestehen alle darauf, dass ich singe. Bobby McGee bis zur Hälfte, bevor ich mich verhasple, der Rest der Menge ist schon so zu, dass der Applaus größtenteils echt ist.

Letzte Hoffnung auf Wiederkehr des Sailors aufgegeben und versucht, aufzubrechen – aber ich kann noch so gefinkelt bei seinem Kellner zahlen, Antonio kriegt alles mit und stellt noch einen Krug Wein auf den Tisch, den er mit mir trinken will.

Alle anderen sind mittlerweile miteinander beschäftigt und so nehme ich das wiedergefüllte Glas, stoße freundschaftlich mit dem Lästigen an und versuche, ihm zu erklären, dass: Nein! und warum.

Worauf er plötzlich sein erstklassiges Deutsch völlig vergisst. Grund genug, zornig zu werden. Offener Zorn wäre allerdings, davon bin ich überzeugt, eine strategische Niederlage: Daher vergesse ich im Gegenzug sowohl mein bisschen Spanisch als auch mein Englisch, bedanke mich überschwenglich freundlich für seine Gastfreundschaft und röste ihn gleichzeitig mit bösartigen Blicken. Das macht mir ganz plötzlich unberwartet einen höllischen Spass, und trotz der plötzlichen Sprachschwierigkeiten ist klar, dass auch er sich wunderbar amüsiert ob dieser gegenseitigen Zurschaustellung von “Face”.

Solcherart seltsam hin- und hergerissen zwischen beidseitigem Zorn und Amüsement, wobei unklar bleibt, wieviel von dieser Vierfaltigkeit echt sein könnte, schaffe ich es, mich loszureißen und dem bescheidenen Bett zuzusteuern. Dort angekommen, ist es plötzlich unerwartet 2 Uhr nachts.

[Das Feuerwerk! Beinah hätt ich das unglaubliche Feuerwerk im Hafen vergessen, viel früher, bei Einruch der Dunkelheit. Nicht einmal S. aus dem Casablanca weiß, wer die Raketen aus welchem Grund abgeschossen hat. Hm.]

Erholung tut not

Von wegen guter Wein. Au, mein Schädel! Durst! Fühle mich völlig vergiftet. Stöhn. Nach einer halben Flasche Mineral nochmal eine Stunde geschlafen, so bis 9. Dann zum Supermarkt gequält & Frühstück organisiert. Danach nix wie ab nach Media Almud. Nach dem ersten Schwimm geht’s mir etwas besser.

Der fahrradfahrende Zeitungleser winkt freundlich quer über die Bucht, und wenig später kommt die weißhaarige Modelfigur und winkt mir auch. Ich fühl mich schon sehr vertraut hier.

Mein Tuch aufgespannt, provisorisch aber routiniert. Wasser und Dösen und Lesen und zwischendurch viele Gedanken; blondblauäugige Gedanken der mexikanischen Art; verdammt!

Eine tote Katze, die auf den Felsen liegt, eine ganze Weile lang für schlafend gehalten – bis ich die Fliegen sehe, die nicht verscheucht werden. Woran sie wohl gestorben ist? Fallen Katzen ins Wasser und ertrinken, einfach so?

Abgesehen davon ein wunderbar fauler Sonnentag; keine Wolken aber ein Schleier ganz hoch oben; gut für meinen Kopf. Ich bleibe lange, bis die Schatten zu mir herübergreifen. Mittlerweile wieder ganz zufrieden, mit dem Urlaub und mit mir; meinen ureigenen Schritt gefunden und genossen, zur Busstation und auch in Pto Mogan, sogar die Stiegen hinauf.

Dusche, Kaffee, Brot und Käse. Dann noch eine Orange. Und dann?

Jetzt das Meer aufnehmen, in Stereo, beim Echofelsen. Rucksack gepackt, Walkman vorbereitet, und los. Ganz nach vorne auf die Klippe und dort gemütlich gemacht, nur um dann festzustellen, dass es Ebbe und außerdem das Meer ziemlich ruhig ist.

Trotzdem Walkman samt Mikro aufgebaut, Notwendiges aus dem Rucksack griffbereit, mich auf den Lehnstuhlfelsen gesetzt & den Record-Knopf gedrückt. Ein Heineken lang & 2 Zigaretten den Sound des Meeres konserviert; das rote Lämpchen leuchtet & die Glut auf meiner Zigarette auch, noch genauer auf die einzelnen Wellen gehorcht ziemlich glücklich und dann oben am Himmel der erste Stern, dann der zweite und dann viele; ganz dunkel ist es und friedlich und keiner hier und das Messer liegt griffbereit, nur für alle Fälle.

