Die Sache mit den “Wortpatenschaften” also (via it&w). Da kann man sich ein (schützenswertes?) Wort aussuchen, zahlt 5 Euro und kriegt dann eine Urkunde. Ich meine, nichts gegen ein “Geruchsknöpflein” (was immer das ist…), und auch “Schöpftopf”, “Bauchweide” und “Gemeinhau” wecken – wenn schon nicht Sympathie, dann zumindest Neugierde. Aber wem zahle ich als Wortpate die 5 Euro, und was passiert dann damit (außer den paar Cent, die die Urkunde kostet, die ich mir dann an die Wand hängen kann)? Die Webseite hüllt sich darüber in ziemliches Schweigen, auf irgendeiner dritten Subseite stößt man auf den Satz “Ein Teil des Geldes kommt dem ‘Verein Deutsche Sprache’ zugute”. Im Impressum schließlich steht “Die Erlöse gehen an den Verein Deutsche Sprache.” Also was jetzt? Wenn ein Teil, was ist dann mit dem Rest? Und wenn alles, was haben sie damit vor?

Verein Deutsche Sprache… da hatte ich während meines Dolmetsch-Studium-Intermezzos einen Professor, der ganz begeistert von denen war. Er bestand allen Ernstes darauf, dass “icon” mit “Ikone” zu übersetzen wäre. Ich meine… “Ikone”? Wollte er auf Holz klopfen? Bei der schriftlichen Prüfung übersetzte ich, damals schon jahrelang mit allen Computerwassern gewaschen (außer den apfelduftenden), “icon” stattdessen mit “Symbol” und erklärte meine Beweggründe in einer Fußnote. Ich erhielt meine ansonsten fehlerfreie Arbeit mit einem “Genügend” zurück und die mündliche Empfehlung, Professorenerklärungen nicht in Zweifel zu ziehen.

Das hat mein Verhältnis zum Verein Deutsche Sprache nachhaltig getrübt. Spätere Erfahrungen waren auch nicht viel besser. Ich spreche meine paar radebrech-Sprachen nunmal gerne durcheinander, und wenn jemand das stillos finden will, darf er das ruhig – mein Stil bleibt es trotzdem. Im übrigen ist Sprache etwas, das sich ständig entwickelt, und man sollte sie das auch lassen. Beispiel: Das überall als Übersetzungs-Anglizismus angemotzte “Sinn machen”. Ich finde aber, wenn etwas “Sinn macht”, dann ist das nicht mehr ganz dasselbe wie etwas, das “sinnvoll ist”. Für mich zumindest. Importierte Ausdrücke können auch Sprachgewinn bedeuten.

Anyway. Langer Rede kurzer Sinn: Wenn ich ein Wort an der Wand hängen haben will, dann mal ich es mir selber auf. Das macht mehr Spass, kommt billiger und unterstützt keine hölzernen Sprachkonservativisten. Und die Farbe kann ich mir auch aussuchen. Und für das Geld kaufe ich mir… naja, vielleicht ein Stück vom nächsten vorüberziehenden Kometen?