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Einmal geht’s noch

Halbschatten

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Hochsommer-Nachtrag

Der Wetterbericht wackelt. Am Samstag soll der Umschwung kommen, nein am Sonntag. Doch am Samstag. Nein, erst am Montag. Den Updates zuzusehen, ist wie ein Fussballspiel zu verfolgen. Ein Fussballspiel, das an der Kippe steht, und bei dem man beide Mannschaften irgendwie mag. Auf der einen Seite der Sommer. Der heiße, brütende, trockene Sommer, von dem die nackten Menschen in der Lobau sagen: Ich komme seit 30 Jahren hierher und hab das Gras im August noch nie so braun gesehen. Von Tag zu Tag wird mir die Hitze angenehmer, fast so wie in Griechenland in den 80ern, als ich bei 40 Grad (im Schatten) auf die Akropolis gewandert bin (in der Sonne). Fast so als hätte sich nichts verändert seither. Fast so als wäre ich noch… was? Jung? War ich jemals jung?

My Back Pages (Bob Dylan, Roger McGuinn, Tom Petty, Neil Young, Eric Clapton & George Harrison)

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Auf der anderen Seite die Aussicht auf Regen, auf sanftes Sommerfrösteln, auf neugeboren grünes Gras. Ach, was wär das für ein Stress, wenn man sichs aussuchen müsste. Ein Glück, dass man das nicht kann.

Wie sehr ich diese Pause brauche, merk ich daran, wie zielsicher ich Tag für Tag meinen Stammbaum ansteuere. Dabei gäb’s doch so viel zu entdecken. Die Seestadt zum Beispiel, wo ich noch nie war. Feste, Open Airs, Fotowandern auf der Donauinsel. Doch nein, jeden Morgen, wenn ich meine Nase aus dem Fenster halte und mich frage, was ich machen möchte, gibt es nur eine Atwort: Baumschatten, Donauwasser, Buch. Das mir, die nie so richtig Strandurlauberin war. Aber – man muss das Leben genießen, so wie es sich gerade anfühlt. Vor allem im Urlaub.

Die Bücher

2015-08-08 10.42.47-1Suite française von Irène Némirovsky habe ich in Innsbruck gekauft, vielleicht mehr, weil mir die wertige Ausgabe gefiel und die Buchhandlung sympathisch war, als wegen echten Interesses. Es liest sich leicht und sommerlich, trotz schweren Inhalts. Richtig schmerzhaft wird die Sache, wenn man begreift, warum all diese Lebensgeschichten so unvermittelt im Nichts enden.

Nach so viel Krieg wollte ich eigentlich etwas  Leichtes lesen, aber dass mir die Zufallsfunktion meines Musikplayers meinen Lieblings-Theodorakis servierte, zehn Minuten bevor mir die Theodorakis-Autobiographie der frühen Jahre vom Stapel der ungelesenen Bücher buchstäblich in den Schoß fiel, konnte kein Zufall sein. Immens intensive Bilder. Dass Der Krieg in Griechenland noch ein bissl komplizierter war, als wir es kennen, weiß ich schon aus einer Seminararbeit, die ich geschrieben habe, als ich noch meinte, Geschichtsprofessorin werden zu wollen. Aber die alltägliche Realität der ständig wechselnden Fronten, die Grausamkeiten von allen Seiten, wiedergegeben in einer, wiesollmansagen, keineswegs kalten, aber sehr lapidaren Art, eingebunden in die ständige Suche nach dem künstlerischen Ausdruck. Das Eis unterm Stammbaum schmeckte mir trotzdem, vielleicht sogar besser, vor lauter Dankbarkeit, nicht in so eine Zeit geworfen worden zu sein. Und dafür, nach manchen Stellen das Buch einfach zuklappen zu können und eine halbe Stunde Licht und Strandleben zu atmen, jetzt und hier. Nach  Stellen wie diesen:

2015-08-09 14.02.26.

Danach wirklich Leichtes. 2 alte schwedische Krimis, einer als Hörbuch im Ohr, einer als Papierausgabe. Angenehm fiktiv und weitgehend happy-ended, außer für die storygebenden Leichen natürlich.

