Schlagwortbefindlichkeiten

Seltsame Gewohnheiten

Bei einer versuchten kritischen Selbstanalyse meines Tagesablaufs (Ziel: mehr Zeit, weniger Stress) ist mir aufgefallen, dass sich in meinen Tag eine ganz seltsame Form von Stehzeiten eingeschlichen hat. Unter bestimmten Umständen verliere ich meine ansonsten durchaus in vernünftigem Maß vorhandene Mutitasking-Fähigkeit. Die Umstände:

– Eine Aufgabe, auf die ich keine Lust habe, die aber trotzdem erledigt werden muss,
und
– etwas, das mich daran hindert, diese Aufgabe zu erfüllen.

Beispiel: Ein Artikel, der geschrieben werden muss – aber dazu fehlt noch eine zentrale Information, und die erwartete Email ist noch nicht da.

Da könnte man doch einiges erledigen, während man aufs Posteingangs-Klingeln wartet, Emails beantworten zum Beispiel, oder auch Telefonate führen; an einem anderen Text arbeiten, Mini-Layout-Korrekturen an der einen oder anderen Seite vornehmen, etc., etc. –  aber nix. Stattdessen
– werf ich einen Blick auf ORF.at
– laufe vom Fenster zur Tür und wieder zurück
– lehn mich im Sessel zurück und wundere mich über Staubflankerln an der Decke
– geh wieder zum Fenster und schau nach, wer da unten pfeift
– leg die Füße auf den Schreibtisch und wackle mit den Zehen
– fange an, die Apps auf meinem iPhone hin und her zu schubsen

…und so weiter, und so fort, und schon hab ich eine halbe Stunde verloren. Oder mehr.

Aber lustigerweise eben nur dann, wenn es um eine Sache geht, die ich nicht machen mag. Handelt es sich dagegen um einen Artikel, den ich eh gern schreibe, mache ich in der Wartezeit ganz normal mit anderen Aufgaben weiter. Es scheint sich also um eine seltsame Form der Zielfixierung zu handeln, die mich dann befällt, wenn mir etwas Lästiges bevorsteht, ganz und gar kontraproduktiv und im Side-Effekt die Unlustigkeit noch überbetonend.

Hm. Und wie brech ich das jetzt auf?

Liebe Grippefee,

gibt es eigentlich irgendeinen nachvollziehbaren Grund, warum du mich ausgerechnet zum ersten richtig schön warmen Wochenende des Sommers besuchst? Ich meine, da passt mein Zustand doch gar nicht hin. So eine rote Taschentuchnase macht sich viel besser, wenn draußen dunkle Wolken vorbeiziehen und ab und zu ihre Traurigkeit in flüssiger Form kundtun. Dann lässt sich gut auf der Couch liegen, die Teetasse fest in der einen, das Taschentuch in der anderen Hand, und traurige Filme von DVD anschauen, zu denen man sonst eh nie kommt. An solchen Tagen kann man sich, Rotz hin, Husten her, fast einreden, dass so eine Mini-Krankheit eine Art Kurzurlaub ist, schwitzend und schniefend halt, aber doch.

Dagegen heute? Die Sonne strahlt, als wollte sie mich auslachen. Die einen sind am Flugplatz, die anderen am See, und die, die keins von beidem sind, sitzen wenigstens in einem Straßencafe mit einem Espresso vor sich auf dem Tisch. Nur ich sitz hier drinnen, schütte abwechselnd Tee und Mineralwasser und Aspirin in mich hinein, wobei das an sich ganz egal ist, denn schmecken kann ich eh nichts.

Man könnte doch, so dachte ich schließlich, diesen nichtsnutzigen, fieberweichen Körper wenigstens irgendwo im Grünen in den Schatten legen, schließlich ist es doch egal, wo man rumliegt und sich regelmäßig schneuzt? Schon auf der Treppe fand ich es allerdings ein bisschen seltsam, dass die kleinen, fluffigen Wölkchen, die vor dem Fenster so verlockend aussahen, sich offenbar auch unter meinen Füßen befanden, und dass mein Kopf, wiewohl auf meinen Schultern festgewachsen, irgendwie doch im 4. Stock blieb. An der Haustür rastete ich und blinzelte in die Sonne, die jetzt gar nicht mehr freundlich lockend schien, sondern meine glänzenden Augen mit brutaler Helligkeit blendete. Kaum über die Straße, war ich durchnäßt, als käme ich frisch aus dem Bad. Der Asphalt irgendwie weich unter den Schuhen, das Licht tat meinen Augen weh, und langsam dämmerte mir, dass ein Ausflug vielleicht doch nicht die Idee des Tages war.

