Sonntagsspaziergang


Es ist ein strahlendblauer Himmel ohne das kleinste Wölkchen. Es ist Sonntag, Palmsonntag gar, in anderen Jahren ist zu dieser Zeit ein Drittel der Parkplätze leer, diesmal nicht. Autovoll und fast menschenleer sind die Straßen, vom Sportplatz kommt kein Ballgebrüll, nur selten lacht oder weint unten ein Kind vorbei, an der Hand von stillen Erwachsenen. Das Fitnessarmband erzählt mir, dass diese Woche noch 20 Intensitätsminuten fehlen, und raus wollt ich eh. Mit 20 Minuten ist es an so einem Tag natürlich nicht getan, aber es müssen ja nicht alle Minuten intensiv sein.

In den kleinen Gassen ist so gut wie gar nichts los. Auf den größeren ein bisschen mehr Leben. Mein Weg führt mich vorwiegend durch erstere in den Zehnten, dort wo früher einmal das Südbahngelände war, wo jetzt aber, wie seit Jahren schon, Wohn- und Bürotürme aus dem Boden schießen wie die Schwammerln.

Ein bissl Gstättn und ein paar grimmige Ecken bleiben aber noch, zum Glück.

An der Bahn entlang bewegen sich vereinzelte Spaziergänger, Radfahrer und Jogger, aber  es bleibt leicht, den empfohlenen Abstand einzuhalten. Irgendwie muss ich hier zunehmend an Cities Skylines denken.

Auch die Fussgänger-Radfahrerbrücke lädt zu fotografischen Experimenten ein.

Die Sonne erscheint mir nicht freundlich, sondern eher gnadenlos, der ununterbrochen blaue Himmel wirkt nicht nur wegen der fehlenden Flugzeuge vor allem leer.

Drüben auf der anderen Seite liegt das Arsenal, mit seinen wie immer faszinierenden Misch-Anblicken von Historie und High-Tech, von Gemäuer und Natur.

Auch hier übrigens freundlich lächelndes Abstandhalten. Und irgendwann die Erkenntnis, dass man in der Zeit geschlossener Lokale auch nicht schnell mal irgendwo eine Flasche Wasser kaufen kann. Egal, es ist nicht mehr weit bis zum Bahnhof. Auch auf dieser Seite der Bahn wird fleißig gebaut. Das lädt ein zum Spiel mit Licht und Schatten, leider spielt die Handykamera nur ansatzweise mit.

Nicht alle freuen sich über die glasbetonernen Aussichten.

Den Bahnhof lasse ich dann doch links liegen, jetzt bin ich ja eh schon fast wieder daheim. Das Waffengeschäft am Gürtel, dessen Schriftzug mit den bislang grimmigen Auslagen ich seit Jahren einmal „ordentlich“ fotografieren will, steht jetzt leer. Zu spät für die große Kamera. Zumindest noch schnell ein Handybild.

Mein Fitnessarmband meldet am Schluss der 14000 Schritte, ich hätte 300 Intensitätsminuten absolviert. Das geht sich mit dem knapp eindreiviertel Stunden, die ich unterwegs war, nicht eimal dann aus, wenn alle Minuten aufgrund der Intensität doppelt gezählt würden, aber egal, schaut gut aus in der Statistik.


Schreibe ein Kommentar.