Couchwochenende

Samstags ein schwedisches Hörbuch im Ohr und dazwischen alte und neue Musik. Zwischendurch zwanglos arbeitsam am Computer herumgetippselt. Danach neuen Stricktrick gelernt: 2-färbiges Patentmuster. Vielleicht eine hirnrissige Idee, das gleich mit einem Batik-Garn auszuprobieren, aber das Resultat überzeugt.

Es ist wirklich der einfachste Zweifarben-Strick aller Zeiten, gelernt habe ich es beim Nadelspiel.

Zum Abendessen gab’s Reis mit Fenchel und Parmesan, dazu ein paar Mini-Bratwürstchen. Erwähnenswert, weil ich vorher noch nie Fenchel gekocht habe.

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Sonntags wieder ein bisschen gearbeitet. Wenn keine drohende Deadline von weniger als 48 Stunden über mir hängt, dann fühlt sich diese Arbeit kaum nach Arbeit an – das sollte ich verinnerlichen.

Danach Hausarbeit und der beste Schaumermal-Kuchen aller Zeiten. Der Schaumermal-Kuchen ist sicherlich nicht meine alleinige Erfindung, der Name – denk ich – aber schon. Der kommt von „da kauf ma einen Blätterteig und dann schaumermal was wir reintun“. Basis ist normalerweise Topfencreme, also 1 Packerl Topfen, 1 Ei, eine Handvoll Zucker, ein Vanillezucker und ein Löfferl Rum. Die kommt auf den unteren Blätterteig, drunter noch ein bissl Brösel, damit der Boden nicht zu sehr aufweicht. Als Auflage danach wählte ich diesmal säuerliche Apfelspalten und leicht überreife Bananenscheibchen. Während ich den Deckel ausrollte, kam ich auf die Idee, den Bananenscheibchen noch je ein Bröckerl Bitterschokolade aufzulegen. Schon der Duft beim Backen ließ Bestes ahnen, und, Ah! Das Zeug ist köstlich. Geschmacklich also; optisch gibt’s nix her – daher auch kein Foto.

Song zum Wochenend:

Shovels & Rope – Evil

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Windzerzauster Sonntagsausflug (mit Weißwurst)

In der Marktwirtschaft lockte ein Weißwurstevent von Blunzn-Weltmeister Franz Dormayer. Nun ist Weißwurst zwar ein gutes Stichwort, um mich aus dem Bett zu bringen, aber ob das so ganz gereicht hätte, in aller Herrgottsfrüh um neun, kann ich nicht sagen, daher ersuchte ich den diplomierten Genuss-Specht Herrn Sufi um Begleitung. Die er auch zusicherte und trotz widriger Wetterverhältnisse einhielt.

Ein paar Busstationen weiter warteten drei verschiedene Varianten Weißwurst, von denen an anderer Stelle noch die Rede sein wird.Dazu gab es völlig unentgeltlich historische und kulinarische Expertisen vom Meister selbst.

Von dort zu Fuss zur Messe für alternative Ferienziele im alten AKH. Unterwegs interessante Tiergeschichten.

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Das spannendste auf der Messe waren die Fotoausstellungen, aber fremde Fotografien fotografiert man ja nicht. Dann wieder zu Fuss Richtung Nachhause. Mit Kaffeepause im Cafe Kandinsky, mit interessanten Ausstellungs-Bildern und köstlichem Kaffee, und viel zu entspannter Atmosphäre, um mit einer Kamera herumzufuchteln. Dafür auf dem Heimweg vertraute und neue Stadtbildgestaltung.

 

…näher…

Rest des Sonntags: NIckerchen, dann arbeitsam.

 

Kalter Fuss

Heute wollte ich wieder einmal in Sachen Restemuseum auf den Naschmarkt schauen. Ich dachte an eine kleine Food-Runde (Falafel ftw), dann an einen Kaffee in Sichtweite des Flohmarkts, um die richtige Zeit des allgemeinen Aufbruchs der Standler zu erspähen, und dann eben an die übliche ausgedehnte Reste-Foto-Runde.

Bereits auf dem Hinweg begann allerdings mein rechter Fuss trotz warmer Socke und Winterschuhen zu frieren. Ich dachte mir nichts dabei und ging etwas schneller, um die Zirkulation in Gang zu bringen. Der Naschmarkt war kalt und nass, und ich verlor ein bisschen die Lust – wenn man sich feuchtigkeitsbedingt nicht hinknien kann, um den besten Winkel zu erwischen, macht das Reste-Fotografieren auch nicht so viel Spass. Ein Cappuccino würde mich aufmuntern, dachte ich mir, aber die Lokale waren entweder überfüllt, punschduftverseucht, oder sie hatten keinen Cappuccino.