Ich schleppte mich noch bis zum Eck, um das nötigste einzukaufen (mehr Taschentücher und mehr Mineralwasser, Tee ist noch genug da) und kehrte dann, die Treppen aufwärts langsamer als die Oma von Gegenüber, reumütig auf meine Couch zurück. Und es ist nicht Mal jemand da, der mir sanft den Fieberschweiß von der Stirn tupft – die sind ja alle draußen. Am Flugplatz. Oder am See. Oder zumindest… na du weißt schon.

Also, liebe Grippefee, wir kennen uns ja lange genug. Ich find’s auch in Ordnung, dass du mich 2-3 Mal im Jahr besuchen kommst, das gehört auch zum Leben. Aber könntest du in Zukunft bitte etwas auf dein Timing achten? Der Sommer ist doch ohnehin viel zu kurz.

…und seltsam ging der Tag weiter

Ich könnte damit anfangen, darüber nachzudenken, warum an einem Tag, an dem man fast 2 Stunden früher aufsteht als sonst (freiwillig, also ohne Notwendigkeit! – Ich werd auch alt…) am Ende viel weniger Zeit übrig bleibt, als an einem normalen Tag – aber das Rätsel habe ich bereits gelöst: Es liegt einfach daran, dass man immer noch das Gefühl hat, viel mehr Zeit für Nebensachen zu haben, auch wenn die Mehr-Zeit schon längst verbraucht ist. Viel mehr beunruhigt mich – vor allem vor dem Traumhintergrund – der größte Pickel aller Zeiten, der gerade auf meiner Wange heranwächst. Als ich ihn im Spiegel bemerkte, wurde mir schlagartig klar, warum der 5-Jährige im Supermarkt, den ich nur freundlich gebeten hatte, einen Schritt zur Seite zu treten, wortlos zu brüllen begann. Ich bin’s, die böse Hexe Kniesebein, oder so. Nicht klar wurde mir hingegen, warum mein Foto-Blick heute so gar nicht funktionieren wollte, und warum mein (persönliches) Postfach leer blieb, obwohl sich doch schon Menschen telefonisch über die Nichtbeantwortung von Mails beschwerten. Gegen letzteres Problem half ein beherzter Griff in die Server-Mailbox, mit dem ich 1280 Spams so quasi nebenbei im Klo runterspülte (wobei, woher die in einer nie online publizierten Adresse kamen, bleibt bleibt weiterhin unklar); gegen ersteres hingegen hilft vermutlich nur etwas mehr Muße. Die zurzeit aber nicht da ist, denn momentan gibt es nur Muß!, eh? …aber auch das wird sich wieder ändern. Was ich von dem Pickel übrigens auch hoffe. Soll ich euch am Laufenden halten?

Kleine Freuden

Seit mein Duschgel nach Zitronengras riecht, möcht ich am liebsten 5 Mal am Tag duschen.

Die Zeit, die Veränderung und die Langeweile

Ich weiß nicht, ob es wirklich diese Tage gibt, an denen sich bestimmte Trigger häufen, oder ob das, wie der Sufi behaupten würde, nur selektive Wahrnehmung ist. Ich weiß auch nicht, ob mich das wirklich interessiert. Und vielleicht hat dieses Nicht-Interessieren ja auch mit all den Weblog-Einträgen zu tun, die ich in letzter Zeit nicht schreibe. Ich meine nicht die, die ich nicht schreibe, weil ich denke, dass jemand sie in den falschen Hals bekommen könnte, oder die, die ich nicht schreibe, weil ich nicht sicher bin, ob ich wirklich so viel von mir preisgeben will (als hätte ich in all den Jahren nicht schon reichlich genug von mir preisgegeben). Ich meine vielmehr die Einträge, die ich nicht schreibe, weil alles irgendwie irgendwann eh schon Mal dagewesen ist. Ich meine sowas wie:

Das erste Gewitter des Jahres pladdert auf meine Fensterbänke, als würde es hageln. Draußen am Gang riecht es nach Apfelkuchen. Ich lasse mir die Haare nassregnen auf dem Weg zum Supermarkt, und die Omi am Fenster sieht mich an, als wäre das ein Kapitalverbrechen.

Nun, dass alles hatten wir schon irgendwann einmal. Wir hatten Gewitter, sogar erste Jahresgewitter, den Kuchengeruch am Gang (obwohl das, ohne jetzt nachzuschlagen, damals glaube ich Schokokuchen war). Wir hatten nassgeregnete Haare und böse-schauende Omis, obwohl die, glaube ich, wiederum ohne nachzuschauen, bisher in keinem Zusammenhang miteinander standen. Ist ja auch egal.

