„Vielleicht wird es Zeit für ein Haus am Meer“, sagt die Frau in dem relativ langweiligen Hörbuchkrimi, als die schwedische Straßenbahn um die schwedische Ecke quietscht. In meiner relativ langweiligen Wiener Stadt-Ecke quietschen keine Straßenbahnen. Stattdessen hört jemand da draußen Bruce Springsteen, und jemand anderer Gangster-Rap, ungefähr gleich weit weg. Kurz heult ein Moped-Motor auf, der gleich darauf absäuft. Die Geräusche eines Actionfilms kommen von etwas weiter weg dazu, dazwischen Gespräche vom Balkon schräg rechts oben. Dann noch ein ausführlicher, bellender Husten von dem Nachbarn gegenüber, der sonst gern laut rülpst. Nach dem Husten wird es still, als wünschten alle andächtig, es möge kein Covid-19 sein. Und grad, als die Stille ungewöhnlich still wird für einen Samstagabend, beginnt unten auf der Straße ein Hund zu bellen.

„Vielleicht wird es wirklich Zeit für ein Haus am Meer“, denke ich, als ich mich bemühe, nicht weiter an dem Zeckenbiss zu kratzen, der ganz nach Borreliose aussieht. Nicht wirklich tragisch, aber 14 Tage  Tage Antibiotika hätt‘ ich jetzt auch nicht unbedingt gebraucht. Aber vielleicht ist es ja gar keine Borreliose, das ärztliche Urteil steht noch aus.

Vielleicht bin ich es einfach nicht gewöhnt, jemandem wichtig zu sein. Aber andererseits hat jemand vielleicht eine verdammt seltsame Art, das auszudrücken. Vielleicht ist es seltsam, dass ich alleine sein will, wenn ich mich nicht wohlfühle, aber vielleicht ist es völlig in Ordnung, seltsam zu sein. Vielleicht sollte ich mehr unternehmen, um nicht Gefahr zu laufen, im Alter endgültig einsam zu bleiben, aber vielleicht fände ich es ja ganz OK, im Alter allein zu sein.

Vielleicht wird es langsam einfach wirklich Zeit für ein Haus am Meer.