Die Livemusik

Zu einem richtigen Urlaub gehört natürlich richtige Livemusik, da bot sich das Alberner Hafenfestival an. Freier Eintritt, wenig wirkliche Highlights, also zumindest als nicht-unbedingt Austropop-Fan. Am ersten Tagwollte ich eigentlich Hary Wetterstein sehen, konnte mich aber nicht überwinden, nachmittags bei 36 Grad anderswohin als zum Wasser zu pilgern. Auf meinem Handtuch unterm Baum wuchs aber die Neugierde, ob man nicht aus der Lobau irgendwie über die Donau zu Fuss hinüberwandern könnte. So gegen sieben war ich bereit, es zu probieren.

Sechs Kilometer, meinte Mr. Google, und als es sieben Uhr wurde und die Hitze etwas nachließ, machte ich mich auf den Weg. Über den Waluliso-Steg und quer über die Donauinsel, die dort am unteren Ende etwas breiter ist, als ich sie kenne, und sogar ein Flüsschen mit Brücke darüber zu bieten hat. Erstaunlich! Dann am Kraftwerk Lobau vorbei, in eine Industriegegend mit Grünanklängen, die mir bislang völlig unbekannt war. Die letzten 2 Kilometer waren dann weniger lustig, die Straße ohne Gehsteig, Lastwägen zischten vorbei, aber auch das ging vorbei.

Schließlich den Alberner Hafen erreicht, der neben Schiffen, Hallen und in dem Fall Musik auch einen richtigen Leuchtturm zu bieten hat.  Die Veranstaltung selbst ist ursympathisch, nicht zu groß, viel Kulinarik, Securitys vom Motorradclub. Ich kam gerade recht zu Ulli Bäer, gönnte mir nach der langen Wanderung ein Bierchen, traf erstaunlich viele Bekannte und flüchtete dann gleich wieder, weil Stefanie Werger wollte ich mir doch nicht antun.

Am nächsten Tag spielte Erwin Bros, den wollt ich mir ansehen. Er ließ sich Zeit, was mir zu einer Ofenkartoffel und einem ausführlichen Rundgang reichte. Entspanntes Rumhängen prägte die Szene, ganz wie in alten Zeiten.

Der alte Rocker geigte erst gewöhnungsbedürftig, nach drei Songs aber in alter Frische, und ich freute mich.

Eigentlich wollte ich an dem Tag etwas länger bleiben, aber die Mainstreamklänge von Lichtwärts vertrieben mich dann auch gleich wieder.

 

 

Sommer. Ich.

Tage wie diese #nofilter #neuedonau #wien
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Sonntagsspaziergang mit Hindernissen

Eigentlich wollte ich ja nur zum Türken, um schnell ein Brot zu kaufen, weil sich gestern hinterhältigerweise keines von selber in meinen Einkaufskorb geworfen hatte. Aber draußen auf der Straße hatte es eben zu regnen aufgehört, und es war wärmer als erwartet, und irgendwo Richtung Nordwesten lugte ein kleines Stück blauer Himmel zwischen den Wolken hervor. Das Abenteuer lockte.

Man könnte ja, dachte ich, in Richtung Lobau fahren und von dort dann wieder zurück marschieren, an der Donau entlang, versteht sich. Vielleicht könnte man sogar noch einmal die Füße ins Wasser halten, vielleicht sogar noch den einen oder anderen zusätzlichen Körperteil, mal sehen, kalt war es ja wirklich nicht, und ein Tuch hatte ich immerhin um die Schultern geworfen, das könnte ja dann, je nachdem, als Sitz- oder Trockentuch dienen. Oder auch nicht. Egal. Ich sprang jedenfalls spontan und ohne über mein nicht-sonntägliches Outfit (Gymmnastikhose und wohnzimmergroßes Sweatshirt, mit taschenreicher Einkaufsweste drüber) nachzudenken, in die nächste Straßen- und dann in die U-Bahn, die mich nur wenig später in Kaisermühlen wieder ausspuckte.

Wo es natürlich längst wieder regnete. Oder vielleicht hatte es dort gar nie aufgehört, sondern war nur im 5. kurz trocken gewesen, was weiß man schon. An einen eventuellen Regenschutz hatte ich zwar gedacht, das neuerliche erklimmen des heimatlichen Elfenbeinturms vor der Expedition aber verworfen, weil das die ganz spontane Spontanität ja völlig ausgebremst hätte. Außerdem muss man optimistisch bleiben – hatte ich mir zumindest eingebildet.