Wozu also noch einen Chronik-Eintrag schreiben, wenn ohnehin nur altbekannte Elemente darin auftauchen? Früher habe ich das mehr wegen der Sprache gemacht, aber auch die langweilt mich. Meine Sprache, also. Wahrscheinlich hab ich einfach schon zu viel von mir gelesen.

Heute jedenfalls, kurz nachdem ich auf dem Weg zum Einkaufen den oben angerissenen Blogeintrag entworfen und wegen mannigfacher Beinahe-Wiederholungen wieder verworfen hatte, stolperte ich, unabsichtlich, aber offenbar nicht ohne Absicht des Schicksals (außer es handelt sich um die oben schon angesprochene selektive Wahrnehmung), in meine Profilseite auf einem Forum, indem ich seit ca. 5 Jahren regelmäßig schreibe. Und schwamm mit nicht ganz unsimentaler Verwunderung durch alle Einträge, die ich in dieser Zeit verfasst hatte, was ungefähr dreimal so viele waren, wie ich vermutet hätte, wenn ich je darüber nachgedacht hätte.

Jetzt wächst mir auch noch ein Riesen-Pickel auf der Nase. Passt perfekt zu diesem Tag.

*brrrrrr*

Wenn ich etwas noch weniger mag als Schnee, dann ist das matschiger Schneeregen, so wie der da draußen gerade. Irgendwie habe ich angesichts des angenehm lauen Herbsts außerdem übersehen, dass man Mitte November bei zweitägiger Abwesenheit vielleicht doch durchheizen sollte. 12,5° Innentemperatur bei der Rückkehr. Die einzige Idee, die mir momentan verlockend erscheint, ist “ab zum Flughafen und nix wie raus hier”. Weiß vielleicht jemand einen Job für die nächsten 6 Monate, südlich des 30. Breitengrades?

Na also

Mich heute von der Welt ungerecht ignoriert gefühlt (das liegt nicht an der Welt, es liegt an mir) und diese dann selber ignoriert auf allen Ebenen. Dafür ist mein neuer Schal fast fertig. Abends doch mal wieder das Telefon abgehoben und den Computer aufgedreht, siehda: Nur nettes im Posteingang wie im Hörer; erstaunlich eigentlich. Vielleicht sollte ich mich öfter Mal rar machen.

An der Supermarktkasse packte mich das Entsetzen

Ich hatte irrtümlich den koffeinfreien Cappuccino gekauft. Wie soll man auch den unscheinbaren Vermerk bemerken, wenn der Tag ohne die schwarze Droge begonnen hat? Zum Glück ging der Umtausch unbürokratisch vonstatten.

Meine neuen Linsen

…ihr wisst schon, die an die Hornhaut angepassten, die haben – vor dem Einsetzen von der Seite betrachtet – einen blauen Schimmer. Und wenn ich sie einsetze, muss ich ein paar Mal blinzeln, bevor ich scharf sehe. Müssen sich dann wohl erst richtigrum drehen.

[Nur damit ich nicht vergesse, dass es nicht immer so war.]

Kleine Wahrnehmungen

I. Unglaublicher Entspannungszustand gestern im Zug, hatte mein Handy verborgt und war daher für eine ganze Stunde sicher vor jedweder Einwirkung der Außenwelt, unbezahlbar.

II. Beim Korrekturlesen von fremden Texten entdecke ich höchst unangenehme oberlehrerhafte Züge an mir; vermutlich der Grund, warum ich es so ungern tue, obwohl ich es gut kann.

III. Mir heute Vormittag nicht erklären können, warum ich mich plötzlich so von der Welt abgeschnitten und alleingelassen fühle, bis mir auffiel, dass ich zum ersten Mal seit dem Frühling das Fenster nicht geöffnet hatte. Dickeren Pullover angezogen, Fenster auf, alles in Ordnung.

Rätselhaft

Da habe ich von meinem Ausflug zur UL-Expo am Flugplatz Zell am See nicht nur nette Eindrücke und haufenweise Bilder (demnächst auch online) mitgebracht, sondern auch einen ausgewachsenen grippalen Infekt. Der Arbeitsstapel auf dem Schreibtisch zeigt sich allerdings davon unbeeindruckt, sodass das Krankenlager vor dem Bildschirm stattzufinden hat, und zwar unter beständiger Einnahme von Aspirin C, Wick Daymed sowie etlichen homöopathischen Mitteln. Der Föhn da draußen trägt auch nicht gerade zu Genesung und Wohlbefinden bei. Und was muss ich dann noch gegen Mittag hören? Einen sturen, beharrlichen Presslufthammer draußen vor dem Fenster, der mit dem Summen in meinem Kopf einen ganz eigenen und nicht unbedingt angenehmen Rhythmus ergibt (Techno-Fans wären möglicherweise anderer Meinung).

