Schlagwortstolberggasse

Abend, rot.

Sunset, kühl

Murmeltiertag

Ich hatte wirklich gedacht, letztes Jahr wäre das letzte mal gewesen, dass meine Küche unversehens zum Wasser-Abenteuerspielplatz mutiert. Vielleicht naiv, aber weil – 14 Jahre nach dem ersten Vorfall – im letzten Sommer dann doch kräftig auf dem Dachboden gearbeitet worden war, Leute Rohre hinaufgetragen und oben kräftig herumgelärmt hatten, neue Fenster gegen die Tauben eingebaut worden waren und das Ganze, als ich mich gegen Ende der Arbeiten auch einmal hinaufwagte, eigentlich ganz vernünftig aussah, und weil dann Herbst noch die komplette Elektrik am Gang erneuert wurde, inklusive Einzug von Zwischendecken, hatte ich irgendwie das Gefühl, endlich wieder in einem weitgehend funktionstüchtigen halbwegs bewohnbaren Haus zu wohnen.

Ich hätte mir allerdings, auch wenn ich in Sachen Hausreparaturen nicht optimistisch gewesen wäre, gestern eigentlich keine Sorgen gemacht. Es regnete zwar ab und zu, aber nicht wirklich stark und nie wirklich lang. Ich kam so gegen neun von einem netten Transporthilfsausflug nach Hause, las noch ein bisschen Hörbuch, während sich die Finger um mein Strickzeug kümmerten, danach gönnte ich mir ein Samstagsbier und testete kurz das Update von Cities Skylines an, all das recht sorglos bei offenem Fenster, vor dem es ab und zu regnete, aber meistens nicht. Gegen zwei beschloss ich, den Samstag einen gewesenen sein zu lassen, und freute mich drauf, am Sonntag ein bisschen mit der Kamera Gassi zu gehen, abends vielleicht nette Menschen zu treffen, nach langem wieder einmal ein Sonntag ohne Arbeit, beste Aussichten also.

Als ich dann so beim Zähneputzen meinen Blick schweifen ließ und unerwartete Feuchtigkeit in den Fliesenfugen entdeckte, waren Dachbodenkatastophen nicht mein erster Gedanke.  Das lag nicht nur an meinem Bau-Optimismus, das lag auch daran, dass solche Feuchtigkeit bislang immer klar von oben gekommen war. In diesem Fall war sie unten – aber als ich mit einem innerlich stöhnenden „Oh nein, nicht der Kühlschrank!“ denselbigen aus seiner Einbaulücke hervorgezogen hatte,  weil die Lacke von dort auszugehen schien, wars dahinter perfekt trocken.

Auch das Kastl unterm Waschbecken daneben hatte keine offensichtliche Feuchtigkeit zu bieten. Ich griff in die Wandnische nach der Taschenlampe, um die Lage genauer zu untersuchen, und – griff ins Nasse. Der Blick wandte sich folgerichtig nach oben, und die Erkenntnis erfolgte, bevor ich noch sah, dass drei deutlich feuchte Bahnen die Wand hinunterkrochen.

Im Gegensatz zu den bisherigen Vorkommnissen überkamen mich nicht Angst und Schrecken, sondern ein zutiefst wienerisches „Oida, ned scho wieder“. Ich dachte sehnsüchtig an den Handwerker, dem ich nach allen Regeln der Kunst versucht hatte, den Dachbodenschlüssel zu entlocken, was gescheitert war – „feuerpolizeiliche Gründe“ -, ich dachte an die mühsamen Aufräumarbeiten beim letzten, vorletzten und vorvorletzten Mal, ich dachte: „Wie ist eigentlich der Wetterbericht?“.

Im Moment regnete es jedenfalls nicht, wie ein Blick aus dem Fenster bestätigte. Ich überlegte, ob eine leicht feuchte Mauer schon einen Notruf rechtfertigen würde; im Nachhinein betrachtet erinnert mich diese Überlegung selbst an den Frosch im kalten Wasser.  Jedenfalls war ich müde und vorerst unentschlossen und räumte vorsichtshalber die elektrischen Geräte weg.

Dann begann es vor dem Fenster zu rauschen. Aha, dachte ich, räumte etwas schneller und nahm das Fon zur Hand. Die Unentschlossenheit legte sich schnell, als quasi übergangslos ein drei Zentimeter dicker Wasserstrahl aus der Mitte der Decke schoss. Routiniert kippte ich mit der einen Hand den FI und stellte einen Kübel unter das Zentrum der Nässe, während die andere bereits 122 wählte – körperlich etwas verbogen, um das Fon trocken zu halten.