So stand ich also völlig spontan und optimistisch im Kaisermühlener Regen und blinzelte in den graufeuchten Himmel, der nicht das geringste Fitzelchen blau zu bieten hatte. Stattdessen tropfte mir das Wasser ins Gesicht.

Ich schlich mich unters U-Bahn-Vordach und dachte nach. So leicht, dachte ich, so leicht lass ich mir die Spontanität nicht verderben. Kalt war es ja wahrlich immer noch nicht, und aus Zucker bin ich auch nicht. Warum also nicht einfach im Regen spazieren? Das einzige, was dagegen sprach, war die empfindliche Elektronik des Fons in meiner Tasche. Ein lösbares Problem. Ich schnorrte mir ein Plastiksackl vom Würstelstand, verstaute Fon und Kopfhörer in selbigem und das ganze in meiner Westentasche und war bereit für weitere Abenteuer.

Der Bus, zu dem ich wollte, war es nicht. Der sollte, so verriet die Tafel an der Haltestelle, erst um 14 Uhr wieder fahren. Wegen einer nicht näher bezeichneten Veranstaltung. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass ich über eine halbe Stunde warten müsste. Ich grummelte in mich hinein. Der Regen wurde stärker. Ich stieg, immer noch sehr spontan aber mittlerweile kaum mehr optimistisch, in einen anderen Bus, der zufällig gerade einfuhr. Von der am Display angezeigten Destination hatte ich noch nie auch nur gehört, aber immerhin war es drinnen trocken, und unbekannte Ecken der Stadt finde ich ja grundsätzlich verlockend.

Im Bus roch es nach nassem Hund und nach altem Bier. Der Ursprung des ersten Dufts blieb verborgen, der Grund für den zweiten schnarchte friedlich in einem Ecksitz. Ich widerstand der Versuchung, das Fon aus dem Plastik zu wickeln und Google Maps um Rat zu fragen, und beschloss, bei der ersten Haltestelle auszusteigen, deren Name interessant klang. So landete ich am Dampfschiffhaufen.

Ich fand dort weder Dampfschiffe (leider) noch Haufen (zum Glück), sondern eine verschrebergartelte Gegend rund um die alte Donau. Es regnete nur mehr leicht. Häuschen und Wege wirkten verlassen, bis auf einzelne HundespaziergängerInnen und die Fussballwiese des Polizeisportvereins, wo fröhliche PolizistInnen trainierten. Die SpaziergängerInnen warfen misstrauische Blicke auf mich, was ich ihnen angesichts meines mittlerweile wirklich nicht mehr ansehnlichen Äußeren nicht übelnahm. Viel mehr störte mich, dass es nirgends einen Zugang zur alten Donau selber gab. Alles umzäunt, versperrt, Privatgrund.

Die Hochhäuser in der Ferne verrieten mir, dass ich eigentlich wieder auf dem Rückweg zur U1 war. Auch recht. Endlich eine Fussgänger-Brücke mit Wasserblick, am anderen Ende ein dicht beblätterter Baum, der den Regen nicht durch ließ. Ich nützte die Gelegenheit für einen Blick auf die elektronische Landkarte. Immer geradeaus bis zur Donau. OK. Eine schnelle Zigarette im trockenen. Zwei sichtlich weit gereiste Radfahrer, ein Pärchen mit südwestdeutschem Akzent, nutzten denselben Baum für eine Grundstzdiskussion. (“Ich hab jetzt echt genug vom Regen!” – “Aber wir wollen heute bis nach Hainburg!” – “Immer musst DU bestimmen, ich will jetzt eine Badewanne!” – “Aber…” – “Sofort!”). Ich sah zu, dass ich weg kam.

Das Stückchen Stadt zwischen alter und neuer Donau auch regensonntagsverlassen, bis auf einen BMW-Fahrer, der meinte, mich am Zebrastreifen anhupen zu müssen. Nicht mal einen Mittelfinger wert. Ich kann sehr langsam gehen, wenn mir danach zumute ist. Egal wie sehr es regnet.

