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Frühlingsspaziergang ohne Frühling

Ein überraschend ausgefallener Vormittagstermin versetzte mich in die glückliche Lage, die Nachmittagsarbeit mittags schon erledigt zu haben. Zwar hätte ich noch reichlich nachlegen können, aber man will ja weder die ToDo-List durcheinanderbringen noch das Fitnessarmband enttäuschen. Also wagte ich mich in den etwas wärmeren, aber dennoch tristgrau-feuchten Donnerstag, im Kopf vage Ideen. Vielleicht doch mal einen neuen Kochtopf besorgen, vielleicht ein paar Fotos mit heim bringen, vielleicht einen kleinen Imbiss unterwegs, und, ach ja, seit mein Strickkörbchen durcheinandergekommen ist, wollte ich ja auch ein Nadelmass besorgen, denn momentan stricke ich Pi mal Daumen (was erstaunlich gut funktioniert).

Ich schlug erstmal den Weg zum sympathischen halbtürkischen Allesundnix-Laden ein, in dem ich letztens ganz gute Kochtöpfe gesehen hatte, kam aber zu dem Schluss, dass man etwas schweres wie einen Kochtopf doch eher am Ende des Spaziergangs kaufen sollte. Stattdessen ging ich ins Handarbeitsgeschäft gegenüber und fragte nach dem Nadelmass, das die Dame aber auch nicht vorrätig hatte. Sie empfahl mir an dessen Stelle das Werkzeug, mit dem Installateure ihre Rohre messen, aber ich vermute, dass das etwas mehr kostet als ein Karterl mit Löchern drin.

Ich spazierte die Reinprechtsdorfer bergab, dann die Schönbrunner stadteinwärts, mit Zeit genug für offene Augen. Den Lokalen wachsen, dem Wetter zum Trotz (es nieselt schon wieder), doch langsam Gastgärten. Nur vor den Blumengeschäfte sichtet man Frühlingsblumen, immerhin die schon schön bunt. Im Schaufenster eines Tätowierer-Ladens stehen Blumentöpfe mit knallgelben Primeln malerisch um einen furchterregenden Ton-Totenkopf drapiert. Ein Radfahrer fährt bei Rot über die Ampel, und ich grantle ein wienerisches „Rot gilt auch für dich!“ hinterher. Der Dame hinter mir, die meint, die Ausländer würden sich ja so und so an keine Gesetze halten, muss ich leider erklären, dass heimische Radfahrer die Verkehrsregel-Ignoranz mindestens ebenso gut beherrschen.

Fast könnte einem sowas die Laune verderben, doch da lockt schon wieder ein spannendes Schaufenster. Das Pannino e Vino, jahrelang eher unscheinbar, hat sich zu einer schinkengefüllten Spezialitätenhöhle gemausert. Da könnte man doch einen kleinen Imbiss…? Ich rufe den Herrn Sufi an, der jedoch aus dietätischen Gründen ablehnt. Eh besser, bin ich doch gerade erst bei der Hälfte der angepeilten Schrittzahl.

In einem Schaufenster begegnet mir ein Leinenkleid in einem Rot, das ganz ideal zu meiner Henna-Haarfarbe passen würde. Der Kaufvorgang bringt ein unerwartet spannendes Gespräch mit der Dame des Geschäfts, die, wie sie erzählt, trotz ihrer 80 Jahre noch mindestens einmal die Woche im Laden steht, und auch sonst sehr frisch geblieben ist. Geschichte und Politik findet sie spannend, letztere aber auch ein bisschen besorgniserregend, kürzlich hat sie sich ein iPad zugelegt und versucht ihre Altersgenossinnen zu überzeugen, was das für tolle Möglichkeiten birgt. Dass alle immer jammern, versteht sie überhaupt nicht: Die Leute wüssten ja nicht, wie es früher einmal war, und wie es anderswo ist. Uns geht es ja gut, ist sie überzeugt. Nur der Umgang der Politik mit kleinen vs den großen Geschäftsleuten gefällt ihr nicht; die kleinen würden gepiesakt, wohingegen die Konzerne ihre Schäfchen ungestört ins Trockene bringen können. Wo sie recht hat, hat sie recht!

So geht Altwerden, denke ich, als ich mein neues Kleid ins Nasse trage, denn der Regen hat etwas zugelegt. Aber auf der Margaretenstraße kann man gut von Dach zu Dach huschen, und sollte es noch schlimmer werden, kann man ja immer noch irgendwo hinein gehen. Nächster Stopp: Wollgeschäft! Nadelmass!

