PC-Panik


Heute Nachmittag, 4 Minuten vor 18 Uhr, verbabschiedete sich mein PC mit einem leichten Knacksen aus dem Reich der Arbeitenden. Schien es zumindest. Eben noch alles in Ordnung, ich recht konzentriert am Mailschreiben, plötzlich: “Knacks” – Bildschirm schwarz – Totenstille (lies: Kein Lüfterchen regte sich).

Nachdem diverse Knopfdrücke, Kabel- und Steckdosentests nicht einmal den leisesten Seufzer zutage brachten, vermutete ich messerscharf ein defektes Netzteil. Mit Skalpell und Tupfer Schraubenzieher und Geduld machte ich also den Patienten auf und legte erstmal die Hand (außen) ans Netzteil – knapp über Handwarm, nix Besonderes -, prüfte den Sitz der Kabel, entstaubte, da ich schon Mal drin war, alles, was staubig aussah, und versuchte mein Glück dann nochmals. Nix. Kein (startup-)Piep, kein Netzwerkkarten-Lämpchen, kein Bildschirm-Erwachen, ja nicht einmal das vertraute Hochfahren des Lüfters. Einfach gar nix.

Weniger still war es von meiner Seite. Ich beklagte mein Schicksal, murmelte Beschwörungsformeln, verfluchte, als das nichts nützte, Digitalos (den Binärgott) und ergab mich schließlich, als sich auch zwei gute Stunden nach dem Malheur (Zeit genug, alles abzukühlen, falls das das Problem sein sollte) nichts rühren wollte, in mein Schicksal (lies: Warf den gut durchgeplanten morgigen Vormittag über Bord, um mich stattdessen der Beschaffung eines Netzteils, dem Einbau desselben und der Behebung möglicher (also wahrscheinlicher) Folgefehler zu widmen).

Als ich aber aus ebendiesem Grund telefonisch einen Termin absagen wollte, meinte ein Mensch, der von Computern gar nichts weiß, außer dass es sie gibt, recht zuversichtlich: “Ich würd’s nochmal versuchen.” – “Hab ich doch schon hundert Mal!” – “Ja, aber ich würd’s einfach jetzt nochmal versuchen.” Ich verabschiedete mich mit einem besserwisserischen Seufzen, schaute noch 5 Minuten dem stinklangweiligen Fussballspiel zu, warf einen Seitenblick auf das vermeintlich tote Gerät und begann schließlich, mangels besserer Ideen, nochmals alles zusammenzustöpseln. Ein Knopfdruck, und –

was soll ich sagen? Das Ding rennt.

Oh großer Guru, ich danke dir.

Und sollte ich einen Haltungsschaden davontragen, weil ich seit der Auferstehung mit einem Ohr unterm Tisch hänge, um festzustellen, ob etwas seltsam klingt, dann weiß der Guru sicher auch Rat.

Bliebe noch anzumerken, dass sich das Vorbeigehen an einem kaputten Computer ganz anders anfühlt als das Vorbeigehen an einem bloß abgedrehten oder schlafen gegangenen funktionstüchtigen. Das schlechte “Es könnte ja eine wichtige Mail gekommen sein”-Gewissen fällt völlig weg. Erstaunlich.


Schreibe ein Kommentar.