Schlagwortwolle

Und dabei…

…hatte ich mir fest vorgenommen, keine neue Wolle zu kaufen bevor die vorhandene verstrickt ist…

… und dabei wollt ich doch nix neues anfangen, bevor das letzte fertig ist…

Hab pünktlich zu Ostern meinen Weihnachtsgutschein eingelöst.

Stadt-Abenteuer (wollig)

Nun habe ich schon wieder getan, was ich eigentlich nicht mehr tun wollte: Wolle kaufen, bevor mein Woll-Vorrat aus ist. Und das auch noch – schluck – beim Hofer. Das geht eigentlich gar nicht, zum einen, weil mein Konto momentan gar nicht auf Spontankäufe eingerichtet ist, zum anderen, weil die Wolle vom Hofer definitiv weder nachhaltig noch hochwertig ist, und zum dritten, weil meine Wollvorräte ohnehin schon längst das doppelte des ihnen zustehenden Platzes einnehmen. Sein musste es trotzdem, es war ein „dasistes“-Moment, in dem beim Anblick der Wolle quasi übergangslos das fertige Stück vor meinem inneren Auge stand, und überhaupt: Den ganzen Sommer und Herbst lang hatte ich „diewollemussweg“-Stücke und „kannstdumirdasmalstricken“-Stücke gestrickt, es war also höchste Zeit für ein „dasistes“-Stück.

Leider hatte ich vor lauter „dasistes“-Gefühlen die Lauflänge entweder falsch gelesen oder falsch kopfgerechnet, vielleicht sogar beides, jedenfalls stellte sich beim Anstricken schnell heraus, dass sich das imaginierte Stück aus der erstandenen Wolle nicht ausgehen würde. Dass es bei „meinem“ Hofer keine mehr gab, war klar, denn ich hatte die einzigen Packeln in der Wunschfarbe erstanden. Der Hofer beim Sufi wiederum wusste gar nix von Wolle, was erstaunlich ist, da die auch im Flugblatt stand.

Supermarktdichte

Ein Blick auf Google Maps spuckte noch vier weitere Filialen in Geh-Nähe aus, was zwar wolltechnisch vielversprechend war, aber – im Gehen – durchaus auch kapitalismuskritische Gedanken aufkommen ließ. Dass Österreich die höchste Supermarktdichte Europas aufzuweisen hat, weiß man, aber was das im einzelnen heißt, hatte ich mir bis dahin noch nie überlegt. Tatsächlich erreiche ich fußläufig im durchaus vertretbaren 10-Minuten-Bereich locker zwei Filialen vom Hofer, drei vom Billa, zwei vom Spar und jeweils eine von Penny und Lidl. Wer kauft eigentlich den ganzen Scheiß?

An meiner Mission sollten mich solche Gedanken allerdings nicht hindern. Es sah nur nicht gut aus. Zwar lagen da und dort noch einzelne versprengte Woll-Packeln, allerdings nur die Farben, mit denen man sich nicht einmal im Dunkeln erwischen lassen wollte. Und ich brauchte ja eine bestimmte.

Advent, Advent… 

Darauf fixiert, kümmerte mich das ganze Weihnachtsgedöns ringsherum kaum. Klar, da und dort stank es nach Punsch, blinkten epilepsie-verdächtige Weinhachtsdekorationen, und es mag sogar das eine oder andere Fragment von Jingle-Bells an mein Ohr gedrungen sein, aber ich schritt ungerührt zügig weiter. Als klar wurde, dass ich auch im erweiterten Grätzel nicht mehr fündig werden würde, zog ich wieder Google Maps zu Rate. Ein paar U-Bahnstationen weiter, meinte der hilfreiche Begleiter, gäbe es eine regelrechte Ballung an Hofer-Märkten. Während ich überlegte, wo ich am besten ein- und aussteigen sollte, fühlte ich mich beobachtet.

Kaum umgedreht, blickten die Krawatten-Grazien unschuldig weg. Auch irgendwie creepy.

Verkehr, individuell

Beim Queren der Straße musste ich mir wieder einmal die Frage stellen, warum Radfahrer partout der Meinung sind, rote Ampeln würden für sie nicht gelten. Der Typ mit Helm und Rennrad mit siebenunddrölfzig Gängen raste ungerührt weiter, nachdem er mich knapp verfehlt, der Omi vor mir aber beinhart das Einkaufssackerl aus der Hand gefahren hatte. Fast kam Weihnachtsstimmung auf, als mehrere Passanten halfen, entwischte Orangen, Kaffee, Keks und Käse zu retten. Nur das Mehl hatte sich unrettbar auf dem Zebrastreifen zerstaubt. Erstaunlich geduldig warteten auch die Autofahrer, bis selbst die letzte rollende Südfrucht wieder eingefangen war.

