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Wochenend-Reste

Am Gang riecht es schon montags um 9 Uhr nach Schweinsbraten. Ein Rest vom Sonntag wahrscheinlich, so wie meine liegengebliebenen Zerstreuungen. „Nichts“ habe ich sehr überzeugt die Frage eines Freundes beantwortet, was ich denn am Wochenende machen würde. Und nichts habe ich gefühlt gemacht. Trotzdem ist die Wäsche erledigt, der Staub gesaugt, die Bücherstapel umsortiert. Nicht profitiert hat der Schreibtisch, der zeigt das gleiche Chaos wie noch am Freitag, aber es musste ja auch noch Zeit bleiben für ein bisschen lesen, stricken,  Musik hören und am Tablett Flipper spielen. Der Schrittzähler ist verzweifelt.

Ich dagegen bin bereit für eine neue Woche.

Es ist still (Journal #72)

Es gibt so Tage, da ist bleibt es still, ganz egal wie viel man redet oder anderweitig kommuniziert. Es ist friedlich und es passt und ist doch irgendwie eigenartig, ein bisschen so wie früher, als die Welt noch nicht permanent im Haus war, obwohl doch die Welt permanent im Haus ist. Derweilen arbeite ich brav und muss mir nur einmal ein bisschen selbst auf die Finger hauen, weil ich weniger Dringendes aus einem Impuls heraus vorziehe.

Die Nachrichten mittlerweile ein permanentes ungläubiges ‚Gibtsdochnicht‘. Ist das noch meine Welt? Werde ich jetzt schon richtig alt, oder schaue ich nur genauer hin?

Wetterumschwung (Journal #71)

Schlaf wird überbewertet, Arbeit aber auch. Mein Hirn schwimmt so gemütlich in all den kreativen Möglichkeiten, dass es auf Taten ganz verzichten kann. Es ist aber auch ein Kreuz, wenn sich Hormone einerseits und unangebrachte Urlaubsstimmung andererseits ein warmweiches, aber labiles Stelldichein in der Bauchgegend geben. Da hülfe nur ein unbestechlicher Feldwebel im Kopf, aber der meinige Solche ist schon vor Jahrzehnten in die Wüste ausgewandert. Und dabei wäre doch das kühle Regenwetter die beste Voraussetzung für Leistungen aller Art. Ich schaue noch einmal auf die To-Do-Liste, einmal auf den unaufgeräumten Schreibtisch. Ich seufze. Ich mache mir noch einen Kaffee.

Bauchschmerzen (Journal #70)*

Letzte Nacht wieder einmal ausgesprochen bunt geträumt. Auf einem kleinen Flugplatz kam es aufgrund des unorthodoxen Anflugverfahrens zu einer Häufung von Unfällen, die aber allesamt glimpflich ausgingen und eher påtschert als gefährlich wirkten. Ich versuchte, den Herrn Sufi anzufunken, der in einer 1:3 Scale-Version der guten alten Catalina einfliegen wollte, hörte aber nur ausgelassenes Gelächter, vermutlich war der Sendeknopf stecken geblieben. Unerwartet warf der Sufi seine Fluggäste als Fallschirmspringer ab, bevor er auf der etwas holprigen Piste landete. Das Holpern tat der Catalina nicht gut, und Stück für Stück brachen Teile ab, bis der Herr Sufi mit einer Hand am Steuer, mit der anderen gerade noch den einen Flügel festhaltend an mir vorbeibretterte. „Bremsen kaputt“, rief er mir zu, es klang aber gar nicht beunruhigt, und die Catalina ließ sich wasserflugzeuggemäß durch den kleinen Teich am Ende der Piste bremsen. Die Fallschirmspringer landeten, warfen ihre Schirme ab und begannen, zu schlechter Musik genau so um das Flugzeug zu tanzen, wie die Songcontest-Beiwackler gestern auf der Bühne. Der Herr Sufi verschwand kopfschüttelnd in Richtung Bar. Ich begab mich auf die Suche nach einer Steckdose für mein Telefon, stolperte aber in einen Graben, von dem aus man in ein verzweigtes Höhlensystem kam, in dessen Räumen unterschiedliche Partys gefeiert wurden, vom Emo über Metal bis Schlager war alles vertreten. In der Synth-Pop-Höhle stand mein Lieblings-Chefredakteur und beschwerte sich darüber, dass die Flugzeuge sein Motorrad zugeparkt hätten. Ich versprach, mich darum zu kümmern, wollte aber in Wirklichkeit nur weg von der wummernden Musik. Auf dem Weg durch die neonbunt pulsierenden Höhlen traf ich einen alten Bekannten, der mir seine Liebe gestand. Als ich ihn nicht heiraten wollte, ersuchte er doch zumindest um eine Umarmung, die ich ihm innerlich wiederwillig auch zugestand. Über seine Schulter sah ich eine alte nicht-Freundin grinsen und wusste, dass demnächst alle etwas wissen würden, was gar nicht wahr war. Ich ging aus den Höhlen und fand mich in der Gemeindebautenwüste wieder, von Flugplatz war weit und breit keine Spur. Aus der Ferne aber lockte Meeresblau, und ich dachte: Wenigstens etwas und ging darauf zu. Die randalierenden Krähen im einzigen Baum weit und breit erwiesen sich als Gruß aus der Wirklichwelt.


