Poesie in zart und hart

Sonne und Sonntagskaffee zur Preisverleihung des Christine-Lavant-Preises. Im Gegensatz zum Vorjahr zieht sich die Zeit bis zur Rede der Preisträgerin etwas, die Laudatio gestaltet sich eher langatmig, aber das macht wenig, ich träume den Farbwechseln meines Strickzeugs hinterher, das in der Sonne strahlend hennarot, im Schatten sanftmütig braungrau dahinwächst.

Christine Lavant selbst hat ja, in Jahren des erzwungenen Schreibschweigens, „vom Stricken gelebt“, so steht es in der Biografie. Wie es ist, wenn die Wörter im Kopf bleiben, während sich Masche an Masche reiht, muss ich mir nicht vorstellen. Wie es ist, das unter ständigen Schmerzen und in der Bedrohung der NS-Zeit zu tun, möchte ich mir lieber nicht vorstellen.

Schließlich ist es Zeit für die Rede der heurigen Preisträgerin Angela Krauß, die sehr behutsam den Bogen vom Schreiben zur Umweltkrise, vom Selbst zum Fremden schlägt. Leider nicht zum Nachhören in der TVthek, sehr schade (edit: Jetzt doch!). Besonders schön der Gedankengang, dass die Notwendigkeit zum Schreiben von Poesie aus dem Nichtverstehen heraus entsteht, viel poetischer formuliert, aber mir sehr vertraut.

Mitten in die zarte Rede von draußen vor dem Fenster, ja es ist offen, harte Anklage aus einem Auto, wütende Subwoofer, Rap, „meine Welt ist tot“ glaube ich zu verstehen, oder war es „deine Welt ist tot“? Das Auto ist um die Ecke, die Poesie spricht weiter, und in dem Moment vereint sich die Vertrautheit des Schaffens, zarte Worte, harte Klänge, die Maschen auf der Nadel. Und die Lust mehr daraus zu machen.

Aber neben dem sanftgrünen Hügelland des Wollens steht ein Kilimandscharo des Sollens, und und im Graben dazwischen lauert das Ehschowurscht. Die Preisrede ist vorüber, das Fenster muss zu, weil die Sonne um die Ecke ist, und die ToDo-List nörgelt vor sich hin.

Vielleicht einfach spazierengehen stattdessen. Statt allem.