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Oktobersonntag

 

3 Tage Novemberfrühling

Freitags kein Haus gekauft, stattdessen in trauter Dreisamkeit mit Sufi und Miez auf Kinderrutsche liegend in den Himmel gestarrt. Leicht beduselt vom Föhn und vom nahenden Vollmond, ich zumindest. Die Welt schaut mir fremd aus wie nach einer durchgemachten Nacht, immer am Rande des Kopfschmerzs vorbei, aber eben vorbei, und daher ist es ganz gut.

Die ewigen Jungs bringen einen Drachen in die Luft. Danach Bulli geboardet & ab durch die Landschaft. Vorbei an Altlengbach provinzmutig südwärts durch Berndorf und das hübsche Piestingtal, kurvauf kurvab vorbei an Schaf und Schäfer.

Dann einmal quer durch Wiener Neustadt und im Dunkelwerden das Burgenland erreicht. In Sankt Margareten Weinbauern heimgesucht, mit wechslendem Ergebnis. Der Staubige staubt gar nicht, und wir sind fast am Ziel.

 

Davor noch ein Spaziergang unter dem fast runden, komplett mit halber Fußballmannschaft, ganz bestrahlt, lauem Wind in den Haaren (der anderswo ein Sturm ist, aber das hat uns noch keiner erzählt), mit Weinbergästen die sich dunkel gegen den dunklen Himmel abheben, mit viel Verwunderung ob der herrschenden Temperaturen, mit Wort und Lach und überhaupt.

 

Da ist auch eine Feuerstelle, ein oval mit brennenden Relikten, wer weiß welche dunkle Rituale hier stattgefunden haben, doch mit Ritualen kennt der Ethnolog keinen Spass und schon gar keine Vermutungen, da müssen Fakten her, und die Fakten sind alte Weinstöcke, nicht mehr gut genug fürs nächste Jahr.

 

Weiße Asche daunendeckenweich unter den Füßen, fotografieren wir Glut und Nester. Dann aber Zeit zum Essen. Unser halbheimliches Hideout serviert alles von der Gans im Viergängemenü, dazu ein Wein zum Schwärmen. Und das tun wir dann auch. Nicht nur vom Wein, auch vom Leben. Der arme Sufi muss im warmen Federbett noch eine literarische Vorlesung über sich ergehen lassen, weiß aber was sich gehört und wiederholt auch zwischen zwei ersten Schnarchern noch letzte Sätze.

Morgendlich frisch gebadet der Sufi, ich dagegen ungekämmt. Frühstück schmeckt trotzdem, danach spielt einer Ziegenboxen. Jetzt aber ein Spaziergang am See. Noch immer ist es lau und windig, sehr windig. Surfer am See, als wäre der Sommer grade um die Ecke gebogen. Dazu dieses Licht. Seltsamlicht, Traumlicht. Und der See schlägt Wellen fast wie ein Meer.

Auf Expedition im Hinterland, fast alle Vögel abgereist wie die Touristen auch, nur ein paar hübsche schwarzweiße Frackträger am herumschwirren (Vögel, nicht Touristen).

Dunkelheit fällt ein, und auf dem Weg zum Hungerstillen kommen wir in Parndorf vorbei, Konsumstadt aus dem Boden gestampft ohne Bewohner, Designeroutlet nennt sich das wohl. Wir marschieren tapfer einmal im Kreis, können uns aber kaum entschließen, irgendwo zu wühlen, geschweige denn zu kaufen. Nur eine frische Kameratasche läuft mir über den Weg. Ansonsten ist da einfach viel zu viel, um irgendwas zu wollen.

Recht erleichtert wieder den Bulli bestiegen, hungrig jetzt. In Purbach stehen große Schilder, “Heute Martiniloben”. Den Sufi lockt das Brauchtum, mich das neue Wort, und so finden wir uns wieder in kerzenbeleuchteter Kellergasse mit Jungweinverkostung.

 

Ob die darauf folgende Gans blöd war, kann wohl heute keiner mehr sagen, jedenfalls war sie äußerst sättigend. Mit Ziel Kino anschliessend wieder Richtung Wien, und wir sind nicht die einzigen.

Ach, Wien. Wir stolpern ruheverwöhnt in die Eröffnung des Christkindlmarkts, dessen Ablichtung ich allerdings verweigere. Zuckerwatte dagegen hätte ich gern gehabt, aber nicht so gern, dass ich dafür das Gewühl in Kauf genommen hätte.

Nach kurzem Rundgang gelingt uns überraschend die Flucht. In dunklen Nebenstraßen bin ich besser aufgehoben, bis der Film beginnen soll. Ein “Blauer Mond”; “ganz nett” findet der Sufi den Film, ich dagegen hätte ihn lieber gedreht als angeschaut. Das wäre spannender gewesen.

Danach noch ein Bier im alten AKH, verloren stehen ein paar Punschstände herum, die Leute sitzen lieber jackenlos im Freien und trinken kaltes Bier. Erstaunlich, sehr erstaunlich. Recht still sitzen wir da und trinken auch kaltes Bier, und ich versuche, mich daran zu erinnern, dass eigentlich November ist, aber das fällt ziemlich schwer. Im August hab ich doch deutlich mehr gefroren. Schließlich todmüde heimgeschleppt, uns und einander.

Der Sonntagmorgenmittag, noch genauso warm aber dafür strahlend schön. Heute nach Krems. Alles was Flügel hat, fliegt, zum letzten Mal bevor der Flieger sich nach Spanien begibt. Ich steig auch nochmal ein, bin aber unglücklich mit meiner Brille. Die Linsen müssen wieder her! Egal. Stattdessen Bilder aufgenommen, und was für welche. Der Himmel ist kaum glaublich.

 

Nett geplaudert noch, und nach der Sunsetload dreht die D-FINA eine Extrarunde, nicht vor dem rotorangen Sunset, sondern vor dem aufgehenden Mond.

 

Jetzt wird es langsam wieder kühl. Dann halt ein Süppchen. Bullireitend sinniert, wieso die Straßen immer anders heißen. Jetzt hab ich mich kaum dran gewöhnt, S5 zur alten 3 zu sagen, und bald heißt sie A22. Muss denn das sein? Wir nehmen die Abzweigung Tulln & gehn in Klosterneuburg wochenendabschließend saunieren. Und schließlich heim. Wien steht noch, wie man sieht.


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