* OK, nachdem ich den ganzen Traum erzählt habe, hab ich keine Lust mehr, über Bauchschmerzen zu reden. Wär eh fad.

Bassenatratsch (Journal #69)

Im ersten Stock steht ein einwandfrei berg-gekleideter, aber kräftig nach Schweiß müffelnder Tiroler und fragt die Nachbarin nach dem Brand aus. Ich grüße und bleibe stehen, weil ich irgendwie doch auch eine neugierige Nase bin. Es gibt aber nichts Neues, jedenfalls nichts, was die Nachbarin weiß. Der Bergmensch will eine ganze Menge Sachen wissen und fragt so eindringlich, ohne dabei auf Gegenfragen zu antworten, dass ich ihm wohl auch dann nichts erzählen würde, wenn ich etwas wüsste. Schließlich meint er mit einem erschöpften Schnaufer: „Es Stadtleut, wieso wisst’sn es goa nix von eichere Nachbarn?“ Und eine Stimme hinter mir tönt in ebenso dichtem Tirolerisch: „Weil mir uns doda ned ausspioniern.“

Es ist ein Typ, der immer einmal wieder im Haus ist, obwohl er hier nicht wohnt. Bislang dachte ich, er würde zum weitläufigen Netz der Jugo-Ex-Hausmeister gehören, geredet hat er bisher nicht (höchstens einen Gruß mit Nicken erwidert). Heute trete ich schnell aus dem beidseitigen Tiroler Blickgewitter, das sich zu High Noon zu verdichten scheint, bis der Berg-Tiroler sich mit einem „Is scho guat“ verabschiedet und die Stufen hinunter geht. Der Haus-Tiroler stapft ohne weitere Worte die Treppe weiter hoch, die Nachbarin und ich schauen uns ratlos an. „Komisch…“ sagt die Nachbarin und schüttelt den Kopf. „Naja…“ sage ich. Wir wünschen uns noch einen schönen Tag.

Manches will man halt gar nicht genauer wissen.

Fremde Welten (Journal #68)

Nachmittags führte mich ein beruflicher Event ins mir ansonsten eher unbekannte Ottakring. Diese Geschichte wird demnächst anderswo zu lesen sein, aber einen Besuch beim Klaghofer kann ich wirklich allen Fleischliebhabern nur empfehlen, auch dann, wenn dort gerade keine Grillparty ist.

Mit Fotos und Informationen im Kasten und allerlei Köstlichkeiten im Bauch beschloss ich, doch noch etwas für meine Fitness zu tun und den Heimweg zu Fuss anzutreten. Der Abend war lau und das Licht pastellig, es war einfach zu schön für Straßenbahnen mit getönten Scheiben.

Ohne Onkel Google nach dem Weg zu fragen, ging ich nach Gefühl in Richtung Innenstadt und fand erst einmal die Gablenzgasse. Die war zwar sehr breit und für einen Samstag unangenehm dicht befahren, erweiterte aber meine Landkarte Wiener Sportvereine um einen, von dem ich noch nie etwas gehört hatte.

