Schnee, Salami und Jazz

Heut Nacht geträumt ich ginge durch einen Schneesturm. Es war furchtbar kalt und wurde immer kälter. Vor lauter Kälte aufgewacht und festgestellt, dass ich es irgendwie geschafft hatte, beide Decken von mir zu stoßen – ich fror tatsächlich. Unter den wiedereroberten Decken sehr klein gemacht, trotzdem dauerte es lange, bis es warm genug war zum Wiedereinschlafen.

Später, gegen Morgen, sollte ich von irgendeinem Sportevent aus einem Stadion berichten. Ich wusste nicht genau, worum es ging, das Stadion war voller Leute (auch auf der Mittelfläche), und einer der Ordner bat mich, einen Diebstahl aufdecken zu helfen. Ein Pärchen war dabei, alles Essbare aus der Kantine zu klauen, und für die Aufdeckung war es wichtig, dass drei Leute Diebesgut hinaustragen, und dass alle drei steirisch sprechen. Ich sprach also so steirisch wie möglich, während ich zwei Salamistangen hinter den Beiden hertrug, die sich mit einem Suppentopf abmühten. Draußen vor dem Stadion nur Autos und Bäume, wir luden die Ware in einen weißen Lieferwagen, als plötzlich einer der Bäume auf uns zulief. Er zog die Rindenmaske vom Gesicht und einen Revolver aus dem Halfter und verhaftete die zwei. Ich wollte ihm die Salamis geben, doch er winkte ab. “Behalten Sie die”, sagte er, “als Dank für Ihre Mühe”.

Ich hatte Schwierigkeiten, wieder ins Stadion zu kommen, alle Türen waren versperrt. Als ich endlich einen offenen Hintereingang fand, erfuhr ich, dass die Veranstaltung um ein paar Stunden verschoben war. Man hatte die Türen abgesperrt, damit die Leute bei der Ankündigug nicht aus und ein laufen könnten. Im Traum klang das ganz vernünftig, außerdem kannte ich ja die eine offene Tür. Ich hängte die Salamis an einen Garderobenhaken und ging hinaus, um den Sufi zu besuchen. Die Staßenbahn fuhr durch sumpfiges Gelände, zuerst, dann durch eine hügelige Sonnenstadt. Der Sufi hatte ein Jazzlokal, in dem an diesem Abend ein berühmter Pianist spielen sollte. Es war recht finster und rauchig und voll, aber der Chef des Hauses hatte natürlich den Tisch ganz vorne reserviert. Es war ein 6er-Tisch, an dem 6 Leute saßen, an dem 4er nebenan saßen 5. Der geanzugte Schnösel vom 4er-Tisch hörte nicht auf zu fragen, ob wir nicht die Tische tauschen könnten – irgendwie war er der Meinung, wir 6 würden leichter an einen 4er-Tisch passen als seine 5. Er war sehr lästig, aber wir ignorierten ihn und tranken Whisky mit dem Pianisten.

Als das Konzert anfing, hatte ich plötzlich eine Nachricht auf der Handfläche, dass es im Stadion jetzt auch losgehen würde. Ich stand auf, der Sufi wollte mit, wegen der Salamis, und die anderen wollten dann auch nicht sitzen bleiben. Mir tat die Band leid, das musste sich doch seltsam anfühlen, wenn gleich nach Konzertbeginn ein ganzer Tisch verschwindet.

Man musste gar nicht mit der Straßenbahn fahren, wenn man zum Stadion wollte, gleich beim Brunnen auf dem Platz war ein Hotspot, durch den man direkt auf den Stadionparkplatz gebeamt wurde. Sehr praktisch. Der Parkplatz war voller wütender Menschen, die aus dem Stadion kamen, und als wir uns endlich zur Garderobe durchgekämpft hatten, prügelten dort zwei Ordner mit meinen Salamis aufeinander ein. Bevor ich herausfinden konnte, was eigentlich passiert war, wachte ich auf.