Da in die Tastatur gemurmelte Beschwörungen (“Genug jetzt”, “Ach hört’s schon endlich auf!”, “Schleich di!”) auch nach einer Stunde noch nichts nützen, quäle ich mich ans Fenster, um zu sehen, warum die da unten meine Straße zum dritten Mal in diesem Jahrt aufreißen. Allein: Ich sehe nichts! Kein Loch, keinen Presslufthammer, keine Mannschaft.

Fiebernde Halluzinationen? Unwahrscheinlich, mein nimmermüdes Unterbewusstsein hätte bestimmt auch die Bilder zu den Tönen geliefert. Ein Geisterbohrer? Aber wo bleibt das Loch?

[Update: Zumindest die Halluzinations-Variante lässt sich mittlerweile ausschließen, hat doch ein Nachbar gerade hinuntergebrüllt: “Noch nie was von Mittagsruhe gehört? Ihr könnt’s um drei weiterbohren”.] [Seltsamerweise ist es seither still.]

Reif für die Insel

Oder für die Pension. Oder für was auch immer. Wenn der ORF-Ticker meldet:

Bush gesteht: Habe zu viele Doughnuts gegessen

…dann würde ich am liebsten alle meine RSS-Abos kündigen.

Irgendwie fällt mir dann auch sofort Bob Dylan ein (Chronicles, S283)

Even the current news made me nervous. I liked the old news better. All the new news was bad. […] Twenty-four-hour news coverage would have been a living hell.

Hej, vielleicht ist genau das mein Problem.

Frust

Es regnet, es ist kalt, und weil mein Wecker spinnt, habe ich den Anfang vom Klagenfurter Spektakel versäumt, bis dann das Telefon sinnlose Diskussionen klingelte, danach hatte ich irgendwie auch keine Lust mehr, ich hab eigentlich überhaupt keine Lust mehr, nicht nur auf Klagenfurt, sondern überhaupt, vielleicht such ich mir einen Allerweltsjob, kauf mir einen Dackel, und halte dann gänzlich den Mund.


Oder ich denke einfach nicht mehr darüber nach und mache weiter wie bisher.

No Fun

Aufwachen vom röchelnden Husten des Nachbars; jemand der seit Jahren jeden Morgen so hustet, müsste schon längst tot sein, ist er aber nicht; heute neues Geräuschfragment dazwischen, ein gullerndes Gluckern, erst nach dem Ende des Hustenanfalls feststellen können, dass es von der anderen Seite kommt: Dort quält offenbar jemand ein Baby (mantraartig wiederholtes “Ja wie heißt denn du? Gulli Gulli Gulli!”); Vermutung Momente darauf durch gellendes Babygeschrei bestätigt; versteh ich gut: Wenn mir jemand so dämlich kommt, würd ich auch brüllen. Männliche Stimme dazwischen, nicht zu verstehen, Baby wieder still, Quälerin auch.

Vollmondtraumfragmenten nachgehangen, sehr weit weg, sehr zart & warm; Telefon klingelt dazwischen und berichtet von Sonnenschein, hier ist es finster. Niesanfall schmerzt in taschentuchaufgescheuerter Nase. Ohren dafür wieder frei.

Einziger Vorteil der kalten Jahreszeit ist, das Schlafgemach wenig zu heizen & dafür unter einem Deckenwall verkriechen; ich liebe das. Aufstehen ist dann weniger lustig, aber aufstehen ist ohnehin nie lustig.

Mein madegassischer Mini-Baobab, der den Sommer sehr genossen hat, kümmert dahin, seit Tagen schon. Ich gönne ihm einen Platz unter der hellsten Lampe & mir dann anschließend einen Kaffee. Zum Kaffee die computerliche Morgenrunde, mit den Zähnen knirschend erstmal durch die Mail; ich habe meinen Spamfilter ausgezeichnet dressiert, hilft aber nix, wenn nette Freunde den dümmsten Schwachsinn weiterleiten, man könnte verzweifeln an Seminaren zur inneren und äußeren Erleuchtung, manche fallen immer noch auf den Nokia-Gratis-Phone-Schmä rein, schwer zu glauben; ähm, und auch wenn ich Musik sehr gern habe, braucht ihr mir nicht jeden Band-Newsletter weiterzuleiten, den ihr kriegt, weil die, die mich interessieren, habe ich selbst abonniert.

& der Rest des Sonntags gehört meinem werdenden Pulli und der wachsenden Musikbibliothek.

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