Eigentlich hätte ich, also gefühlsmäßig, ein Stückerl nach rechts gehört, aber da rechts keine Straße abging, ging ich halt nach links. Dort wartete die Herbststraße als klassische Vorstadtgasse, schmäler und ruhig, also warum nicht?

Eine wenig bekleidete Dame wartete über dem Eingang der Mode- und Bekleidungsschule wohl auf steile Klamotten, aber das tat sie am Samstag wahrscheinlich vergeblich. Die Kuh am Parkplatz dagegen war bereits einwandfrei gestyled.

Von da an wurde die Herbststraße weniger bunt und sehr gerade. Sonnenuntergangslicht, leichter Wind und der Duft nach Gegrilltem weckten dieses unwiderstehlich glückliche Urlaubsfeeling, obwohl sich links und rechts von mir die Gemeindebauten grau in grau  aneinander reihten – und sonst so ziemlich nichts. Ich war dennoch  irgendwie zufrieden. Aus einem Innenhof trug man Lautsprecher und Instrumente, während an der Ecke ein hagerer Typ mit langen Haaren seine Djembe streichelte, als wäre das Konzert einfach nicht lang genug gewesen. Vor dem nächsten Gemeindebau ein Denkmal, das ich gern fotografiert hätte, aber das hätte wohl zu Kommunikation mit der wie gemalt hin drapierten Gruppe Jugend geführt, die dort mit Bierdosen lagerte, und kommuniziert hatte ich für diesen Tag wahrlich schon genug. Auf der anderen Straßenseite hatte sich eine Schulklasse mit van Gogh beschäftigt und dabei, möglicherweise irrtümlich, Warhol-Anklänge geschaffen.

An der nächsten Gemeindebau-Kellerstiege saß, mit baumelnden Beinen, ein Mädchen, vielleicht 16, vielleicht 18, ein Bier rechts von sich, eine Flasche Wasser links von sich, ein Buch in der Hand. Unsere Blicke trafen sich, und ich war schlagartig sicher, dass sie dort auf jemand wartete, von dem sie schon wusste, dass er (oder sie?) nicht kommen würde. Ich hätte mich ja dazugesetzt, um die Geschichte zu hören, aber die Füße waren schon wieder schneller.

Der Abend, die fremde Gegend und die heute tatsächlich wieder zärtliche Gleichgültigkeit der Welt erlauben es, auch Dinge wieder neu wahrzunehmen, an denen man (ich) sonst eher achtlos vorübergeht.

Etliche Schritte weiter werden die Häuser anders. Männer, Frauen und Engerln bewachen und stützen die mehr oder weniger abgeblätterten Fassaden.

Die Gegend ist übrigens auch voller ausgesprochen trauriger Pinguine.

Während ich darüber nachdenke, dass es hier ja nur bergab geht, und ich daher keine Stockwerke auf meinem Schrittezähler verzeichnen werde können, kommen aus einem Haus zwei kopftuchtragende Mädels und diskutieren darüber, ob der Amir aus der Klasse über ihnen jetzt auf die eine oder doch eher auf die andere steht. Wir gehen in die gleiche Richtung, sie ein paar Schritte hinter mir, daher kriege ich eine ausführliche Liste aller Anzeichen, von heruntergefallenen und wieder aufgehobenen Bleistiften bis zum Pfiff von der Ecke, der, wie sich die beiden einig sind, zwar ein bisschen unanständig aber doch sehr eindeutig gewesen ist. Als ich stehen bleibe, um ein architektonisches Detail zu fotografieren, das mir irgendwie nicht wirklich in die Gegend passt, überholen sie mich erst, kommen dann aber ein paar Schritte zurück und schauen, was ich denn da fotografiere. „Siehst du das?“ sagt die eine, „ich wohne hier schon immer, aber das habe ich noch nie gesehen!“

 

Bitte, gern geschehen. Der Blick geht halt leichter nach oben, wenn man niemanden zum Plaudern hat, aber ob nun das eine oder andere angenehmer ist, darüber ließe sich streiten.

Weiter bergab wird es wieder lauter, die Lokale, die oben gefehlt haben, häufen sich hier, als wären sie den Berg hinunter gerutscht. Aus allen Ecken tönt Jugopop, aus den Fenstern quillt kalter Zigarettenrauch, aber nicht unangenehm, eher wie ein Gruß aus der Jugend. Am Gürtel schließlich ein erfrischender subversiver Ton.

