Der Zugsog

Der Bahnhof von München erinnert mich an den Flughafen von Paris – egal, wo man hinwill, man ist immer am falschen Ende des Riesendings. Im übrigen habe ich auch noch nie einen Bahnhof gesehen, an dem es so viele verschiedene Dinge zu essen gibt. Außerdem soll man nie die Kraft der Vorurteile unterschätzen, obwohl, so oft wie ich heute von dem bayrischen Taxler “Jo leckts mi doch am Oasch” gehört habe, war der vielleicht vom Fremdenverkehrsverein bestellt. Samt dem Stau, der die Flüche hervorbrachte.

Die Zugdurchsagen (und ich hab heut reichlich davon gehört) häufig in breitem oder leicht verhohlenem Ostdeutsch. Statistisch natürlich irrelevant, ruft aber irgendwie nach einer dahinterstehenden Geschichte. Auch die Dialekte ringsum durchaus bunt durchgemischt; Bayern kräftig aber nicht unbedingt in der Überzahl.

Bei der Einfahrt nach München noch überlegt, eine Stunde Stadtbummel in Betracht zu ziehen. Aber es regnet. Es ist kalt. Ich bin müde. Woraufhin natürlich, um mein gern gesungenes Loblied auf die Bahn zu untergraben, der Regionalzug nach Salzburg erstmal 20 Minuten Verspätung hat. Von Polizeieinsatz und Selbstmördern reden die Fahrgäste, von geänderter Streckenführung die Offiziellen. Hm. Und dieses Löwenbräu ist übrigens ein ziemlich grausliches Zeugs. Erinnert mich, falls ichs vergessen sollte.

Zugdynamik selbst ist auch etwas eigenes. Fernzugreisende sind leichtem Geplauder gegenüber aufgeschlossen, wenn es nicht zu dicht wird, und kommt nach den ersten 150 Kilometern ein neuer dazu, ist er erstmal ebendas – der Neue. In Regionalzügen dagegen kennt man sich entweder, oder man kennt sich nicht. Fremde anzureden, ist nicht eingeplant, sogar Augenkontakt wirkt schon dreist.

Bayern scheint sich in Sachen Wirtschaftskrise nicht so ganz einig zu sein. In München Kräne, die bauen, als gäbe es kein Morgen. Am Land schauts streckenweise eher schäbig aus, ein paar Kilometer weiter stampfen sie ganze Siedlungen aus dem Boden. Hm.

Alle Züge außer der bayrischen Regionalbahn heute irgendwie indisponiert, Verspätungen, nach der Reihe, so kenn ich sie gar nicht, meine Bahn. Jede Durchsage bringt rund um mich hektisches Mobiltelefonieren in Gang, “du, ich komm 5 Minuten später” – “Du, ich komm noch 5 Minuten später!” aus der Teenie-Riege, während Omis erst hektisch die papierenen Zugbegleiter wälzen und dann leiser Verzweiflung verfallen. Warum auch immer, möglicherweise hungert zu Hause der Dackel. Trotzdem alle meine Anschlüsse gekriegt, nicht zuletzt wegen hektisch telefonierender Schaffnerin (wie heißen die eigentlich heute politisch korrekt?), “Lassense ma denn 12:51er nicht fahren, ich hab da noch 5 Loit für den.” Danke, das wär sonst irgendwie stressig geworden. Andere Schaffner zucken da nur mit den Schultern, auch schon erlebt.

Salzburg-Wien zahrt sich jetzt doch auch ziemlich, weil der Zug immer wieder Mal irgendwo mitten in der Pampa stehen bleibt. Jetzt kurz vor Attnang Puchheim. Da hab ich in der Früh Cappuccino getrunken. Also, während dem Durchfahren, ausgestiegen bin ich nicht. Wär auch irgendwie ungesund gewesen, bei der Geschwindigkeit.

Jedenfalls, von der Stimmung her, sehr zufrieden mit dem Moment mit Cappuccino und dem zugehörigen Butterkipferl, noch warm, die Wasser-Geschichte korrigierend, redigierend. Mir vorgestellt, bei einfachen Textarbeiten immer Mal wieder quer durch Österreich zu rollen, einfach so. Ohne Grund. Weil alles irgendwie leichter von der Hand geht,wenn sie draußen die Lanndschaft vorbeiziehen.

Erster Eintrag mit eee und Huawei. Muss ja auch Mal gesagt werden. (Muss es natürlich nicht, ich will aber)