Allein, das Wollgeschäft existiert nicht mehr. Das Schaufenster ist leer, und an der Tür nur ein lapidares „geschlossen“. Das habe ich nun davon, denke ich, dass ich eher in andere Bezirke in besser sortierte Läden oder gar ins böse Internet gegangen bin, um Wolle zu kaufen. Wenn man dann doch einmal etwas aus der Nähe braucht…

Kurz überlege ich, zum Trost bei Veganista einzufallen und vielleicht das neue Dattel-Eis zu probieren, aber meine Finger sind kalt, und mein Hunger will gerade eher salzig. Ins POS vielleicht? Oder ins Blue orange? Doch an der Querstraße lockt optisch der Naschmarkt, und ja: Da war ich doch seit dem Herbst nicht mehr! Zwar ist es schwer, am bestsortierten Buchgeschäft des Grätzels vorbeizugehen (wer weiß, wie lange es das noch gibt, wenn ich auch heute wieder kein Buch kaufe), aber der Stapel der noch Ungelesenen Käufe neben meinem Bett spricht eine deutliche Sprache.

An verlockenden Ideen vorbei erreiche ich den Markt.

Der Naschmarkt, mit allen seinen Düften, mit vertrauten und exotischen Genüssen, ist trotz der immer noch unpassenden Souvenirgeschäfte immer wieder eine Augen- und Nasenfreude. Mir scheint gar, dass die Touristenfallen gegenüber der Zeit kurz nach dem Umbau etwas zurückgegangen sind. Erstaunlich sind ja die immer wieder neu erfundenen, bis dahin unbekannten Spezialitäten, die eines Tages auftauchen, sich über den Markt verbreiten und dann meistens langsam wieder verschwinden. Voriges Jahr (oder vielleicht schon vorvoriges?) war es die Wandererschnitte, Früchte und Sesam und Kakao in gepresster Form. Sie hat die Saison überstanden und ist auch in diesem Jahr noch überall präsent. Neu hingegen, und immerhin schon an drei Ständen gesichtet, scheint mir heuer der strahlend blaue Lavendelkäse. Obwohl mir das Heidelbeer-Lavendeleis letztens ganz ausgezeichnet gemundet hat, will ich mir den Lavendel in Kombination mit Käse geschmacklich nicht vorstellen, aber vielleicht tue ich der Innovation ja Unrecht.

Ich wechsle aus dem Markt- in den Kulinarik-Gang, wo unter den Markisen die Heizschwammerln ihr Bestes geben.  Man könnt ja vielleicht ein koreanisches Supperl, oder ein paar Sushi…? Ich bin unentschlossen und erreiche so das Marktende, wo im ehemaligen Fischgeschäft ganz neu die Rinderwahn-Burger angeboten werden. Das kann man doch ruhig einmal probieren. Ich bestelle einen Cheeseburger und ein Cola, bezahle, und erhalte einen Dongle, der piepsen wird wenn der Burger fertig ist, und einen Zettel mit dem Code für die Getränkemaschine. Ersteres finde ich pfiffig, letzteres eher überdrüber. (Wär OK, wenn das ein Refillable wär, aber wegen eines einzigen Bechers?). Anyway, bevor ich mich noch entscheiden kann, ob ich die aus Europlatten gezimmerten Gastgartenmöbel cool finde oder nicht, piepst schon mein Dongle.

Der Burger ist ein durchaus feiner. Das Verhältnis zwischen Brötchen, Salatgarnitur, Sauce und Fleisch ist mengenmäßig perfekt. Das Brot leicht angetoastet (großer Pluspunkt), die Garnitur frisch, die Sauce gerade richtig üppig. Das Fleischlaberl ist von guter Qualität, wobei es von mir aus gern etwas weniger durch und etwas gewürzter hätte sein können – aber ersteres hätte man vermutlich dazusagen, letzteres mit den frei verfügbaren Zusätzen am Serviettentisch beheben können. Kann man jedenfalls genussvoll essen, und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis passt gut.

Während ich so recht zufrieden an meinem Burger nage, wird das Nieseln stärker. Man hätte den Burger nehmen und sich unter ein Dach zurückziehen können, aber verdammtnochmal! Wenn ich so schon zum ersten mal in diesem Jahr im Freien genieße, will ich gefälligst auch richtig im Freien genießen. Schließlich ist der erste Freiluft-Genuss des Jahres auch eine symbolische Handlung: Der Schritt aus dem beschränkten eigenen Wohnungsleben in die Draußen-Welt voll Leben und Licht. Also setze ich mir einfach meine Kapuze auf und esse etwas schneller.