Der Donaustrand, präziser gesagt der Entlastungsgerinnestrand, noch leerer als ich es trotz Wetter vermutet hätte. Nur eine Mutter mit etwa dreijährigem Kind, das sich trotz aller mütterlicher Verzweiflung nicht davon abhalten ließ, von Pfütze zu Pfütze zu hüpfen. Bravo, Kind! So geht Septembersonntag.

Ich dagegen zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich gehmüde. Im Regenschutz der nächsten Brücke ein Zigarettchen geraucht und meine viel zu warmen Füße als Quell der Unlust entlarvt. Herbstsocken und -schuhe zwar wetter-, aber nicht temperaturangemessen. Ich steckte die Socken in die Tasche und trug die Schuhe fortan in der Hand. Barfuss, Baby! Die Gehlust kehrte umgehend zurück, und zu meiner Verblüffung verflüchtigte sich bald auch das vorher beginnende Kreuzweh. Vielleicht doch mal wieder über bessere Schuhe nachdenken? Oder einfach mehr barfuss gehen.

Ungeachtet der Blicke, denn jetzt,  Richtung Reichsbrücke, doch wieder ein paar mehr Spaziergänger. Alle mit Schirm oder Regenjacke, außer mir. Aber der Regen lässt nach und hört schließlich ganz auf. Unter der Reichsbrücke zwei eifrige Gruppen bei einer Art Tanzgymnastik, faszinierend. Eigentlich wollt’ ich ja von hier aus wieder Richtung Elfenbeinturm fahren, aber gerade jetzt? Wo der Regen aufhört? Wo Haare und Gewand langsam wieder trocknen? Nix!

Kaffee!!! seufzen meine Innereien hörbar, aber trotz der verlockenden Düfte aus den Lokalen der transdanubischen Copa Cagrana muss ich ihnen diesen Wunsch versagen. Zu grindig ist die Musikkulisse. Sich diesem Sound auszusetzen wäre emotionell fatal, Koffeinmangel hin oder her. Das beste darunter noch der alte Grönemeyer aus der “weltgrößten schwimmenden Trampolinanlage”, aber auch das schlimm genug.

Da hilft nur die Flucht über den halben Fluss. Drüben alles ruhig. Nur ein heimliches Schweindi hinter einem Blumentopf.

Noch kurz zögerlich, eigentlich sollt’ ich ja heut noch was arbeiten? Ach was, Sonntag. U1 gestrichen, next stop Floridsdorfer Brücke. Zwei radfahrende orientalische Jungs müssen stehenbleiben, so sehr kichern sie über meine nackten Füße (samt Zeigefinger-zeigen), und als ich mitgrinse, kichern sie erst recht. Weiß gar nicht, was die haben, es wird ja eh schon wieder trocken Stück für Stück?


Irgendwie kommt mir der Weg Richtung Norden kürzer vor als früher. Da ist ja schon die Autobahnbrücke und, oh, was ist das? Irgendein Fest mit Tieren, Kids mit Lamas an der Leine. Darunter ein unglaublich süßes mit Dalmatinerflecken, ich zücke die Kamera und werde prompt angepflaumt: “Sie können doch nicht DIE KINDER fotografieren!!!” – Nicht die Kinder, das Lama, korrigiere ich, aber “die Kinder sind ja dann MIT DRAUF AUF DEM FOTO!” sirent die Walküre. Angesichts von Kreissägestimme und Lautstärke verzichte ich darauf, zu erklären, dass ich das Lama auch ganz gut ohne begleitende Kinder fotografieren könnte. Wenn man mich ließe. Meh.

Aber hier ist Volksfest-Stimmung, und ich muss mich echt konzentrieren, mit meinen nackten Füßen nicht in die Pferdescheiße der Fuhrwerke zu steigen. Ganz zu schweigen davon, dass vermutlich auch dort, wo keine Pferdescheiße sichtbar ist, unsichtbare Pferdescheiße-Reste an mir kleben bleiben. Igitt! Ich wähle den Weg quer durchs nasse Gras an den Fluss und wasche meine Zehen nicht in Unschuld, sondern in Donauwasser. Immerhin besser als Pferdescheiße. *brrr*, ruhig Brauner!