Trotz grauen Tags waren die Obst- und Gemüsestände gut ausgeleuchtet. Mit warmgelbem Licht, das selbst unter jännergrauem Himmel ein sanftes Sonnengefühl verbreitete. Ob das nun Absicht ist oder Zufall, verkaufsfördernd dürfte es allemal wirken.

Mein rechter Fuss, und nur der, fror unterdessen immer mehr. Ich begann mir Sorgen zu machen, Hypochonder kann ich mittlerweile ziemlich gut. Unkonzentriert fing ich ein paar Reste fürs Museum fotografisch ein (demnächst dort drüben) und beschloss dann den geordneten Rückzug. Da kam mir noch dieser Anblick unter, der irgendwie, so schien mir zumindest, das ganze Wesen des Naschmarkts in ein einziges simples Bild bringt.

Zu Hause dann die Erkenntnis: Wenn nur ein Fuss friert, such nach dem Loch! Was immer ich mir da eingetreten habe – es lässt Nässe und Kälte herein, und auch wenn ich ein bisschen dankbar bin, dass der Störenfried es nicht bis in meine Fusssohle geschafft hat, hätte ich meine einzigen warmen Winterschuhe doch lieber lochfrei behalten.

Rollmops statt Lachsbrötchen?

Die Silvester-Genusspackerln, die nach dieser nervenaufreibenden Geschichte jahrelang zwischenfallsfrei ihre Empfänger erriechten – sieht man von einer zerbrochenen Weinflasche 2011 ab, die dazu führte, dass der Empfänger das Paket in einem triefenden Plastiksack vom Zoll holen musste, weshalb ich seither Flaschen eher nicht mehr hineinpacke, und wenn dann nur ganz kleine… Ups, jetzt hab ich mich im Satz verirrt. Die Silvester-Genusspackerln also sind heuer leider etwas spät auf den Weg gekommen. Das kann ich weder der Post noch anderen Unbillen des Lebens in die Schuhe schieben, das liegt ganz allein an mir. Wenn nämlich Silvester gegen Ende der Woche zu liegt, dann scheint die gefühlte Ewigkeit, die man am Montag eh noch Zeit hat, endlos zu sein – was natürlich, post-realistisch betrachtet, dazu führt, dass der Genuss erst 2016 ankommen wird. Ich hoffe, die Diät kann noch warten.

Die Genusspackerln entstehen ja auf einer Rundreise durch den 4. und 1. Bezirk, und seit ein paar Jahren auch durch den 6. – nicht, weil ich mein Einkaufsgebiet ausgeweitet hätte, sondern weil der Naschmarkt die Postleitzahl gewechselt hat. Übers Jahr gekostete Köstlichkeiten, dazu natürlich immer Schokolade, es ist ein schöner Spaziergang, der Rucksack füllt sich, das eine oder andere Täschchen kommt dazu, und am Ende winkt die Fischecke des Naschmarkts, wo ich – ganz nach Art der selbstgebastelten Traditionen – jedes Jahr an einem Stehtisch im freien ein Lachs- und ein Kaviarbrötchen verzehre und ein Gläschen Sekt dazu trinke, während ich meinen Blick über die erstandenen Köstlichkeiten schweifen lasse und mir überlege, welche Farben denn in diesem Jahr das zur sicheren Verpackung mit verknüllte Seidenpapier haben wird, und welche Postbox-Größe für welches Päckchen nötig sein wird. Das ist fast wie ein Viertelstündchen in einem anderen Leben, denn eigentlich mag ich weder Sekt noch das edle Herumstehen beim Essen, aber, an diesem einen Tag im Jahr, halt irgendwie doch.

So steuerte ich also auch heute wieder wohlbepackt den Schlusspunkt der Runde an, bislang sehr zufrieden – auch weil der Einkauf nach dem Weihnachtsrummel deutlich entspannter war als sonst, und sah… weit und breit kein einziges Lachsbrötchen. Im strahlenden Sonnenschein und bei über zehn Grad irrte mein Blick über die Vitrine und fand nur riesige Bemmen, in denen traurige Lachsbruchteile mit dicker rosaroter Soße überschüttet auf ihr Schicksal warteten. Kaviar war überhaupt nur in fest verschlossenen Gläsern in Sicht.