Dunstige Nacht mit Fischerbootlichtern, und dann ist die Kassette voll & ich breche auf, die große Runde & dann die kleine, aber “nichts” entdeckt, also zur Abwechslung wieder ins Casablanca.

Dort sitze & schreibe, schreibe und sitze ich, zwei Mineralwasser und ein Bier lang, viel zu lange nicht Buch geführt. Aus der Konserve Queen & Scorpions & so ein Zeug, irgendwie ein richtiges Glücksgefühl. In meinem Rücken Stories von Booten und Südamerika und Drogen; “das konnte ja nicht gutgehen, der Trottel hat ein viel zu großes Maul gehabt”. Dann weiter über Schlauchboote, die nachts zwischen den Dünen landen und Drogen bringen (woher?). Und so weiter und so fort. Dann Erbschleichereien.

Als ich mit meinem Geschreibsel fertig bin, habe ich fast Lust, mich dazuzusetzen & auch ein paar Geschichten zu erfinden, aber es fühlt sich an, als hätte ich vergessen, wie man redet. Stattdessen noch ein bisschen in mein Buch geschaut, dann langsam heim.

(Im übrigen ein höchst köstlicher handgemachter Hamburger auf diesem Heimweg, höchst köstlich!)

Noch lange am Balkon gesessen mit Mineralwasser & Orangen und abwechselnd in mein Buch geschaut und in den Sternenhimmel. Danach noch im Schlafsack gewälzt, so viel noch zu tun und zu schauen und so wenig Zeit!

Beziehungen

Früh auf. Alles tut weh. Wann bin ich das letzte Mal 20 Kilometer, an einem Tag? Kann mich nicht erinnern.

Dafür verspreche ich mir heute Erholung. Leider bin ich schon gegen 8 hellwach vom Herumgetanze der Nachbarn. Ich will die heute nicht sehen; zumindest nicht zum Frühstück: Daher das Wichtigste in den Rucksack geworfen & mich selber ins Gwand. Dann ab ins Dorf.

Unten alles zu, alles verschlafen. Die ersten Segler klettern aus den Kajüten. Ich spaziere im Kreis, habe das Gefühl, wertvolle Zeit zu verlieren. Gebe derweil die Ansichtskarten auf.

Endlich macht jemand auf, das Marina, die ersten Sonnenstrahlen kommen um die Ecke. Kaffee, Orangensaft, Toast, Butter, Marmelade, und dabei den Hafen erwachen sehen. Ein Modefotograf mit einem Schwarm Models nutzt die morgenklare Luft für eine Reihe Aufnahmen.

Dann langsam Richtung Busstation, noch Orangen gekauft und Brot und Käse; Wasser habe ich schon. Dann auch gleich der Bus Richtung Media Almud.

Hartes Morgenlicht die Straße entlang, wie überhaupt die Farben der Landschaft hier extrem mit dem Licht wechslen, viel mehr als anderswo, kommt mir zumindest vor – man könnte meinen, man wäre morgens in einem ganz anderen Land als Abends…)

Flut ist es, und außer mir noch kaum jemand da. 1 Auto & 3 Leute, auf der “anderen”, der Sandseite. Handtuch ausgebreitet und nichts wie ab ins Wasser, das heute zart und fast glatt erscheint.

Ein Tag zur Erholung; schwimmen, lesen, essen, planschen. Gegen Mittag kommt W. & gemeinsam erkunden wir sein neues Handy, erschwert dadurch, dass er kaum Empfang hat. Dann getratscht & der Tag vergeht viel zu schnell. C. ruft an & erzählt, dass es 0 Grad hat in Wien, während ich gerade wieder dem Wasser zustrebe, um Abkühlung zu finden. D. ruft auch an, später; ist nicht so gut drauf. Ich schon. Die Sonne so stark, dass ich mithilfe von etwas Treibholz mein Allzwecktuch als Sonnenschirm aufspanne, das sieht wunderbar robinsonesk aus vom Meer aus und ist gemütlich zum Drunterliegen.

