Sommer-regen

Nächtlicher Sommerregen hat die Stadt von den Fieberträumen der letzten Tage befreit, und auf dem Heimweg befällt mich das Gefühl von viel früheren Sommern, wo es immer so war: Frisch in der Früh, mit einer Ahnung der kommenden Hitze im Sonnenlicht. Nicht dicht und stickig in der Früh schon.

Seltsam schöne Nacht, wenngleich ein paar Sorgweben umherhängen. Gegen das Vogelgeplärr um 4 Uhr früh protestiere ich nur schwach, im Halbdämmer lässt sich gut über so manches nachdenken. Über unerwartete Fragen zum Beispiel, die mich im Wachsein viel zu sehr aus dem Gleichgewicht bringen.

An so einem Samstag kann man dann ruhig nach dem Frühstück noch ein paar Reihen in einem zartweichen Bett stricken, auch wenn die wartende Arbeit ungeduldig mit den Hufen scharrt.

Und dann die Schritte des unerbittlichen Fitnessarmbands gleich mittags erledigen. So finden sich auch entzückende Guerillakunst-Kacheln an einem Brückenpfeiler, was mich gleich mit dem ein wenig umständlichen Heimweg wegen der fehlenden U-Bahnstation versöhnt.

So vieles ruft nach mir im heute angenehm temperierten Elfenbeintürmchen. Angefangene Texte, angefangene Strickzeuge, bereitliegende Acrylfarbe. Aber zuerst die Arbeit, da muss dann auch der Staubsauger warten.

Und wie das Brückenbäumchen wartet auch mein Wasserbäumchen. Ich hoffe zumindest, dass es noch steht.