Dennoch hat ein Zelt meine Aufmerksamkeit geweckt. Ich stecke mein frisch gewaschenen Füße zurück in die Schuhe und gehe dem Schild “Katzen, Kaninchen und Kleintiere” nach. Finde dort allerdings weder Katzen noch Kaninchen noch andere Kleintiere, sondern nur Vereine, die Spenden für selbige sammeln. Nunja, angesichts der vielen brüllenden Kinder und kläffenden Köter wär das Zelt für anwesende Kuschelchen ohnehin nur Tierquälerei gewesen.

Ich flüchte schnellstmöglichst und nütze die Schuhe an den Füßen, um die halbüberschwemmte Festivalwiese zu überqueren. Nicht meine beste Idee, zwei Mal fast völlig versunken. Am anderen Ende des Schlamms die Schuhe wieder ausgezogen und mit leuchtenden Augen beglubscht worden.

 

Ein Blick aus der Zukunft, wie sich ein paar Schritte später herausstellt.

Jenseits der Floridsdorfer Brücke endlich den lang ersehnten Kaffee ergattert. Und während ich mich mit dem selbigen auf meine Lieblingsstiege auf der Donauseite zurückziehe (langsam und vorsichtig, auf dem Weg dahin ist reichlich Rollsplit gegen notorische Barfussgeher gestreut), kommt doch glatt die Sonne richtig raus. Ah!


Ein halbes Stündchen Sonne, Kaffee und faule Blicke auf Schlepper, Frachter und Glitzerwasser später hätt ich gern ein Patzerl Sonnencreme für mein Gesicht gehabt. Hatte ich aber nicht. Zudem war es Zeit, den Ausflug zu beenden. U-Bahn war nach so viel Licht und Luft keine anziehende Option, aber die Straßenbahn fährt ja auch.

Unterwegs über den Parkplatz noch eine denkwürdige Vater-Sohn-Szene. “Was machst du da, Bub, du stehst ja mitten auf der Straße!?” – “Du doch auch, Papa!” – “Ja, aber ich bin kein Kind!” – Neenee, so geht Erziehung nicht.

An der Straßenbahnhaltestelle seufzend wieder die Schuhe angezogen. Im 31er klassisches Vorstadtleben. Ein paar viel zu junge Grazien tauschen sich ungeniert über potentielle Zukünftige aus, ein mittelaltes Mädel, deren Arsch zwei Sitzplätze braucht, beschwert sich darüber, dass “die Chefität” ihr kürzlich an den selbigen gegriffen hat. Und zwei Omas, die sich eingehend über ihre Verdauung unterhalten. Da hilft nur mehr Kopfhörer. Eigentlich müsste die Brigittenau ja Partnerstadt von Delmenhorst sein. Eigentlich.


Am Schottenring keine Lust drauf, 12 Minuten auf den Einser zu warten, also noch ein Stückerl zu Fuss durch die Stadt. Die gefällt mir gar nicht, heute. Hat ein bissl was damit zu tun, dass ich innerhalb von 100 Metern der Limousinenatmosphäre des Kempinski zwei Mal angeschnorrt werde, Ernüchternde Kontraste. Zudem zu viele Mauern, zu wenig Wasser, und der Himmel weder blau noch schwarz, nur gräulich grau. Bei der Uni wieder in die Tram gestiegen.

Am letzten Wegstück dann wieder zwei alte Tanten, die sogar meinen Kopfhörer übertönen. “Schau mal wie viele Leute da sind!” wiederholt, eigentlich bei jeder Station. Ja verdammt, das sind viele Leute. Beim Zirkus Roncalli. Beim Streetlife-Festival. Und auch vor der Oper, ohne erkennbaren Grund. Aber müsst ihr deshalb so brüllen?

OK, mir egal, ich kann lauter. Bitte sehr.

Kurzurlaub

Es hat schon was für sich, dieses Wien. Wenn man zum Beispiel nach einem arbeitsamen Feiertag einfach Mal so ans Wasser fahren kann, wenn alle Tagesausflügler schon wieder heimfahren (also am gegenläufigen Stau vorbei), dort schwimmen, solange man will (der Herr Sufi will länger als ich) und anschließend bei einem herrlichen Himmel am Wasser dinieren, bis der Mond aufgeht (vielleicht sogar eine Spur länger)… ja. So passt das schon.

Abendschwimmen, auf den Sonnenuntergang zu

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