W. erzählt, dass ein ganzer Küstenstrich hier Julio Iglesias gehört, der – angeblich mit dem Geld der New Yorker Mafia – ein Hotel nach dem anderen baut. Und von den anderen Inseln, und davon, wie & wovon man hier lebt. Mir selbst erscheint nichts mehr großartig am kalten, steinernen Wien; selbst die “europäische Schwere”, die zu vermissen ich mir eingebildet habe, ist plötzlich sehr entbehrlich. (…)

Immer seltsamer auch erscheint mir, dass dieser Anblick von Felsen und Meer schon in ein paar Tagen nicht mehr selbstverständlich sein soll.

“Zu Hause” in Pto Mogan duschen & am Balkon langsam trocknen. Dann runter & die übliche Hafenrunde; bewundere wieder einmal die Boote, besonders das elegant-hölzerne hinter “the big American”. Alles redet über, alles sammelt sich um “the big American. “Galileo” heißt sie und misst 52 meiner Schritte. Ich bin unentschlossen, weiß nicht wohin, mag nicht in die Touristenmassen, die spanischen Ecken aber liegen verlassen.

Schließlich aufgegeben und fürs “Grand Bleu” entschieden; etwas fehl am Platz trotz köstlicher Seezunge & sehr freundlicher Bedienung. Plötzlich ganz klar, was ich D. sagen will, kann, muss: “Tu das, was du mit ganzem Herzen tun kannst!” – eine Message auch an mich, übrigens. So einfach, so schwer.

Die Seezunge, wie gesagt, köstlich; mit der Rechnung kommt ein Stamperl Honigrum: Hier mit Schlagobershaube.

Dann, schon auf dem Heimweg, höre ich Gitarrenklang aus der spanischen Kneipe & bin noch unschlüssig, aber der mexikanische Sailor erspäht & ruft mich. Wie sehr mich nach Gesellschaft dürstet, merke ich an meinem Aufatmen, als ich mich wirklich dazusetze.

Die Werftgemeinschaft begrüßt mich kollektiv freundlich, der Wirt auch, und obwohl ich von Gesprächen und rumfliegenden Witzen nur Bruchstücke verstehe, fühle ich mich recht zu Hause.

Als ich gehen will, schenkt mir der Wirt (Antonio) noch ein Glas Wein ein; viel besseren diesmal, und brav setze ich mich wieder. Wunderbar, nur dass die Jungs von der Werft dann gleich gehen (der Sailor schlägt mir auf die Schulter zum Abschied, und mir fällt auf, dass ich auf diese Berührung gewartet habe seit ich hierhergekommen bin. Verdammt. Auch das noch. Aber das war’s auch schon).

Antonio lädt mich zu einem anderen Tisch ein, zu seinen Freunden, den Iren (und Irinnen), die sehr nett und sehr locker sind. Mir ist schon klar, worauf das hinausläuft, aber noch ist alles harmlos, vor allem weil die Iren darauf bestehen, dass Antonio & seine freunde noch einmal die Gitarren rausholen.

Dann müssen wir aus dem Lokal raus, weil drinnen die Kakerlaken vernichtet werden (meine hübschen braunen Käfer! Na, Biologie ist wohl nicht meine Stärke).

Als die Iren aufbrechen, versuche ich, mich unauffällig anzuschließen, aber natürlich gelingt es mir nicht, Antonios Annäherungsversuchen zu entgehen, die galant und nicht bedrohlich, aber durchaus insistierend sind.

Hartnäckiger bleibe ich, und müde finde ich heim.

Strange Feelings…

Komische Nacht, schlecht geschlafen, draußen Krawall. Katzengeschrei & dazu deutsches Schnarchen. Außerdem heißkalt zwischendurch. Wohl doch zuviel Sonne erwischt.

Trotzdem ganz früh Terrassenfrühstück & mit etwas mehr Umsicht als gestern den Rucksack gepackt. Badezeug, dazu Orange, Banane, Brot, Käse und Wasser. Das Tagebuch. Kugelschreiber. Den Fantasy-Thriller aus der Gangbibliothek. Auf geht’s.

Aufstieg ist heiß, obwohl’s noch früh ist. Oben erleichtert ob des Wegfalls der Zivilisationsgeräusche, aber nicht verzaubert wie gestern noch. Erfreue mich an der Stille, am Ausblick, an meinen eigenen regelmäßigen Schritten. Weit und breit niemand, außer mir.

