Mal an den Wiener Adriastrand

Man kann ja nicht immer nur den Stammbaum aufsuchen. Obwohl, könnte man durchaus auch, aber ein Treffen mit dem seltenen Stadtbesucher Flyingsufi verlangte nach halbwegs hochstehender Kulinarik. Dass vom ersten Gang, den Souvlaki im Rembetiko, keine Fotos überliefert sind, mag der brütenden Hitze geschuldet sein. Der nachfolgende Schwimmgang bescherte jedenfalls nicht nur dem Herrn Sufi eine Begegnung mit einem der unzähligen Donauschwäne…

…sondern auch, nach dem irrtümlichen Auslösen der Serienbildfunktion, dieses gif, das die Atmosphäre überaus authentisch einfängt.

Warum allerdings von unserem Festmahl am anderen Ufer keine Fotos gemacht wurden, kann ich auch nicht sagen. Das Plätzchen am Wasser war gemütlichst, das Futter nicht nur reichlich sondern weitgehend auch köstlich, und das Plaudern sowohl gemütlich als auch intensiv. Vielleicht lags daran. Die Aussicht habe ich immerhin festgehalten.

Auf dem Heimweg noch ein paar Zeilen Donauinsel-Poesie.

Donauinsel- Poesie. #latergram

 

Die seltsamen Zufälle des Lebens

Wie aufmerksame Leser und sonstige Freunde wissen, verbringe ich zurzeit freie Minute damit, alte Videos zu digitalisieren und zu verwerten. Und in den letzten paar Tagen waren das hauptsächlich die Videos aus Krk dran – spannend. Die digitale Kamera ganz neu in meinen, unseren Händen, die Kassetten endlos, die Experimente… nunja.

Das Video, das zum heutigen Tagesabschluss gecaptured wurde, enthielt vor allem einen netten Abend. In einem Strandcafe spielte, April, Vorsaison, einer der Gäste oder möglicherweise auch der Wirt, auf einer Gitarre mediterrane Volkslieder, der Grossteil des Lokals sang mit, und die Kamera, die stand auf dem Tisch und lief. Das Motto des Abends war “laut, falsch und mit Begeisterung”, und…

Naja, hier sind zwei kleinere Einwürfe angebracht. Zum einen: Mediterrane Volkslieder, sowas gibt’s ja eigentlich nicht. Das ist nämlich mein selbstkreierter Begriff für die Songs, die man in den 60er und 70er-Jahren in jeder Strandkneipe zwischen Lissabon und Izmir hören konnte. La Paloma, ade. Marina, Marina, Marina. Ave Maria. Tatsächlich: Sogar Ave Maria. Im vorliegenden Fall gewürzt durch kroatische Volksweisen. Um ehrlich zu sein, die waren eigentlich das beste daran. Und zum anderen: Laut, falsch und mit Begeisterung ist gemein. Gesungen haben nämlich fast alle richtig. Nur die Gitarre war schmerzhaft verstimmt.

Zurück zum Thema. Im Normalfall bin ich die erste, die man in solchen Momenten flüchten sieht. Dass das an jenem Abend nicht geschah, ja, dass ich nicht nur sitzen blieb, sondern dass sich zum Gesang des Nebentisches nicht nur wieder und wieder des Sufis sonorer Bariton im rechten Kanal, sondern zuweilen auch mein etwas unsicherer Alt im linken gesellt, erklärt sich binnen weniger Videominuten – es ist des Sufis Zeigefinger, der sich etwas ziellos in den Blickbereich der (zwischen uns am Tisch stehenden und quasi heimlich aufnehmenden) Videokamera schiebt, während die sufische Stimme bei einem für die Kamera unsichtbaren Kellner “dva slivovica und mineralna voda, bitte” bestellt. Und das, ja, nicht nur einmal, sondern so etwa nach jedem zweiten Song.

Ein Dokument also, für das man sehr viel Geld zahlen würde, um zu verhindern, dass es veröffentlicht wird. Ehrlich.

Kein Wunder, dass mir nach etwa der Hälfte dieser imagetechnischen Katastrophe die Zigaretten ausgingen. Vier Stockwerke runter, und der Automat hat kein Wechselgeld. Was nun? Richtig, die Klapsmühle gegenüber.

Nun hab ich ja in meinen Jahren hier im Grätzel bei meinen sporadischen Kurzbesuchen in der Klapsmühle schon einiges seltsames erlebt, vieles wechselt dabei auch, aber eines bleibt unerschütterlich gleich: Die Musikkulisse besteht entweder aus Radio Arabella – oder aus Krone Hit Radio. Was anderes gibt’s dort nicht. Gab’s noch nie.

Bis heute.

Denn da sass ein mir unbekannter mit verstimmter Gitarre und schmetterte ein Wienerlied, und der ansonsten unerschütterliche Koberer, der sang mit feuchten Augen mit.

…und jetzt muss mir nochmal einer die Sache mit dem Zufall erklären, den es nicht gibt.