So ging das doch nicht! Noch halbwegs hoffnungsfroh fragte ich den herbeispazierten Kellner nach meinem Traditions-Jauserl, doch der schüttelte bekümmert den Kopf. „Brötchen moch ma nimma“. Er hatte zwar allerlei Köstlichkeiten im Angebot, von französischer Fischsuppe bis hin zu Austern, aber ich wollte ja keine ganze Mahlzeit, und Austern isst man, wenn dann, ganz bestimmt nicht allein. Irgendwas in Jausen-Größe…?

„An Rollmops hätt i no“, meinte er schließlich freundlich, „schoaf oda normal“. Und, nach einer kleinen Pause, sinnend: „Do tät i oba a Bier dazua trinken.“

Nja.

Ich dankte artig für die Auskunft, schnappte meine Einkäufe und verließ den Markt, lachs-, rollmops- und sektfrei. Schade irgendwie.

Aber die Packerln, die sind immerhin endlich unterwegs.

Kekserln

Als ich heute beim Aufräumen ein Glas Erdnussbutter fand, war mir sofort klar: Ich muss Erdnusskekse backen. Dass sich das Glas als seit drei Jahren abgelaufen erwies und beim Reinriechen eine alles überdeckende ranzige Note hatte, hielt mich nicht ab. Ich warf es weg und rückte aus, um frischere Erdnussbutter zu besorgen. Unterwegs fiel mir ein, dass da ja auch noch ein Glas Mandelmus in meinem Regal stand. Alles klar: Mandelkekse und Erdnusskekse.

Wohlversehen mit frischen Zutaten wäre ich beinahe am Internet gescheitert. Nicht, dass es keine Rezepte gäbe – ganz im Gegenteil, es gibt hunderte davon. Wenn nicht tausende. Wie soll ein Mensch, der noch nie Erdnusskekse gebacken hat, sich da entscheiden? Natürlich lässt sich der Grundteig anhand der Zutaten ganz gut beurteilen, aber wieviel Erdnussbutter macht einen Keks zum Erdnusskeks? Crunchy oder glatt? (Ich hatte vorsichtshalber beides gekauft). Mit Schokolade oder ohne?

Ich beschloss, dass Erdnüsse Schokolade brauchen. Oder noch besser Kakao, dann wird es nicht zu süß. Und entschied mich nach längerem Stöbern für dieses Rezept. Die Sache mit den Mandeln war einfacher. Eigentlich hätte ich gedacht, im Kindheitsrezept der Mandelplätzchen einfach einen Teil der Butter mit Mandelmus zu ersetzen, aber ich war auf der Suche nach dem ultimativen Erdnusskeks über diese Variante gestolpert, die ich sofort überzeugend fand. Zudem brauchte ich nur die angegebene Erdnussbutter durch das Mandelmus zu ersetzen. Auf ging’s!

Das Herumpantschen an Keksteigen ist ja ein ganz anderes als das an Kuchenteigen, und so brauchte ich ein bisschen Mut und Erinnerungsvermögen, um die leicht bröselige Konsistenz beider Kandidaten zu akzeptieren. Bei der Erdnussvariante rutschte mir der Kakao aus, statt 25 Gramm wurden es etwa 40. Aber Kakao schadet nie, dachte ich. Für den Konsistenz-Ausgleich gönnte ich dem Teig ein Löffelchen Rum (die großmütterliche Backkompetenz,fügte jedem Kuchen- oder Keksrezept ein Löffelchen Rum bei, und irgendwas muss die Frau ja auch gewusst haben), dem Mandelteig ein ebenso zartes Löffelchen Amaretto. Während der ansonsten intensive Rumgeschmack im Erdnussteig geradezu verschwand, erhob der Amaretto die Mandel-Variante von „Äh…?“ zu „Aaaah!“. (Ich bin nicht die einzige, die rohen Teig kostet, um das Endprodukt zu imaginieren, oder?)

Danach wickelte ich beide Kandidaten in Frischhaltefolie und versenkte sie für eine halbe Stunde in den Kühlschrank. Stand zwar nur bei einem dabei, aber so haben wir es früher immer gemacht. Schaden tut’s nicht. Schließlich feuerte ich den Ofen an, bestrich Backbleche mit Margarine und mehlte sie aus (die Sache mit dem Backpapier war mir nie ganz geheuer) und holte zuerst das Erdnusskeksteigbällchen (ist das nicht ein schönes Wort?) aus dem Kühlschrank.

Dass ich die Crunchy Peanut-Butter gewählt habe, sieht man hier ganz gut.