Meine Eile legt sich, sobald ich den Punkt des gestrigen Umkehrens erreiche. Hier war ich noch nicht, muss – darf! – genauer schauen. Die Pflanzen. Die Felsen. Der Weg.

Etwas ist seltsam, in mir, um mich. Fast schwindlig, aber nicht als ob ich krank wär: sondern so als wäre hier noch eine zweite Welt außer der, die ich seh.

Hypnotisch der Blick auf orangerote Felsenlandschaft. Die rote Felsenkuppel sagt zu mir: “Du wirst hier sterben. Auf dieser Insel. Nicht heute, aber irgendwann.” Ganz stark das Gefühl, dass ich sie nicht fotografieren sollte.

An der Felswand gegenüber ruft mich ein Stein. Ich breite die Arme aus und schmiege mich an die ausgesprengte Wand; es ist als wäre ich zwei, eine die in der Magie des Augenblicks aufgeht und eine, die sich genau darüber lustig macht; egal:

Mit weit gestreckten Armen stehe ich da, ungekannte Kraft strömt in mich aus dem Felsen und legt sich meinen Körper zurecht; hier muss ich noch einen Schritt zur Seite tun, dort einen Arm anpassen, schlussendlich ist alles richtig & ich “darf” meine Augen öffnen; empfinde es mehr als einen Befehl in diesem Moment, und ich sehe einen durchscheinenden Einschluss im Gestein, “das darfst du nehmen”: auch das ist ein Befehl, vorsichtig löse ich das winzige Ding aus seiner Erdhülle & verstaue es inder sichersten Tasche; weiß nicht, wofür es gut ist, ich bedanke mich bei der Wand (nicht ohne mich gleichzeitig um meine geistige gesundheit zu sorgen) und gehe ganz in gedanken weiter die Straße entlang.

Hinter der nächsten Kurve ist mein Andersweltschwindel wie weggeblasen, und ich bin ganz sicher, mir all das nur eingebildet zu haben. Ganz sicher? Na, zumindest fast.

Frei gehe ich die Straße entlang, das Meer, immer noch zu meiner Linken, glitzert in der steigenden Sonne. Dann eine Plantage; ein Auto. Jemand inspiziert die Bananenblätter. “Ola!” grüße ich, freundlich, “Ola! grüßt er zurück. Als ich weitergehe, höre ich, wie er mit irgendjemandem deutsch redet.

Hier beginnt ein Oleander-Paradies, Fotos nötig. Nach der übernächsten Kurve ein Wald, Pinien. Danach Ananas. Und noch mehr Oleander.

(Nie werde ich dem Billa Fotoservice verzeihen, dass sie ausgerechnet diesen Streifen versaut haben)

Noch eine Kurve, dann geht’s bergab. Die Straße schneidet wieder in den Felsen. Um den erste herum: Vor mir liegt das Tal meiner schlaflosen Träume. Weit und schön. Eine Welle nach der anderen zieht weißkronig herein.

Weiter hinten ein Pinienwäldchen, dahinter Häuser. Ganz vorne aber nichts, dort, wo meiner Karte nach eine Tankstelle liegen sollte, ein halb verfallenes Häuschen. Die Karte ist von 1995. Kann eine Tankstelle wirklich so schnell so sehr kaputt gehen?

Die Straße mit ihren gemauerten Bänken führt in weiten Schleifen hinunter ins Tal. Auf der anderen Hangseite auch schon Spuren, wo Bagger sich ins vorgesprengte Gestein gebissen haben. Aber davon abgesehen einer der schönsten Anblicke meines Lebens.

Entlang der Straße bewaässerte Palme und vereinzelt weitere Oleander; je deutlicher ich sehe, wo ich hin will, um so weiter wird der Weg. Dann, unten im Tal, entlang am hocheingemauerten Flussbett. Bleibt zu hoffen, dass der Graben vor dem Meer aufhört.

Er hört. Also quer über den Klappersteinstrand; ein Zelt & davor eine Frau, augenscheinlich einheimisch. Wir grüßen uns.

Am Strand etwas überlegt, dann für Bikinihose & oben ohne entschieden. Und, verschwitzt, heißgelaufen, an der schwarzsandigen Stelle ins Meer. Wellen hoch; ich vorsichtig. Aber schön.