Danach wieder durch den Naschmarkt zurück mäandert. Vor einem Gewürzladen liegt Henna, mit arabischen Buchstaben beschriftet, und weil ich mit der Intensität der kürzlichen Färbung nicht ganz zufrieden bin, geh ich hinein und frage, welches der Päckchen denn nun das kräftigste Rot verspricht. Der junge Mann hinter der Theke wirkt leicht überfordert. Er zeigt auf das eine Packerl und sagt: „Feuer!“, dann auf das andere: „Kupfer!“ – „Aber welches ist stärker?“ frage ich. Er seufzt und fragt dann auf arabisch einen Schatten im hinteren Teil des Ladens, der sich ächzend erhebt und nach vorne kommt. Der Mann sieht aus, als hätte er nicht erst die Kreuzzüge, sondern schon den Bau der Arche höchstpersönlich miterlebt, aber er nimmt ein Päckchen in jede Hand und erklärt mir dann, ausführlich und nachvollziehbar, in stark akzentuiertem aber ansonsten einwandfreiem Deutsch, die Lage. Die Feuer-Packung ist zwar eigentlich die stärkste, wirkt aber nur richtig auf hellem Haar. Die Kupfer-Packung dagegen ist für meine Haare (er schaut prüfend) vermutlich die bessere, außer (er schaut wieder prüfend) ich möchte Grau überdecken (ein dritter prüfender Blick), aber danach sähe es ja nicht aus. Ich bedanke mich für die gute Beratung und greife zu Kupfer. Er mahnt mich noch zur Vorsicht. Länger als zwei Stunden, und es würde richtig gefährlich rot. Genau das ist der Plan, entgegne ich, und er grinst und zeigt mir den Daumen hoch, bevor er wieder im Schatten verschwindet. Ich werds dann demnächst mal mit drei Stunden probieren.

Ein Stückchen Naschmarkt habe ich noch, und ich bin schon wieder ganz zu Hause in den bunten Gerüchen. Vor mir jetzt ein sichtlich genierter Wiener mit einem sichtlich illuminiertem Gast, der mit slawischem Akzent alle paar Schritte „Wodka! Wir brauchen Wodka“ verlangt. Ich gehe langsamer, um nichts zu verpassen. Der ganze Naschmarkt, Standler wie Besucher, deutlich amüsiert. Man zeigt sich durchaus hilfreich. Glühwein gäbe es, Bier gäbe es, Raki gäbe es. Aber halt keinen Wodka. Nicht einmal der Dr. Falafel, bei dem im letzten Jahr immer ein paar Flaschen Spezial-Wodka auf der Theke standen, kann helfen. Am Ende der Standln, wo das Mädchen mit den Nüssen dem Mann eine Gratiskostprobe anbietet, klingt er sehr resigniert und fast ein bisschen weinerlich. „Ich will doch nur Wodka!“ wiederholt er ein letztes Mal, und nimmt doch eine Handvoll Nüsse. Vielleicht als Trost.

Für mich wird es Zeit, links abzubiegen. Als ich durch die Gassen und Gässchen Richtung Heimat strebe, wird das Nieseln zum Regen, und der sogar kurzfristig zu einem Guss. Schirmlos kann ich nur versuchen, mich zwischen den Tropfen durchzuschummeln, was nicht ganz gelingt, und so erkenne ich schnell, dass „nicht kalt“ noch lange nicht warm bedeutet. Also statt angedachten Freundschaftsbesuchs nach Hause geeilt. das Fitnessarmband ist längst befriedigt, selbst bin ich satt und zufrieden und freue mich auf ein Wetter, das mir erlaubt, mein neues Kleid in die Welt zu tragen. Der Kochtopf, ach. Der hat noch Zeit.

Ich mag diese Stadt. Sagte ich das schon?

Kalter Fuss

Heute wollte ich wieder einmal in Sachen Restemuseum auf den Naschmarkt schauen. Ich dachte an eine kleine Food-Runde (Falafel ftw), dann an einen Kaffee in Sichtweite des Flohmarkts, um die richtige Zeit des allgemeinen Aufbruchs der Standler zu erspähen, und dann eben an die übliche ausgedehnte Reste-Foto-Runde.

Bereits auf dem Hinweg begann allerdings mein rechter Fuss trotz warmer Socke und Winterschuhen zu frieren. Ich dachte mir nichts dabei und ging etwas schneller, um die Zirkulation in Gang zu bringen. Der Naschmarkt war kalt und nass, und ich verlor ein bisschen die Lust – wenn man sich feuchtigkeitsbedingt nicht hinknien kann, um den besten Winkel zu erwischen, macht das Reste-Fotografieren auch nicht so viel Spass. Ein Cappuccino würde mich aufmuntern, dachte ich mir, aber die Lokale waren entweder überfüllt, punschduftverseucht, oder sie hatten keinen Cappuccino.

