Seltsamer Dezember

Warm ist es nicht, aber kalt auch nicht. Der sonst (von mir) gefürchtete Weihnachtswahn scheint weniger als früher, was vielleicht daran liegt, dass ich mich von den Zentren bewusst fernhalte. Dort, wo geweihnachtet wird, wirkt es fast, als wäre statt kitschtriefender Ernsthaftigkeit leichtherzige Ironie im Spiel. Damit kann ich leben.

Mitten im letzten Arbeitsstress des Jahres stehle ich mir fast einen ganzen Samstag. Nach heimeliger Nacht mit großem Frühstück verwöhnt, dann durch die Stadt, und das nicht einmal auf schnellstem Weg. Ich sollte dieses, wollte jenes kaufen, ließ aber beides aus schierer Konsumunlust. Die Grundstimmung gut, die wollte ich nicht der Gefahr von Weihnachtseinkaufsgeschäften aussetzen.

Ein kleiner Misston nur: Die Gstättn, die ist nun wirklich keine mehr. Ich bin seltsam un-neugierig, was da in die Höhe wächst, ich hätte einfach gern die Gstättn zurück.

Es ist wenig los, nicht nur für einen 8. Dezember, sondern überhaupt für einen Wintersamstag. Zu Hause trinke ich meinen Adventkalender-Tee (so Altersmilde bin ich tatsächlich geworden, dass ich mir einen Tee-Kalender schenken lasse, ohne zu protestieren, und dass der Tee tatsächlich auch getrunken wird). Allerdings wird bald klar, dass ich doch noch einmal raus muss. Diesmal aber in bequemem, warmem Gwand.

Endlich vorbei am innen und außen überbordend weihnachtsglitzernden Hauptbahnhof wirkt dieses Angebot tatsächlich verlockend, vor allem, weil aus der Glühweinhütte auch noch guter alter Gary Moore in gar nicht besinnlicher Lautstärke dröhnt. Aber ich habe ja noch ein bisschen was vor heute, da lassen wir den Glühwein besser im Topf. Dennoch, der bisherige Tag und Strahlesonne machen mich innerlich so ausgeglichen, dass mich kaum kümmert, meine Mission wegen Lieferschwierigkeiten nicht erfüllen zu können.

Auf dem Heimweg noch Abendsonne-Wölkchen, in 3-d und in durchscheinend.

Möge der hoffnungsfrohe Wunsch an diesem Briefkasten in Erfüllung gehen!