Am Mausi-Tempel stauen sich Samstagsausflügler, und plötzlich und völlig unerwartet habe ich Lust, ins Kino zu gehen. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal im Kino war, aber man kann ja einmal einen Blick aufs Programm werfen? Drinnen lenkt mich die laute, bunte Spielhalle ab, sodass ich das Kino erst einmal gar nicht sehe. Natürlich sind die Bildschirme mehr und größer und schärfer geworden, dennoch erinnert mich das gut besuchte Eck an Flipper- und Tischfussball-Hallen meiner Jugend. Ich fahre drei Stockwerke nach oben, an Kulinarik aus aller Welt vorbei. Beim Japaner sitzen die Liebespaare, beim Vietnamesen und beim Burger-King die Familien, die Bar dagegen bleibt leer. Den Schildern nach finde ich schließlich das Kino wieder ganz unten. Von keinem der Filme auf der Tafel habe ich bislang irgendwas gehört, und irgendwie klingen die Titel nicht sehenswert, auch wenn der Popcornduft verlockend bleibt.

Ich gehe wieder. Beim Queren des Gürtels meint mein Knie, dass es jetzt vielleicht langsam doch genug wäre mit der Latscherei, doch weder das Gemüt noch der Rest des Körpers wollen zustimmen. Also geradeaus die Burggasse runter, dann rechts ab in die Neubau, und dann bin ich ja eigentlich eh schon daheim.

In der Burggasse noch ein deutlich sympathischeres Kino: Das Admiral. Hier hängen neben den Plakaten kurze Beschreibungen der Filme, und einen davon würde ich mir tatsächlich gern anschauen, aber – was mache ich mit den fünf Viertelstunden bis dahin? Dass ein Film tatsächlich zu einer festgelegten Zeit beginnt, erscheint mir einen Augenblick lang völlig absurd, und das macht mir plötzlich und unmittelbar bewusst, wie sehr die Vergangenheit vergangen ist. Auch die Idee, in irgendeinem Schanigarten noch irgendwas zu trinken, ist gar nicht mehr verlockend. Dabei hatte ich es mir oben im 16. doch eigentlich fest vorgenommen: Irgendwo einkehren und zuschauen, wie die Leute vorbeispazieren, damit nicht nur ich immer irgendwo vorbeispaziere. Aber ich spaziere lieber weiter. An der Mariahilferstraße noch ein Veganista-Eis, Banane und schwarzes Kokoswasser, ersteres unendlich köstlich, zweiteres kann nicht mit den begeisterten Beschreibungen mithalten, die ich darüber gehört habe.

In der Kaunitzgasse finde ich ein Sonnenuntergangswölkchen, und während ich Eis, Fotoposition und Handy ausbalanciere, glitscht mir das Gerät aus der Hand und holt sich am Asphalt einen ordentlichen Sprung am Display. Noch Stunden später wundere ich mich darüber, dass mich das kaum aufregt. Und dabei war das Wolkerl gar nicht so toll.

Zwischentag (Journal #67)

Es ist zartes Erwachen und ein harter Vormittag. Es ist der erste Gelsenbiss des Jahres und dieses Schwanken zwischen der Erkenntnis, dass dieser Tag doch eine Jacke brauchen könnte, ich aber keine anziehen will. Es ist der Duft von frischen Erdbeeren, und ich überlege lange: Kuchen? Joghurt-Shake? – Bevor ich sie so esse, wie sie am besten sind: Ohne alles. Es ist ein gelbes Sommerkleid, das ich vor Jahren gekauft habe und beim Umräumen wiederfinde, ein Kleid, das ich nie anhatte, weil es eigentlich schon für Mitte 20 zu jung ist. Heute ziehe ich es an, nur für mich. Es ist der erste malerische Sommersonnenuntergang des Jahres, die Sonne geht noch nicht weit genug in den Westen um ihn vom Gangfenster aus zu fotografieren. Es ist die frische Luft, die vom Fenster herein kommt, zum ersten Mal heuer angenehm kühl.

Und ein Schluckerl Pale Ale, wenn ich schon nicht aufs Craftbeer-Fest komme.