Die Stimme am anderen Ende versprach Hilfe in ein paar Minuten. Während des eineinhalb Minuten langen Gesprächs hatte der Wasserfall aus der Decke bereits mehrere Geschwister bekommen. Diesmal tatsächlich mehr genervt als furchtsam, jonglierte ich Kübel und Töpfe und dazwischen den Besen, um das Schlimmste zu verhindern. Es war aber schnell klar, dass da nicht viel zu verhindern war. Die bisher unverdächtige Ecke über der Garderobe mutierte zum Nudelsieb, Fleckerlteppiche und Handtücher hatten längst ihre Kapazität erreicht und landeten in der Duschwanne, und auch der Kampf um das Regal mit den Grundnahrungsmitteln war verloren, bevor noch das Blaulicht vor dem Fenster schimmerte.

„Haben Sie den Dachbodenschlüssel?“ – „Nein. Wen ich den hätte, hätte ich schon was unternommen.“ Ein Nicken. Die Jungs von der Feuerwehr erledigen den Job schnell und professionell, wie sie es bisher noch immer gemacht haben, und erzählen mir dann, was ich der Hausverwaltung erzählen soll. „Was  glauben Sie, wie oft ich das der Hausverwaltung schon erzählt habe“, sage ich, immer noch den Besen schwingend. Kopfnicken/-schütteln als Antwort. Ich bedanke mich wahrhaftig von Herzen, aber sie sind schon unterwegs zum nächsten Einsatz. Auf der Treppe dreht sich der letzte noch einmal um. „Das Problem sind die Tauben!“ erklärt er eindringlich.

Ah geh.

Mittlerweile war es halb vier, und bis ich das nächtens mögliche getan hatte und die Tropfgeräusche in den untergestellten Gefäßen soweit nachließen, dass an Schlaf zu denken war, war es fünf. Dann kroch ich unter die Bettdecke und schlief trotzdem nicht. Blieb aber immerhin trocken. Und warm.

Vor dem Fenster wächst die nächste Jahres-Baustelle. Morgen kommt der Kran.

Urban Gardening Idyll

Sonntags-Idyll

Barrierefrei?

– „Warum sitzt der neue Lichtschalter so viel tiefer als der alte?“

– „Muss. Wegen barrierefrei.“

In der Tat, ein wichtiger Schritt zur Barrierefreiheit. Im vierten Stock ohne Lift.

Die Elektro-Arbeiten hier im Haus wirken irgendwie russisch

Die Elektro-Arbeiten hier im Haus wirken irgendwie russisch.

Cool Summer

cool summer

Wasser. Nass.

Der Sonntag begann, mitten in der Nacht, mit viel Wasser. Das Problem war, das Wasser fiel nicht nur draußen. Es fiel, ungefähr fünf Minuten, nachdem draußen der Wolkenbruch eingesetzt hatte, auch drinnen. Aus mehreren Quellen aus der Decke. In meiner Küche. Und am Gang.

Ich war gerade ins Bett gegangen und fast schon dabei, einzuschlafen, aber ich erkannte das Geräusch sofort. Das liegt daran, dass es nicht das erste Mal regnete, in meinem Substandard-Elfenbeintürmchen. Das gab es nicht erst einmal, nicht zweimal, nicht dreimal, sondern bereits vier Mal. Im Gegensatz zu drei dieser vier Male war es allerdings kein zögerliches Tropfen, das eine potentielle Katastrophe ankündigte, es war voller Katastrophenmodus von Anfang an. Man wurde in meiner Küche schlagartig genauso nass, wie wenn man draußen gestanden wäre.

Den Hausmeister im Erdgeschoss gibt es nicht mehr, und selbst wenn es ihn gegeben hätte, hätte der Weg nach unten wertvolle Zeit verschwendet. Vom Realisieren und innerlichen Analysieren des Problems bis zum Wählen von 122 verging deshalb diesmal keine halbe Minute. Es war nämlich definitiv schlimm genug für einen Notruf. Es war so schlimm, dass ich, von der Notrufzentrale um Bewertung der Ausbreitung des Problems ersucht, erst einmal ein Plastiksackerl griff, um mein Telefon zu schützen, denn ungeschützt hätte es den Weg durch die Küche nicht überlebt.