Trotz grauen Tags waren die Obst- und Gemüsestände gut ausgeleuchtet. Mit warmgelbem Licht, das selbst unter jännergrauem Himmel ein sanftes Sonnengefühl verbreitete. Ob das nun Absicht ist oder Zufall, verkaufsfördernd dürfte es allemal wirken.

Mein rechter Fuss, und nur der, fror unterdessen immer mehr. Ich begann mir Sorgen zu machen, Hypochonder kann ich mittlerweile ziemlich gut. Unkonzentriert fing ich ein paar Reste fürs Museum fotografisch ein (demnächst dort drüben) und beschloss dann den geordneten Rückzug. Da kam mir noch dieser Anblick unter, der irgendwie, so schien mir zumindest, das ganze Wesen des Naschmarkts in ein einziges simples Bild bringt.

Zu Hause dann die Erkenntnis: Wenn nur ein Fuss friert, such nach dem Loch! Was immer ich mir da eingetreten habe – es lässt Nässe und Kälte herein, und auch wenn ich ein bisschen dankbar bin, dass der Störenfried es nicht bis in meine Fusssohle geschafft hat, hätte ich meine einzigen warmen Winterschuhe doch lieber lochfrei behalten.

Rollmops statt Lachsbrötchen?

Die Silvester-Genusspackerln, die nach dieser nervenaufreibenden Geschichte jahrelang zwischenfallsfrei ihre Empfänger erriechten – sieht man von einer zerbrochenen Weinflasche 2011 ab, die dazu führte, dass der Empfänger das Paket in einem triefenden Plastiksack vom Zoll holen musste, weshalb ich seither Flaschen eher nicht mehr hineinpacke, und wenn dann nur ganz kleine… Ups, jetzt hab ich mich im Satz verirrt. Die Silvester-Genusspackerln also sind heuer leider etwas spät auf den Weg gekommen. Das kann ich weder der Post noch anderen Unbillen des Lebens in die Schuhe schieben, das liegt ganz allein an mir. Wenn nämlich Silvester gegen Ende der Woche zu liegt, dann scheint die gefühlte Ewigkeit, die man am Montag eh noch Zeit hat, endlos zu sein – was natürlich, post-realistisch betrachtet, dazu führt, dass der Genuss erst 2016 ankommen wird. Ich hoffe, die Diät kann noch warten.

Die Genusspackerln entstehen ja auf einer Rundreise durch den 4. und 1. Bezirk, und seit ein paar Jahren auch durch den 6. – nicht, weil ich mein Einkaufsgebiet ausgeweitet hätte, sondern weil der Naschmarkt die Postleitzahl gewechselt hat. Übers Jahr gekostete Köstlichkeiten, dazu natürlich immer Schokolade, es ist ein schöner Spaziergang, der Rucksack füllt sich, das eine oder andere Täschchen kommt dazu, und am Ende winkt die Fischecke des Naschmarkts, wo ich – ganz nach Art der selbstgebastelten Traditionen – jedes Jahr an einem Stehtisch im freien ein Lachs- und ein Kaviarbrötchen verzehre und ein Gläschen Sekt dazu trinke, während ich meinen Blick über die erstandenen Köstlichkeiten schweifen lasse und mir überlege, welche Farben denn in diesem Jahr das zur sicheren Verpackung mit verknüllte Seidenpapier haben wird, und welche Postbox-Größe für welches Päckchen nötig sein wird. Das ist fast wie ein Viertelstündchen in einem anderen Leben, denn eigentlich mag ich weder Sekt noch das edle Herumstehen beim Essen, aber, an diesem einen Tag im Jahr, halt irgendwie doch.

So steuerte ich also auch heute wieder wohlbepackt den Schlusspunkt der Runde an, bislang sehr zufrieden – auch weil der Einkauf nach dem Weihnachtsrummel deutlich entspannter war als sonst, und sah… weit und breit kein einziges Lachsbrötchen. Im strahlenden Sonnenschein und bei über zehn Grad irrte mein Blick über die Vitrine und fand nur riesige Bemmen, in denen traurige Lachsbruchteile mit dicker rosaroter Soße überschüttet auf ihr Schicksal warteten. Kaviar war überhaupt nur in fest verschlossenen Gläsern in Sicht.