Bedenklich

Ich glaube, ich brauch wieder ein heimlicheres Weblog. In den Kommentaren auf den Posteingang hingewiesen zu werden, ist schon bedenklich genug. Um 9 Uhr früh angerufen zu werden, was denn los sei, der letzte Eintrag sei so traurig gewesen, ist deutlich zuviel. Um 9 Uhr früh angerufen zu werden, ist eigentlich sowieso zuviel. Von ebenfalls besorgten Emails ganz zu schweigen. Und obwohl das im letzten Beitrag zitierte Lied ein grundsätzlich trauriges ist, habe ich es gestern glücklich gemeint. Das liegt an dem Mann mit dem Dackel (wobei der Dackel wahrscheinlich längst nicht mehr unter den lebenden weilt), der gestern an der exakt gleichen Stelle wie vor 15 Jahren die exakt selbe Geschichte erzählt hat wie vor 15 Jahren. Sodass ich auf der Stelle kehrt machen musste. Und an der Frau mit den Büchern, die ihre Gäste auch heute noch vor den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums warnt, aber selbst offenbar nicht auf sich gehört hat. Sodass ich ebenfalls auf der Stelle kehrt machen musste. Und der Rest war ganz woanders, und dort war es auch nicht mühsam, bis auf diese seltsame Schlusszene, sondern eigentlich sehr nett. Und ich war sehr dankbar, also, dass es keinen Weg zurück gibt, zu den Männern mit den Dackeln und den Frauen mit den Büchern und auch nicht zu dem Journalisten mit dem unmöglichen Frauenbild, den ich in diesem anderen Lokal schon von außen entdeckt hatte, weshalb ich dort erst gar nicht hineingegangen bin und deshalb zum Glück auch kein drittes Mal auf der Stelle kehrt machen musste.

So, jetzt sind hoffentlich alle wieder beruhigt. Und ich such mir ein heimlicheres Weblog. Sobald ich meinen Mailberg abgearbeitet habe.

It’s alright, Ma…

Wenn man nun, so ganz unerwartet, im Bus nach Hause eine alte Freundin trifft & beschliesst, auf ein Bier zu gehen,

und wenn man dann so im Lokal sitzt und sich blendend unterhält und nach einiger Zeit schon das eine oder andere Bier getrunken hat,

und wenn dann der ebenfalls nicht mehr ganz nüchterne Wirt eine ganz großartige Livekassette mit Farandouri und Theodorakis auflegt,

dann weiss man, dass es höchste Zeit ist, nach Hause zu gehen.

Und dann stellt man noch fest, dass der Flipper nicht in der üblichen Ecke steht. Ich mein’, was soll das? Der Flipper, an dem ich Stunden um Stunden verbracht habe. Der Flipper, dessetwegen ich auf die eine oder andere Schachtel Zigaretten verzichtet hab, Ja, damals war es noch so: Entweder Flipper oder Zigaretten. Der Flipper hat immer gewonnen. Ein Grund, in dieses Lokal zurückzukommen, lange nachdem es seinen Zenit überschritten hatte. Aber da stand immer noch dieser Flipper, und der war besser als die Computerspiele zu Hause, und überhaupt: Das war ein Stück Glück.

Aber nicht mehr. Da biegt man ganz unschuldig um diese Ecke, hinter der, verdammt noch einmal, dieser Flipper zu stehen hat, und eigentlich ist man auf dem Weg zum Klo, und hat nur ganz leise im Hinterkopf die Frage, welches Flippermodell denn heute dort stehen wird – und dann…

… steht da keiner mehr. Stattdessen ein Videospiel, eins der dümmsten: Movie Quest. Eine Schande, und ernüchtert und um Jahre gealtert schleppt man sich in den Raum zurück, in dem das Bier langsam warm wird, aber immerhin: Immerhin spielen sie Theodorakis und Farandouri, und das heisst nichts anderes, als dass es Zeit wird heimzugehen…

Und wenn man diese Warnung überhört, und sich weiter unterhält mit einem Ohr, während das andere dieser wunderbaren Musik nachhängt, dann aber, beim nächsten Bier oder beim übernächsten, bemerkt, dass man die Musik aus der Aufmerksamkeit verloren hat und dass jetzt plötzlich der Soundtrack von “Easy Rider” erklingt, dann kann man ganz sicher sein, dass man einen Punkt erreicht hat, an dem man schon längst im Bett liegen und schlafen sollte.

Was solls.

Jetzt und nicht jetzt

Ausgezeichnetes Abendessen im Beirut. (Dank an Weasle für den Tipp!) – Nachher nicht im Jazzalnd und nicht im Roten Engel, stattdessen ein schnödes Bier im Casblanca, wo ein Typ mit relativ guter Stimme aber mäßigen Gitarrenkenntnissen die gesamte Country Szene von Nashville bis nach… hmmm… Nashville abspielt. Nett und nutzlos, aber weil wir schon da sind, muss sich der arme Sufi einen Haufen Geschichten anhören aus der Zeit, als das Bermuda-Dreieck noch kaum eins war, als ich noch jung und hübsch und Wien noch etwas ganz besonderes war. C’est ca.

Was habe ich bloss damals geschrieben? Ach was: Manches ist in der finstersten Schublade am Besten aufgehoben.