Da ist etwas Hübsches im RSS-Reader, das hätte sich zu linken gelohnt, aber ein Blick auf das urhebende Weblog zeigt, dass der Eintrag gar nicht dort ist – premium-Content für RSS-Abonnenten? Teaser für neugierige? Oder ist einfach jemandem das passiert, was mir auch schon 2-3 Mal passiert ist – falscher Knopf, und der Content, der gar nicht für die Welt bestimmt war, steht plötzlich im Feed? ZWei drei Minuten nur, dann ist er wieder weg, hoffentlich ist derweil kein Bot vorbeigekommen… Aber das kann man nur hoffen, nicht wissen, und vielleicht treibt sich der Content auch in zig Sammel-Inboxen herum. Und wie kann man überhaupt wissen, wie viele RSS-Abonnenten man hat da draußen, das kann eine/r sein oder 100, irgendwie subversiv und ungezählt, ganz im Gegensatz zu den Webseiten-Klickern. Leser aus der Unterwelt.

Ich mach mir den dritten Kaffee und das Fenster auf; geht gerade noch, auch wenn der heuer ohnehin so schüchterne Sommer deutlich vorbei ist. Der Wind, der mir ins Gesicht bläst, riecht gar nicht nach Großstadt, sondern mehr nach verregnetem Hochland, und das erinnert mich an einen Traum, den ich verloren hatte seit dem Aufstehen; Nachthemden sollte ich kaufen, für den Sufi, die sind im Angebot in dem Großmarkt, in den mein Unterbewusstsein mich verschlagen hat: drei Stück in Flanell und drei Stück in Baumwolle, und 70cm lang. Haben wir nicht, sagt die Verkäuferin, der Textilteil unseres Imperiums ist in Konkurs gegangen, leider, sie lächelt bedauernd. Als ich insistiere, führt sie mich durch Katakomben zu einer vergitterten Toreinfahrt, öffnet dort von innen die hölzernen Flügeltüren, und von draußen kommt genau so ein Windhauch wie eben in der Wirklichkeit, herbstschwer, feuchtkühl; und dann winkt sie mir, ihr zu folgen, und geht einen langen hohen Bogengang hinunter.

Das waren wohl einmal Pferdeställe? frage ich, Kann sein, antwortet sie gleichgültig. Die Fenster sind hoch oben, und unter jedem Fenster ist eine Nische, und in den Nischen stehen Kunstobjekte. Im Weitergehen sehe ich, dass die Farbe an den Wänden nicht alt und abgeblättert ist, sondern kunstvoll abgeblättert aufgetragen.

Am Ende des langen Ganges ist ein eisernes Tor, das sie aufschließt, dahinter ein riesiger, hallenartiger Raum voller Kisten und Kleidergestelle. An den Wänden rußige Fackeln, keine Fenster. Sehen sie sich ruhig um, sagt die Verkäuferin, ich komme dann in einer halben Stunde wieder. Ob ich etwas dagegen habe, dass sie mich einschließt, fragt sie, Ja, sage ich. Sie zuckt die Schultern, läßt die Tür offen und geht.

Mitten durch die Halle läuft ein Kanal, in dem fröhlich Wasser plätschert. Ich sehe etwas huschen und hoffe, dass es keine Ratte war.  Wie soll ich hier jemals etwas finden denke ich, und fixiere die erste Kiste, die daraufhin mit metallischer Stimme zu sprechen beginnt. “Jeans, Größe 28 bis 34, blau” wiederholt sie mehrmals, bis ich woanders hinschaue. Wow. Ich schaue eine andere Kiste an. “Porzellansets 36-teilig, weiß mit Goldrand, 10 Stück” robotert die Kiste.

Ich gehe durch den Saal, die Kleider an den Gestellen sind verschimmelt, teilweise zerrissen, und die Roboterstimmen begleiten mich, in vielfacher Ausführung. “Komm mit!” sage ich zu einer Kiste, die als Inhalt “Bücher aus dem Nachlass von Peter Handke” angibt. Aber der ist doch noch gar nicht tot? Die Kiste folgt mir brav, nur über den Wassergraben muss ich sie heben.

Draußen in dem langen Gang setze ich mich auf ein Hängestuhlartiges Kunstwerke und zünde die Kerze an, die praktischerweise Teil des Kunstwerks ist. Die Kiste lässt sich zu meinen Füßen nieder und öffnet sich. Ich beginne zu lesen… bis ein Feueralarm ohrenbetäubend durch das ganze Gebäude schrillt. Was soll hier brennen, ist doch alles Stein? 5 Mann in voller Montur traben durch den Gang und spritzen mit dem Schlauch meine kleine, harmlose Kerze aus. “Hören sie auf, sie machen ja die Bücher nass!”, schimpfe ich. Der Alarm schrillt noch immer, aber nein, das ist mein Wecker; vielleicht sollte ich doch mal einen anderen Weckton einstellen…

Auch das so ein Herbstzeichen, dass die Schulter der weckerabstellenden Hand es recht eilig hat, wieder zum Rest von mir unter die Decke zu kommen… Es ist die Zeit der morgendlichen Fünfminuten-Nochs, die Zeit des Ichwärejaschonwach-Aberunterderdeckeistessoschönwarm-Jammerns. Hilft nichts, die Arbeit ruft, und dann gibt es ja auch noch schöne Aussichten, heute undoder morgen, netter Besuch und, achja, stehenwirhaltauf, meine Schulter und ich, und begeben uns an den PC.