So ging das doch nicht! Noch halbwegs hoffnungsfroh fragte ich den herbeispazierten Kellner nach meinem Traditions-Jauserl, doch der schüttelte bekümmert den Kopf. „Brötchen moch ma nimma“. Er hatte zwar allerlei Köstlichkeiten im Angebot, von französischer Fischsuppe bis hin zu Austern, aber ich wollte ja keine ganze Mahlzeit, und Austern isst man, wenn dann, ganz bestimmt nicht allein. Irgendwas in Jausen-Größe…?

„An Rollmops hätt i no“, meinte er schließlich freundlich, „schoaf oda normal“. Und, nach einer kleinen Pause, sinnend: „Do tät i oba a Bier dazua trinken.“

Nja.

Ich dankte artig für die Auskunft, schnappte meine Einkäufe und verließ den Markt, lachs-, rollmops- und sektfrei. Schade irgendwie.

Aber die Packerln, die sind immerhin endlich unterwegs.

Kurze Sonnenrunde

Nach Tagen mit Nebel, Schneeregen und Finsternis hat sich die Sonne ins neue Jahr gewagt. Zeit für einen Spaziergang!

Auch der Rabe (?) blinzelt ungläubig ins große Blau.

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Staubige Reste der Festlichkeiten spiegeln Gegend und mich.

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Exotisch anziehende Farbenpracht am Naschmarkt

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Gespiegelte Lichtspiele

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Unter dem Jännerhimmel wirkt die Stadt besonders groß – und leer.

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Himmel mit Borte!

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Die Farben am Kanal grenzen an unwirklich.

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Die Öffentlichkeit muss draußen bleiben (und pinkeln)!

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Strahlende Trostlosigkeit in der nahegelegenen G’stättn.

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Licht und Schatten

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Es frühlingt

Flohmarkt

Winterspaziergang

Naschmarkt, samstags

Es wird wärmer

Und das ist schön. Heute das zweite Mal hintereinander am Naschmarkt gewesen & gedacht, dass – nach dem Körpergefühl – die zweite ganz wichtige Auswirkung einer halbwegs warmen Luft die Gerüche sind. An einem kalten Tag kann man noch so inspiriert über den Markt gehen – es ist nur das halbe Vergnügen, weil sich die Gerüche nicht ausbreiten – die Gewürzgerüche nicht, die Obst- und Gemüsegerüche nicht, die Kebabgerüche nicht – es ist fad.

3x auf und ab marschiert auf der Suche nach dem ultimativen Frühlings-Header-Bild (ich hab’s jetzt – kommt Ostern, kommt Redesign!) und dabei ca. 7x vorbeigeschlichen am ultimativ-knallgelben Frühlings-Tuch, für das der marktschreierische Gauner erst 14 € haben wollte, das ich aber dann um 10 € um meine Schultern gelegt habe (nicht ohne seufzend daran zu denken, dass der Sufi mit Sicherheit nicht mehr als 7-8€ dafür bezahlt hätte).

Ein weiteres Zeichen des Frühlings ist, dass man ganz automatisch langsam genug dahinschlendert, um auch den einen oder anderen Dialog aufzuschnappen. Oder sollte man angesichts der immer noch zunehmenden Handy-Manie eher sagen “den einen oder anderen halben Dialog”?

Stoff für Geschichten bot jedenfalls der nicht sonderlich sportlich wirkende (vermutlich) Endfünfziger, der in sein Handy sinnierte:

Na, wenn der Zug durchfahrt mit an 60er oder 70er, dann spring I a ned auf, aber wenn er grad anfahrt und I wüll no mit, dann geht des scho.

Vor allem, weil ich keine Ahnung habe, auf welcher Strecke noch Garnituren verkehren, die dem aufspringwilligen Passanten etwas anderes darbieten als eine streamline-glatte Oberfläche.

Nett auch, im Geschiebe am Naschmarkt, die junge Dame mit der norddeutscher Diktion, die in ihr Handy sprach:

Ach nee, es geht schon, ist halt alles ein bisschen seltsam hier, die vielen Fremden, all die Gerüche, ein bisschen eng ist es auch – sicher, die Angst ist dabei, aber auf jeden Fall ist es faszinierend…”

Ich war drauf und dran, mich umzudrehen und ihr zu sagen, dass es hier gar keinen Grund gibt, sich zu fürchten (wenn man nicht gerade sein Geldtaschl am Schnürl hinter sich herzieht) – da wuselte mir etwas weißes weiches zwischen die Füße, und ich verstand, dass sie die ganze Zeit über ihren kaum mehr als knöchelhohen Hund gesprochen hatte, der allerdings zwischen all den Beinen Grund genug hatte, sich zu fürchten.

Grund genug, das kommende lange Wochenende für weitere aufmerksame Spaziergänge zu nutzen. Und sich auf einen langen Sommer zu freuen.

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