Stadtgedanken (Jounal #66)

Die Stadt wirkt dunkler als sonst, und die Echtzeitanzeigen der Öffis sind ausgefallen. An der Straßenbahnhaltestelle sitzt einer und jammert wortlos vor sich hin, sogar die dahingackernde Maturareisegruppe wird einen Moment lang still vor so viel leid. Man, oder vielleicht nur ich, fängt an sich zu fragen, was man eigentlich da macht, in dieser Nacht, in dieser Stadt, in diesem Land. Als wüsste man, oder ich, nicht längst, dass es anderswo auch nicht besser ist.

Als wäre diese Dystopie noch nicht dicht genug, grummelt dann auch noch ein langatmiger Donner über die Szenerie. Ich glaube, da hilft wirklich nur mehr ein warmes Bett.

Nach dem Feuer (Journal #65)*

Erdgeschoss und Mezzanin riechen nach Räucherstube, der erste Stock riecht nach kaltem Kaminfeuer. Der Glasteil der Türe der Brandwohnung ist offen, vermutlich um den Rauchgeruch rauszubringen, und ich bin neugierig und werfe einen Blick hinein. Töpfe und Geschirr liegen am Boden, auch das, was man durch die Küche ins Zimmer sieht, ist Chaos. Ich bleibe nicht stehen, schaue quasi nur im Vorbeigehen kurz nach links, und dann gehe ich weiter nach oben. Schon einen halben Stock darüber riecht es erstaunlicherweise kaum mehr. Die Lokalnachrichten erzählen, dass die Frau, die vor ein paar Tagen mit der brennenden Zigarette eingeschlafen ist, es nicht überlebt hat. Es ist einer dieser seltsamen Momente, in denen das analoge Netzwerk sichtbar wird, auch wenn man es gar nicht sehen will.


* Ich kann den blöden 100×100 Titel nicht mehr sehen, und ja, der letzte Eintrag zählt auch ungezählt.

100 x 100 (61, 62, 63)*

Ein bisschen aus der Zeit gefallen, die letzten Tage, unerwartet und unpassend, aber eingehüllt vom weichen „Istehsommer“-Feeling. Dabei natürlich immer verfolgt von der ToDo-List, aber umschichten ist meine Spezialität.

Mein Knie zickt. Aber es zickt gleich viel, ob ich nun sitze, stehe, gehe oder liege, daher kann ich auch ruhig die Herausforderungen des Fitnessarmbands annehmen. Im Park riecht es nach frisch geschnittenem Gras, auf das die Sonne brennt. Gleichzeitig ein kühler Wind aus dem Schatten. Für das tolle Wetter ist wenig los, zwei Feiertagswochen hintereinander, da sind die Bewohner des 14. wohl nicht in der Stadt.

Eine U-Bahn-Station lang hatsche ich, das Knie entschärft den Fotoblick, das Becken des Wienflusses auch eher fad. Da nehmen wir doch die U-Bahn und hatschen vom Rande des 5. weiter. Im Bruno-Kreisky-Park fehlen noch immer die Hängematten, und schlimmer noch: Es fehlt auch ein Baum.

Er war ein guter. Wenn ich meine Schattenbaumkronen nicht durcheinander gebracht habe, war es der da.

Auch der Fünfte ist feiertagsleer, ein Park mit Familienpicknick – Kinderspielplatzlärm – Biertrinkern – Hundespielern – Bankschläfern und irgendwie freut mich, dass das alles so friedlich nebeneinander existiert, zwei Streifenpolizisten sehen auch nirgends einen Grund einzuschreiten, und eigentlich hätte ich ja Lust, mich auf eine Bank zu setzen und ein bisschen zu beobachten und mittendrin zu sein, aber ich tue es nicht, wie ich es seit jeher kaum jemals tue. Der nächste Park umzäunte Baustelle, und ich frage mich, was aus den Kids von damals geworden ist. Immer öfter erstaunt mich mein Gedächtnis, welche früher schon flüchtigen, nebensächlichen Momente es detailliert abspeichert, welche viel wichtigeren es kaum noch schemenhaft bereit hält, selbst beim Wiederlesen einstiger Notizen nicht. Diese Gedanken sind wohl ein unbestreitbares Zeichen des Altwerdens; über graue Haare, Knieschmerzen und Zeitnot mag man ja diskutieren, aber die Eigenheiten des Gedächtnisses sind wirklich nur mit den Jahren zu erklären.


