Gestern Abend, mehr so plätschernd gehört als richtig “geschaut”, lief im ORF Am Schauplatz: Gericht. Es ist ja schon verblüffend genug, wie lange und intensiv man um eine Thujenhecke streiten kann. Aber richtig spannend war die Geschichte mit dem Pianisten und seiner Mutter. Hätten ihn die Juroren nicht gemobbt, dann hätte er irgendeinen Juniorenwettbewerb gewonnen. Hätte die Halbschwester nicht mit ihm um ein ererbtes Haus gestritten, dann hätte er sich auf seine Ausbildung konzentrieren können. Hätten “die” (wer auch immer) nicht die geklebten Plakate heruntergerissen, dann wären zu seinem Comeback mehr als 12 Leute gekommen. Wäre ihm das alles nicht angetan worden, dann wäre er jetzt einer 10 weltbesten Pianisten. Alle Welt ist so erpicht darauf, ihm Böses anzutun, dass sie sein Haus abhören, nur um ihm punktgenau noch besser schlimmeres antun zu können.

Nun bin ich ja selber auch eine Meisterin der hätte/wäre/könnte-Gedanken, aber die fangen meist mit “Hätte ich” an. Hätte ich das oder jenes getan/gelassen/anders gemacht, dann… wäre jetzt alles ganz anders. Aber je mehr ich über diesen Beitrag nachdenke, der mich irgendwie nicht loslässt, desto verlockender erscheint mir die Aussicht, den Schuldigen für alles außerhalb zu suchen. Ich meine, das muss doch ein richtig beruhigendes Lebensgefühl sein, wenn man überzeugt ist, alles richtig gemacht zu haben – und wenn irgendetwas trotzdem nicht klappt, dann sind die anderen schuld.

Vielleicht sollte ich diesen Gedankengang einmal üben. Ein Abhöreinrichtungs-Aufspürgerät werde ich vorläufig trotzdem nicht anschaffen.