Diese staubigen Sonnenstrahlen überall. Draußen und drinnen. Verheißung und Resignation zugleich. Wir sollen spielen, die D.-Band soll spielen, und ich habe gewonnen: Ein Preisausschreiben. Der Gewinn ist, mit unzähligen Glühbirnen einen beliebigen Schriftzug irgendwohin zu schreiben, eine ganze Nacht lang. Wie gut das zu dem Open Air passt in den Bergen, auf einer roh zusammengezimmerten Holzbühne, es dämmert schon, die Techniker auf dem gegenüberliegenden Hang polieren noch die Glühbirnen, hoffentlich werden sie fertig bevor wir anfangen. Eine sehr alte Frau mit Kopftuch und Schürze bringt mir eine Glühbirne, staubig und voller Spinnweben, wir gefallen ihr, sagt sie, sie möchte auch etwas dazu beitragen und hat aus dem Keller dieses Licht gebracht. Das erinnert mich daran, dass heute unzählige Kerzen brennen, das ewige Licht, das man zu Ostern aus der Kirche mitheimnehmen darf.

Kalt ist es, das liegt an der Decke, die ich von mir weggestrampelt habe, jetzt zieh ich sie wieder zusammen und warte, bis mir warm wird. Diesen Tag im Haus verbringen? Ist eigentlich keine Strafe, nur ein bisschen, aus Gewohnheit. Das tiefe Summen ignoriere ich, bringt aber doch irgendwann zum Aufstehn. Ach. Wie die Vergangenheiten stoßen und drängeln, das werd ich ihnen abgewöhnen, schmeiß sie hinaus während ich die Wohnung putze, langsam und meditativ, zusammen mit der Sehnsucht, vielleicht doch wieder einen Job?

Viele Jahre her, noch kenne ich mich nicht, ein kurzer Besuch in einer Computerfirma, man nannte sie nicht Computer damals sondern Maschinen. Das erklärt alles. Kaum jemand spricht österreichische Färbung in diesen grauen, fensterlosen Hallen mit den riesigen Geräten, ohne Bildschirme noch, über dem Summen und Klicken sprechen sie mit norddeutscher Färbung, fast alle, leise, wie um die Andacht der Nullen und Einsen nicht zu stören. Jemand schenkt mir einen Stapel alter Lochkarten, die ich jahrelang hüte wie einen geheimen Schatz. Fortan und bis weit über das Ende der Illusionen hinaus begleitet mich dieses Bild wie eine Essenz all dessen was sauber und einfach und klar ist, ein elektronischer Eintongesang sakraler als jeder Kirchenchor, ein Antwort auf Fragen, die noch lange niemand stellt.