  • Meine Regeln, ich darf das!

100 x 100 (60)

Dieses stetige Grummeln im Hintergrund ist beunruhigend, auch wenn die Vögerln vor dem Fenster sich nicht beeindrucken lassen und fröhlich weiter zwitschern. Kann mich nicht erinnern, dass mir im Mai schon mal zu warm in meinem Hochbett war, aber letzte nacht war es so. Dankbar für die etwas kühleren Luftmassen. Wetter-Sprech ist ja auch so etwas eigenes. „Luftmassen“ klingt schon irgendwie bedrohlich, und mit „Niederschlag“ wird’s dann richtig aggressiv. Irgendwie würd ich gern mal wieder ein Gewitter so richtig genießen, aber seit den Wasserkatastrophen mit dem undichten Dach bin ich da eher reserviert.Es ist ein Jammer mit den schlechten Erfahrungen.

100 x 100 (59)

Heute hab ich mir zwei Stunden geklaut und war im botanischen Garten, Fotos fangen. Das war zwar nicht ganz frei, weil ich die Fotos demnächst für ein anderes Projekt brauche, hat sich aber doch frei angefühlt. Und gut, weil ich das in den letzten Monaten sträflich vernachlässigte Makro noch durchaus beherrsche. Unterwegs, nicht zu warm nicht zu kalt, ziemlich zufrieden. Das Fitnessarmband auch endlich wieder befriedigt. Danach wieder an die Arbeit, schließlich ist ja Tag der Arbeit. Neben Fussball arbeiten hat immer schon Spass gemacht, hoffentlich wird das Spiel nicht allzu spannend.

OK, ein Foto geht noch (Nix für Arachnophobiker).

100 x 100 (58)

Erstmals heuer die Haare lufttrocknen lassen. Schaut nicht toll aus, was aber egal ist, weil ich eh nirgends hin geh. Seltsames langes Wochenende zu Hause vor dem Computer. Mein Freizeit-Gen ist schon völlig verkümmert. Und wenn dann doch irgendwo ein Haucherl Zeit übrig bleibt, weiß ich nicht, was ich damit anfangen soll. Und was ich hier erzählen soll, weiß ich erst recht nicht. Also noch ein bissl weiter  arbeiten, dann ist es morgen vielleicht weniger. Ist es aber nicht. Es ist wie im Tunnel, man weiß zwar, dass man auf dem Holzweg ist, aber zum Umdrehen ist es zu eng.

100 x 100 (57)

Der Vollmond singt 80er-Powersongs in mir, und das passt weder akustisch noch emotionell. Ich kann mich aber nicht darum kümmern, weil ich mich gerade um ganz andere Dinge kümmern muss. Um viel zu viele andere Dinge. Dieses Jahr geht ins fünfte Monat, und ich habe noch kaum begriffen, dass es überhaupt schon angefangen hat. Was ich mache, macht mir Spaß, dass aber für Kunst und Leben gar kein Platz bleibt, kann nicht ewig so weitergehen. Müsste es aber, wenn ich ernsthaft an Sanierung denke. Ich bin ratlos und abwechselnd dankbar dafür oder verzweifelt darüber, dass keine Zeit zum Nachdenken bleibt.

100 x 100 (55)

Huch, da war schon wieder ein Tag versäumt. Mit steigender Anzahl vollbrachter Einträge fällt zwar das Schreiben für mich selbst wieder leichter, doch zunehmend fehlt mir die Lust, mich an die 100 Wörter zu halten. Paradoxerweise habe ich das Gefühl, ich würde öfter schnell was ins Blog schreiben, wenn ich nicht darauf warten würde, ob ich es noch als Aufhänger für die 100er-Serie brauche. Aber, da muss ich jetzt durch. Sowie ich in letzter Zeit viel zu oft durch die unzähligen Tunnel der Westbahnstrecke muss. Mit der Landschaft vor dem Fenster hat Zugfahren wirklich mehr Spass gemacht. Dafür jetzt halt schneller.  

 

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