Vermutlich habe ich kleinere Plätchen geformt als vorgesehen, denn die angegebenen 15 Minuten Backzeit waren deutlich zu lang. Es kam mir auch komisch vor, aber ich beschloss, mich auf das Rezept zu verlassen anstatt auf meinen Instinkt – mit diesem Resultat:

Geschmack: Kohle. Bei der zweiten Runde vertraute ich auf mein Bauchgefühl und wurde mit akzeptablen Kekschen belohnt. Also, wenn man davon absieht, dass ich mich nicht wirklich um vollendete Rundungen bemüht hatte.

Nach der Abkühlphase war ich dennoch ein bisschen enttäuscht. Trotz des relativ hohen Erdnussbutteranteils kommt die Erdnuss nur heraus, wenn man auf den Crunchy Teil beisst. Und die Bitterschokoladennote des Kakaos kommt auch nicht richtig durch, obwohl ich wie gesagt deutlich mehr drin hatte als vorgesehen. Keine schlechten Kekse, aber aus Rezeptanalyse und Rohteiggeschmack hätte ich mir noch etwas mehr erwartet.

Egal, mutig weiter zur Mandel. Der Teig war trotz Kühlschrankruhe richtig bröselig, und ich deshalb sehr skeptisch. Das Rollen und schneiden, wie im Rezept vorgesehen, ließ mich fürchten, dass am Ende des Backens keine ganzen Kekse herauskommen würden. Ich disponierte um, und da ich grade richtig gut im Bällchen-Rollen war, rollte ich auch aus dem Mandelteig Bällchen, die leicht flachgedrückt aufs Blech wanderten. Die Handwärme gab ein bisschen mehr Zusammenhalt.

Ich war immer noch skeptisch, als das Blech ins Rohr wanderte. Sehr skeptisch. Aber dann…

So muss Keks! Und, wie ich an einem beim Abheben zerbröselten Exemplar feststellte, das Zeug schmeckt auch noch! Köstlichst!

Da lagen sie nun, die Resultate meiner Abendgestaltung, und harrten ihrer Dekoration.

Die dunklen Erdnusskekserln brauchten Schokolade, das war klar. Eine schön glatte Kuvertüre braucht aber Fett, und ich mag den Fettgeschmack in der Schokoladeglasur nicht. Stattdessen fügte ich der bewährten Manner-Schoko im Schmelztopf ein paar Zeilen der Zotter–Whiskyschokolade hinzu – nicht ohne die Sorgen des ungeübten Konditors: Wird sie überhaupt schmelzen? Und wenn sie schmilzt, wird sie jemals wieder fest werden?

Um es kurz zu machen, sie schmolz. Und wurde auch wieder fest. Und wie man das Ganze glatt und ansehnlich kriegt, überleg ich mir ein anderes Mal, weil – schmecken tut’s, unterm Strich, mehr als akzeptabel.

Die Mandel-Variante stellte mich vor andere Probleme. Ich hatte vorher an eine Glasur aus weißer Schokolade gedacht, mit einer ganzen Mandel obendrauf, doch der wunderbar differenzierte Mandelkeksgeschmack wäre unter einer Schokoglasur, wie weiß auch immer, völlig zusammengebrochen, das war klar. Ich wollte aber trotzdem eine Mandel obendrauf, verdammt!

Immer noch verzückt von der Aromavielfalt erinnerte ich mich meiner alleresten Erlebnisse am Herd. „Kriegszuckerln“ hatte meine Großmutter es genannt. Zucker, langsam in einer Pfanne geschmolzen, gerade flüssig, kaum braun. Immens empfindlich. Der klassische gesponnene Zucker aus der Pfanne wird ja mit etwas Wasser gemacht, da hat man etwas Spielraum. Der Zucker ohne Wasser geschmolzen verwandelt sich innerhalb von etwa 30 Sekunden von durchsichtig-flüssig über karamelisiert braun zu unegnießbar. Aber wenn man ihn richtig erwischt, klebt er gut. Zum Beispiel eine Mandel an einen Keks.

(Der weiße Strich ist ein Zuckerfaden)

Genau so. Ich schmolz zweimal eine Pfanne Zucker und  verbrannte mir drei Fingerspitzen beim Positionieren der Mandeln und dann noch die Zunge, weil ich trotz aller Warnungen an mich selbst – „Nur nicht den Löffel ablecken!“ – irgendwann doch den Löffel ableckte.  Wurscht, das Resultat wars defintiv wert.

Hier noch ein zweites Mandel-Zucker-Foto, weil es mich einfach richtig froh macht.

So. Und jetzt brauch ich dringend noch ein paar Gläser Mandelmus,weil von diesen Keksen muss ich unbedingt noch ein paar Kilo backen.