Danach im Sand etwas getrocknet; dann Schatten gesucht. Der einladende Wald ist eingezäunt. Also stattdessen etwa 50m weiter landeinwärts zwischen Gebüsch und ein paar Bäumen einquartiert. Barbusig & tuchgeschürzt. Jemand hat aus Steinen einen Tisch gebaut, unter zwei Olivenbäumen, und 2 Sessel auch. Ich sitze im Sand, labe mich an Wasser & Orange, träume in den Himmel & aufs Meer hinaus. Etwas später, genug erholt um den Hunger zu spüren, Brot und Käse. Mehr Wasser (und nicht etwa Meerwasser).

Dann im Halbschatten gedöst & so durch & durch glücklich, dass ich das wieder festhalten muss. Ist ein Foto, in dem man fotografiert, was 5 Minuten davor wahr war, gestellt zu nennen? Auch egal.

Ein bisschen gelesen & noch ein bisschen gedöst & immer noch sehr glücklich, und dann plötzlich wie ein Messerstich das Bedürfnis, hier wegzukommen. Nicht so, als würde es von mir kommen: Eher eine Stimme, die mir sagt: “Du hast hier rasten dürfen & Ruhe finden, jetzt ist es Zeit, dass du verschwindest.”

Es ist ein sehr starkes Gefühl, und obwohl ich mir durch & durch lächerlich vorkomme, packe ich eilends meine Sachen & gehe. Wäre doch so gerne noch einmal geschwommen… “Nein, sagt die Stimme. Und den wunderschönen Stein soll ich auch nicht aufheben.

Als ich an den Schranken komme ( “No trespass!” und ein durchgestrichener Fussgänger, sichtbar nur von der Innenseite), erscheinen zwei weißgekleidete Menschen vorn an der Kurve, und noch ein paar Schritte weiter sehe ich den Riesenkatamaran um die Ecke biegen & zwei Wassermotorräder aussetzen, Lärm füllt die Bucht. Von landeinwärts kommt ein weißer Jeep. Dann ein Motorrad. The spell is broken, die Stimme schweigt. War es vielleicht eine Warnung, vor dem, was da eintrifft? Oder doch eine Drohung, so wie ich es im ersten Moment empfunden habe? Oder hab ich nur zuviel Sonne erwischt, zulange mit mir selber geredet?

Egal. Zurückgehen ist immer ein Fehler, habe ich irgendwann für mich beschlossen, daher mache ich das auch jetzt nicht. Beginne stattdessen den Aufstieg; etwas schwerfällig mit brotkäseobstgefülltem Bauch.

Nicht ohne weiterzugrübeln; ich komme mir blöd vor. Hab ich mir das ganze eingebildet? Aber meine Angst ist vor Menschen, und es waren keine da. Meine Angst ist vor geschlossenen Räumen, nicht vor offenem Land. Meine Angst war es nicht, die da zu mir gesprochen hat. Aber was dann?

Unten flutschen die Wassermopeds Runde um Runde um den Katamaran, und ich bin heilfroh, dass ich wenigstens damit nichts zu tun habe.

Oben um die letzte Kurve & mehr als einladend das Pinienwäldchen, ich nehme an, sitze erst auf der Steinbank & trinke einen Schluck Wasser, zu entfernt, setze mich dann, erstaunt darüber, wie weich das Nadelbett ist; wische ein paar Zapfen beiseite & lege mich auf das so entstandene Bett.

Sonnenstrahlen geteilt & gebündelt durch die Baumnadeln & nach einer kurzen Pause setzen die Vögel wieder ein, unberührt von der fremden Anwesenheit. Leichter Wind & von ganz unten, ganz fern, die Wellen gegen die Felsen. Ich fühle mich willkommen, rund um mich reine Freude. Im Halbkreis die Bäume, als würden sie mich beschützen, beschirmen. So könnte es bleiben, ein Leben lang. Nicht ganz vielleicht, aber doch eine ganze Weile. Nichts fehlt, und nichts ist zuviel.

Warum ich irgendwann doch wieder aufbreche, weiß ich nicht. Vielleicht nur die stumme Einladung der oleandergesäumten Straße. Bin es jedenfalls zufrieden: Schritt für Schritt.

Diese Steinformation gegenüber von meinem Felsen: Ein Tor aus dem Nichts ins Nichts (off Foto-Limits, sorry), talwärts, fast möchte ich mich hinsetzen und schauen, bis sie endlich deutlicher auftaucht auf der anderen Seite, die fremde Welt. Den Stein noch einmal gegrüßt; er ist schweigsam & doch spüre ich etwas von der Gewalt der Sprengung, die mein Geschenk freigelegt hat.

