Rainhard Fendrich in Lederhosen

In wenig vorteilhaften Lederhosen, ehrlichgesagt. Aber wie sollte ich ihm das sagen, ohne seine sensible Künstlerseele zu verletzen? Wir saßen an der Einfassung eines schönen, runden Springbrunnens in einem großen, gepflegten Garten, der eigentlich nur zu einem Schloss gehören konnte. Dort fand ein Casting statt, unklar blieb, wofür. Ich versuchte, vorsichtig zu fragen, ob es nicht schon ein wenig kühl wäre, für so kurze Hosen, wurde aber von Markus Spiegel abgelenkt, der grinsend eine Kiste mit Dauerwürsten vorbeitrug. Die hatte einer der Casting-Teilnehmer mitgebracht.

Überhaupt brachte jeder irgendetwas mit, Blumen, Weinflaschen, Kuchen. Im Garten verteilt standen Tische mit weißen Tischdecken, auf denen die Mitbringsel einladend herumlagen. Techniker verlegten Kabel unter den Rasen; Kameras standen noch ungenutzt herum. Ich versuchte, herauszufinden, wie man damit filmt, aber sie waren riesig und hatten so viele Knöpfe wie ein mittleres Raumschiff. Die Knöpfe braucht man gar nicht, erklärte mir ein Techniker, die dienen nur dazu, Unbefugte abzuschrecken. Er schnippte einmal mit dem Finger, und die Kamera begann zu filmen. Dann bewegte er den Zeigefinger leicht hin und her, und der Sucher folgte der angezeigten Richtung. Er ballte die Hand zur Faust, die Kamera zoomte. Gestreckte Handfläche, und sie zoomte wieder aus. Der Techniker lachte herzlich über meine verblüffte Begeisterung.

Die Würste hingen jetzt dekorativ an der Markise eines Hippie-Busses, aus dem süßliche Rauchwolken kamen. Ich warf einen Blick hinein, dort lag der Pilot nackt mit zwei Mädchen auf einem großen Bett, während ein Kamerateam ihnen Anweisungen gab. Er würde lieber vorsingen, meinte der Pilot zögernd, und begann mit “Let the Sunshine in”. “Schnauze!” sagte der Kameramann, und ein Assistent rückte die Hand eines der Mädchen zurecht. “Action!” – Das Mädchen zog tief aus dem riesigen Joint, lächelte süß und flötete “Komm auch du zu uns in den Garten vor der Welt”. Ich flüchtete schnell, mit Werbung wollte ich nichts zu tun haben.

Rainhard Fendrich saß noch immer am Springbrunnen, als ich vorbeiging. Er fragte mich, warum hier die Sonne scheint, während es draußen immer regnet. Weil das hier der Garten vor der Welt ist, sagte ich. Er lachte bitter, als wüßte er mehr als ich.

Der Springbrunnen war jetzt halb mit Eiswürfeln gefüllt, und darunter sah man einen Körper. Ich sprang hinein, um ihn herauszuziehen, und fürchtete das schlimmste. Es war der Pilot, den ich an die Wasseroberfläche brachte, er hustete nicht Mal, war aber leicht desorientiert und verfroren. Ich rief nach Decken und Tee, während ich ihn auf die sonnige Wiese brachte. Ein paar Meter weiter stand ein Chor und probte einen Kanon, in dem es um fliegende Fische ging. Ich wollte wissen, was mit den Fischen im Lied passieren würde, aber der Chorleiter brach den Gesang immer mitten in der ersten Strophe ab. Das machte mich sehr ärgerlich, und ich wachte auf.