Auch draußen am Gang schwamm alles. Das Licht war an, doch während ich noch links und rechts lugte, wie weit es bis zur nächsten trockenen Fleck war, ging es aus. Draußen am Gang. Und bei mir in der Wohnung. Die Notrufzentrale versprach einen Wagen innerhalb weniger Minuten. Derweil fiel mir auf, dass ich splitternackt im Indoor-Regen stand. So geh ich halt schlafen, aber das war vermutlich nicht der beste Modus, um an der übernächsten Nachbartür zu klopfen, hinter der noch Licht war.

Man hätte, wenn Zeit gewesen wäre, darüber nachdenken können, warum ich wach genug war, mein Telefon zu schützen – aber nicht mich. Man hätte auch darüber nachdenken können, warum man der Hausverwaltung nicht öfter und intensiver auf die Zehen gestiegen war, um das Problem nachhaltig zu lösen (oft und intensiv hatten wir, meine Nachbarn und ich, also hätte noch öfter und noch intensiver wahrscheinlich auch nicht geholfen, aber was weiß man schon). Man hätte die Arme heben können und eine imaginäre übersinnliche Anwesenheit fragen: WARUM IMMER ICH? Aber, für alle diese Dinge war definitv keine Zeit.

Stattdessen tappte ich zurück ins Zimmer, zog mir das nächstbeste Kleid über und warf ein paar Handtücher an die Türschwelle, um die Ausbreitung des Wassers ins etwas tiefer liegende Zimmer zu verhindern, tappste an ein paar verdächtigen Stellen nach meiner Taschenlampe, die sich aber dort nicht fand, und lief dann wieder hinaus, um beim Nachbarn zu klopfen und ihn nach einer Taschenlampe zu fragen. Der wunderbare Nachbar hatte nicht nur eine Taschenlampe, sondern auch die blendende Idee, die Wasserfluten mithilfe von Besen die Stiegen hinunter zu dirigieren, bevor sie noch schlimmeres anrichten konnten. So beserlten wir also vor uns hin, ich schupfte das Wasser aus meiner Küche auf den Gang, er schob das und was von oben dazu kam die Treppen hinunter. Zwischendurch brachte ich Zeugs aus der Küche, das noch nicht völlig durchnässt war, ins Zimmer, und versuchte, meine 2 Eimer und 3 Kochtöpfe strategisch günstig zu platzieren, was allerdings angesichts ungezählter Tropfstellen völlig sinnlos war.

Endlich kam die Feuerwehr, 5 Mann hoch, brach ohne weitere Formalitäten die Dachbodentür auf und verschwand 4 Mann hoch nach oben, während der 5. sinnend die Lage betrachtete und schließlich zusammenfassend bemerkte „Na Servas.“ Dem konnte ich mich vollinhaltlich anschließen. Es dauerte keine 10 Minuten (vielleicht nichtmal fünf, mein Zeitgefühl war zu diesem Zeitpunkt nicht in bester Verfassung), bis die anderen wieder herunter kamen und einen knappen Situationsbericht gaben. Taubennest und tote Tauben in der Kastenrinne. Behoben. Es würde noch eine Zeitlang weiter rinnen, bis das bislang in der Decke versickerte Wasser durch wäre. Name und Adresse der Hausverwaltung? Wer hatte angerufen? Innerlich wunderte ich mich, wie dieser Mensch mitten im Wasserchaos ganz trocken ein Formular ausfüllte, aber glernt ist offenbar wirklich glernt. Dann waren die Freunde und Helfer auch schon wieder weg. Hatten sicher noch woanders zu tun.

Ich beserlte mit dem Nachbarn weiter, bis die Sturzfluten langsam zu einem – oder besser gesagt mehreren – Tröpfeln wurden. Als ich die unter die schlimmsten Wasserfälle gestellten Kübel ausleerte, stellte ich fest, dass das Gang-Klo ebenfalls knöcheltief unter Wasser stand, aber dazu fiel mir nicht viel ein, außer den Teppich aufs Stiegengeländer zu hängen. Der wunderbare Nachbar verabschiedete sich, nachdem er mir geholfen hatte, die eigene Taschenlampe zu finden.

Ich versuchte, damit den Schaden zu überblicken. Alles, was in der Küche gewesen war, war durchnässt. Elektrogeräte, Garderobe, Schuhe, die Lebensmittel auf meinem Gitterregal. Die obersten zwei Ablagen meines Winterkleiderschranks. Ich trocknete mit den restlichen Handtüchern, mit Bettwäsche und sonstigen Fetzen auf, was ich konnte. Das Tropfen hatte sich mittlerweile auf 3 Stellen reduziert, sodass ich Kübel und Töpfe sinnvoll einsetzen konnte.

