Leider fehlte mir die Zeit, um alle 3 Termine des Liedermacher (-ing?) Festivals “Blue Bird” der Vienna Songwriting Assocoiation zu besuchen – aber zum letzten Termin in der Vorstadt habe ich es immerhin geschafft. Es gab vier heimische Acts zu bewundern – und vorweg: Was mich durchwegs positiv erstaunt hat, war schon bei diesen Vieren die bunte Vielfalt der Szene.

Eröffnet wurde der Abend durch “unsere jungen Tiroler” (Originalton Moderator) “My fearless Friends”. Der junge Mann stellte seine Gitarre als “fearless Friend” vor und begann sofort, sie zu quälen. Was durchaus nicht negativ gemeint ist; denn abgesehen von einem stimmlichen Kampf mit dem (wohl ungewohnten) Mikro bewegte sich das Set in Richtung Acoustic Rock, sehr feine Stimme, kräftige Gitarre, Songs, die klangen, als hätte man sie mühsam von einer Rockband heruntergerechnet. Ich fand das spannend (der Sufi weniger) aber irgendwie unvollständig und wünschte mir die ganze Zeit, dass sich doch ein Bassmann und ein Schlagzeuger finden mögen, die dem Ganzen den Körper geben, den es in meinen Ohren verdiente. Gegen Ende des Sets fanden sich die auch, zusammen mit einem Keyboarder, und siehe da: Plötzlich war der Sound rund, die Atmosphäre entspannte sich; es klang ein bisschen nach Coldplay, aber nicht zu sehr – und mit Band würde ich mir sowas durchaus gerne einen ganzen Abend lang anschauen. Obwohl sie, wiederum aus meiner Perspektive, nicht so richtig unter “Songwriting” fallen.


“Landscape Izuma”
, auch hörbar im FM4 Soundpark, war schon optisch faszinierend. Jung, hübsch, mit Gitarre und Laptop.  Stilles Erstaunen ringsum, als er mit einer sanften traditionellen Version von “Moonriver” eröffnet. Ganz so zahm bleibt es nicht; schon der zweite Song macht einen sehr eigenen Eindruck. Eine kräftige, aber sensible Stimme; mit der Gitarre weiß er auch umzugehen. Die Richtung ist Paul Weller, aber ohne epigonisch zu wirken. Schön. Viel versprechend.

 

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA
KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Das Publikum wiegt sich in sanft songwriterischer Sicherheit – zu Unrecht. Hier kommt Andreas. Spechtl, nämlich. Mit den Flashbax (Soundpark) schon längst ein Begriff (sagt zumindest der Moderator), will er sich auch solo durchsetzen – und genau das tut er. Die (halbakustische) Gitarre durch einen wunderschön alten Fender-Verstärker verzerrt, die Gitarristen-Rhythmus-Füße in klassischer One-Man-Band-Manier die wichtigsten Schlagzeug-Elemente tretend, das ganze mit einer rotzfrechen “die ganze Welt kannmichmal”-Stimme und entsprechenden Texten versehen – ganz gross. Sogar der Sufi, nach einer arbeitsamen Woche aufmerksamkeitsmäßig angeschlagen, kriegt große Augen und setzt sich gerade hin. Schöner, dreckiger Gitarrensound. Sehr eigen und eigentlich (zum Glück!) schwer beschreiblich, aber wer keinen Soundfile abkriegt, stelle sich vor: Einstürzende Neubauten in Symbiose mit Nina Hagen, dazu eine Prise Lou Reed. Hier stimmt alles. Wir wollen mehr! (Und dummerweise ist nach dem Konzert gerade diese CD ausverkauft. Verdammt!)

Zum Schluss die Stars des Abends: “Ben Martin und Band”. Gefälliger Acoustic-Band-Sound, der mich schon beim ersten Song an viel zu viel erinnert. Ö3-kompatibel – das mag für die Band sprechen, für mich ist es im Rahmen dieses Abends eine Anti-Klimax. Versteht mich nicht falsch. Die Band ist gut, technisch sowieso, auch charakterlich ist durchaus Potential da, nur für meinen persönlichen Geschmack ein bisschen zu glatt, ein bisschen zu sauber. An der E-Gitarre Georg (Izuma Landscape), der dem Ganzen immerhin einen Hauch von London-Indie-Sound geben kann; trotzdem, während der ersten 3 Nummern den Impuls, jetzt aufbrechen zu wollen, kaum widerstehen können. Danach schleicht sich dankenswerter Weise im Bandsound ein Anklang an die frühen Procul Harum ein, da geht’s schon leichter, aber vielleicht ist auch alles eine Frage des Einspielens und Werden-Lassens, denn die letzte, die allerletzte Nummer ist grandios: Grunge in Sound-destillierter Hochkultur, der auch mir wieder ein unreflektiertes Staunen erlaubt.

Unterm Strich ein starker Abend. Wieder einmal durfte man erleben, was alles an toller Musik nicht (oder kaum) im Radio zu hören ist; die schiere Vielfalt, die allgemeine Begeisterung. Ein bisschen traurig vielleicht, aus Selbst-Musikmacher-Sicht, dass trotz durchaus all-medialer Werbung der Saal zwar gut besucht, aber keineswegs ausverkauft oder überlastet war. Aber das hat mit der Musik selbst schon wieder nichts mehr zu tun.