Längst bin ich geborgen im Rhythmus der Schritte, im Kopf Geschichten & doch wieder nicht. Sonne auf der Meerseite jetzt, ganz, und dadurch Silberlicht.

Wieder verblüfft darüber, wie plötzlich der Lärm einsetzt jenseits der Felskuppe. Gleichzeitig plötzlich wird gehen mühsam, oder ich bemerke es erst jetzt: Keine Blasen sondern gänzlich wunde Füße, Ein Ziehen in den Oberschenkeln, als wären nach den vielen Kilometern genau die letzten 500 Meter nicht mehr zu schaffen, aber zu schaffen sind sie natürlich doch.

Noch zwischen Küche Bad Terrasse herumgeirrt als könnt’ ich jetzt nicht einfach stehen bleiben. Dann Dusche, Wasser, Obst und mein irgendwie völlig deplazierter Agententhriller.

Einige Zeit später stark genug für Supermarktbesuch, Käse Oliven Wein für alle Fälle und Brot natürlich, frisches Brot.

Danach weitergelesen bei Kaffee, drüben ein deutsches Pärchen: Sie lackiert Zehennägel, er studiert irgendwelche Papiere. Dann kommt das Kölner Trio heim, vollbepackt. Zwei verschwinden in der Küche, einer (der Ehemann der Frau, die aber offenbar viel lieber mit dem anderen alleine ist) bleibt auf der Terrasse, öffnet eine Flasche Rotwein & schenkt mir trotz meiner Proteste das Wasserglas randvoll. Er will natürlich plaudern; diesen Wein, so sagt er, kann man gut auch schon zum Frühstück trinken, das wär viel besser als Kaffee. Nicht sicher ob das ein Witz ist oder bitterster Ernst, lächle ich und schweige. Da kommen auch schon Freund und Frau mit dem Essen.

Ich wäre herzlich eingeladen & lehne, ebenso herzlich hoffentlich, ab.  Ah, Tagebuch, mein Schutz und Schild! Ich liebe dir.

Was mich nicht davon abhält, ihren Gesprächen zu folgen. Die Beziehungen kann ich nicht ganz auflösen; ein hoffnungsloser Kölner Säufer mit (mühsam?) geduldiger (spanischer) Ehefrau & ein mysteriöser Dritter, der der Ehefrau sehr charmant & dem Typen sehr freundschaftlich gegenübersteht.

Die Geschwindigkeit, mit der sie Weinflaschen leeren, verblüfft mich; die Gespräche bleiben mir nicht erspart. Während seine Frau weitere Wurst- und Käseplatten zurechtmacht, erzählt er dem seltsamen Freund, dass er 6 Jahre in Spanien gelebt hat, “damals, in der Franco-Ära. Das war war in Ordnung. Da ist nichts gestohlen worden, damals, und ein Essen im Restaurant hat 25 Ptas gekostet.” Na dann. Jetzt weiß ich wenigstens, warum ich kein gesteigertes Bedürfnis habe, die Partie näher kennen zu lernen.

Was mir aber nicht erspart bleibt. Denn als Theos (der Ehemann) Wein zu Ende geht, gebietet es die Höflichkeit, die 3 Gläser aus meiner nahezu unberührten Flasche nachzufüllen. Klar war mir klar, dass er mich zulabern würde, und ich bringe, fast gegen meinen Willen (viel lieber würde ich still die Sterne betrachten) die angebrachten Gegenargumente; sehr dankbar, als Karl (der unzuordenbare Freund) mir meinen Standpunkt abnimmt.

Theo trinkt unkontrolliert und unter Elenas Protest in großen Schlucken meinen Wein, was mir nur recht ist, weil der erstens ohnehin nicht besonders und zweitens leicht verkorkt ist.

Dann gehen sie endlich schlafen. Heureka, meine stille Terrasse ist wieder mein! Ich betrachte die Sterne & schweige in den Himmel, und dann gehe ich, ungewohnt früh müde, gegen halb 11 (Winterzeit) schon schlafen.

Noch was vergessen? Ja. Die Glasscherben am Strand, so Shit. Und das Zeitloch; Hinweg 2 Stunden, Rückweg mehr als 4 Stunden (OHNE die Pause im Pinienwald).

 

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