Schließlich gab es nichts mehr, was ich in einer Wochenendnacht tun hätte können. Alles andere musste auf Tageslicht und Hilfe von Außen warten. Ich warf das mittlerweile natürlich auch plitschnasse Gewand ab, zündete drei Kerzen an, um ein Grundlicht zu haben, setzte mich auf die Couch und drehte mit aufgeweichten Fingern eine Zigarette. Und dann stellte sich heraus, dass ich im Grunde meines Herzens offenbar unerschütterliche Optimistin bin. Denn mein erster Gedanke nach dem nikotinerfüllten Durchatmen war:

‚Immerhin. Das Zimmer ist trocken geblieben.‘


Am Tag danach fragte der Nachbar, also nicht der wunderbare, sondern der andere, „Sag amal, warum ist denn der Kloteppich nass?“ Ich wies erst wortlos an die Decke, erzählte aber dann doch von den Abenteuern der letzten Nacht. Er hatte gut durchgeschlafen.

Am Tag danach föhnte ich eine sichtlich nasse Steckdose trocken und hatte dann tatsächlich wieder Strom, um – unter anderem – die vom Deckenwasser versifften Teppiche und Handtücher zu waschen. Mein Middle-Name ist ab sofort McGuyver.

Am Tag danach hatten einige liebe Freunde viele gute Ratschläge, die meisten davon allerdings sind an einem Sonntag nicht so leicht umzusetzen – vor allem nicht mit leerem Konto. Immer wieder erstaunlich, wie weit Lebensrealitäten auseinanderklaffen können.

Am Tag danach fragte einer scherzhaft: So sauber war deine Küche wohl noch nie? – Ich hätte ihn gern recht tief in das versiffte Deckenwasser getaucht.

Am Abend nach dem Tag danach, nach Wasch-, Putz- und Aufräumarbeiten, zählte ich mein verbliebenes Gesamtvermögen, kam auf stolze 12,50 und trug die gesamte Summe zum Türken am Eck, im Austausch gegen Fladenbrot, Schafskäse, Oliven und Bier. Von 12,50 kann ich zwar sonst eine Woche leben, aber mir war danach. Und, morgen ist ein neuer Tag, und der wird für sich selber sorgen.

Und wenn nicht, dann halt nicht. Scheiß der Hund drauf.

Sommer-Pause

 

Strache nölt in den Sommergesprächen so widerlich dahin, dass ich abdrehen muss. Von draußen das Geräusch von Regen, von weither tönt der Soundtrack zu Zorba the Greek.Hatte mir versprochen, heute noch den Wäscheschrank aufzuräumen, aber ich glaub ich strick lieber noch ein bisschen.

Ein guter Tag, alles in allem. Wie nach jedem Urlaub gilt es, lose Enden aufzuklauben. Mails sortieren, Sachen wegräumen, Wäsche waschen. Kühlschrank auffüllen. Langsam wieder in Gang kommen. Keine Überraschungen, weder gute noch böse. Stattdessen wunderbarer Besuch.

Die Lieblings-Sommerbettwäsche, die ich seit ungefähr 1985 habe (kein Scherz) überlebt ihren geschätzt 500. Waschgang nicht. Einen anderen Sommerwäsche-Satz gibt’s zwar noch (von ca 1995), der ist mir aber meist zu rosa. Beim Hofer eine neue gefunden, die irgendwie auch zu mir passt. Meine erst Nicht-Baumwoll-Bettwäsche. Mal sehen, wie das tut. Bei Nichtgefallen steht wohl demnächst ein IKEA-Besuch an. (Hab vorosrglich den IKEA-Katalog von der Türschnalle der Nachbarwohnung geklaut – das einzige Mal im Jahr, dass das „Bitte keine Werbung“-Schild an der Tür gegen mich arbeitet.)

2015-08-17 21.37.29

(Man möchte meinen, das Sofa-Sommerlager hätte seine Schuldigkeit getan, aber oben am Hochbett hats immer noch stickige 29 Grad.)

Der Dusch-Schlauch hat sich auch verabschiedet. Hier steht definitv ein Baumarktbesuch an, die Gartenschlauch-Duschmethode wurde schon beim ersten Mal fad.

Ab morgen dann 4 Tage harte Arbeit. Damit ich guten Gewissens dem Sommer entgegenlaufen kann, wenn er Ende der Woche tatsächlich wiederkommt-

Sonnenregen-Regenbogen-Sunset

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Sky Colors

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Soll das ein Aprilscherz sein?

Looking Up

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