Verkehr, öffentlich

In der U-Bahn, die selbst nach japanischen Verhältnissen überfüllt war, roch es penetrant nach halb gekochten Kutteln. Das war, bei allen mehr oder weniger unerfreulichen Gerüchen, die man in der U-Bahn erwarten könnte, so ziemlich der unerwartetste. Ich stand mir zwei Stationen lang selbst auf den Zehen, weil ich kein Stück Boden für meinen zweiten Fuß fand, und stieg am Karlsplatz um, was in der Weihnachtsmarkt-Touristen-Saison zweifellos ein Fehler ist. Nicht nur war alles hoffnungslos überfüllt, nein, es standen auch noch Musiker herum, von den Wiener Linien bestellt, die „White Christmas“ gitarrten und querflöteten. Das Umlaufen der zuhörenden Massen brachte zusätzlich Leben in die Masse.  Ich dachte an all die überfüllten Stationen in meinen Cities-Skyline-Kreationen und entschuldigte mich innerlich bei meinen Cims, während ich mir kräftigere Schultern wachsen ließ, mit deren Hilfe ich dann doch irgendwann die U1 erreichte. Die war kaum leerer, duftete aber im Vergleich zur U4 nur nach nassem Hund. Immerhin.  Mit erstaunlicher Akrobatik turnte ein Sandler durch den Waggon, in der Hand einen leeren Kaffeebecher. „Waast, I hob ka Göd“ erzählte er mir ungefragt mit schwerem Bieratem, während der Becher unangenehm nah vor meiner Nase schwebte. „I aa ned“, konterte ich für meine Verhältnisse  ungewohnt kaltherzig. Das musste die Weihnachtsstimmung sein, von der immer alle reden.

Favoriten

In der angeblich unchristlichen, „moslemverseuchten“ Südstadt nahm das Weihnachtsgeblinke erschreckende Ausmaße an. Kniehohe Weihnachtsmann-Roboter krächzten ihr blechernes „Jingle Bells“, während die Roboterhündchen vom Stand gegenüber unaufhörlich dazu kläfften. Dazu unzählige LED-Lichterbäume, die zweifellos von durchgefallenen Design-Studenten entworfen worden waren, die sich an der Menschheit rächen wollten. Wenn ich jetzt noch die singende Rentnergruppe am Punschstand erwähne, denkt ihr wieder alle, Favoriten wär echt voll asi, aber irgendwie mag ich die Gegend trotz allem.

Außerdem: Da war sie ja schon, die erste der vier Hofer-Filialen im Umkreis. Keine Wolle, also nicht in meiner Farbe. In der zweiten auch nicht. In der dritten erklärte man mir, Angebote vom Montag würden am Mittwoch zurückgeschickt, das würden alle Filialen so machen müssen. Ich verzichtete auf die Diskussion, entkam der Fussgängerzone und schritt zügig aus auf dem Weg zur letzten Hoffnung.

Hier wurden die Weihnachtsdekorationen dezenter, die Schaufenster alltäglicher. Ich hätte auch für zwei Stationen den Bus nehmen können, aber die schwer bepackte Menschenmenge an der Haltestelle ließ das ungemütlich erscheinen.

Vorstadt-Normalität?

Beim Betreten der (das hatte ich mir versprochen) letzten Filiale für heute befiel mich unversehens unbegründete Zuversicht, aber tatsächlich: Hier, wo im Vergleich zu den anderen Läden gar nichts los war, fand sich das Objekt der Begierde. Ich widerstand der Versuchung, gleich den ganzen Bestand aufzukaufen, nur weil ich es konnte, und freute mich, dass ich außerdem noch in einer Filiale fündig geworden war, an deren Kassa niemand Schlange stand. Also fast niemand. Ich war die zweite. Vor mir ein Typ mit typischem Abendessenseinkauf auf dem Band und einem schweren Rucksack auf dem Rücken. Der Kassier zog die Waren über den Scanner und fragte freundlich mit Geste auf den Rucksack: „Darf ich da kurz reinschauen?“ – Der Kunde antwortete, mit vergnügt kampfbereitem Lächeln, „Nein!“

Die beiden beäugten sich sekundenlang unbewegt, in meinem Kopf begann die Melodie zu „High Noon“ zu spielen. Schließlich sagte der Kassier, immer noch in durchaus freundlichem Ton: „Ich muss aber!“ – „Wenn Sie darauf bestehen, gehe ich ohne meinen Einkauf!“.

Der Kassier murmelte in sein Funkgerät „Filialleitung bitte zur Kasse!“. Der Kunde wiederholte: „Ich geh einfach!“

Darauf wieder ausgedehntes gegenseitiges Starren. Ich traue mir genug Menschenkenntnis zu, um sagen zu können, dass der Typ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts geklaut hatte – er war genau die Art Mensch, der einem Kassier gegenüber seine Rechte ausspielen muss, einfach nur um sich überlegen zu fühlen. Mir und der mittlerweile hinter mir aufgelaufenen Dame war das ungefähr gleich peinlich. Der Kassier war indessen offenbar zu einem ähnlichen Schluss wie wir gekommen, denn er meinte „Ja, dann zahlen’s halt einfach“, und, in durchaus versöhnlichem Ton „ich muss halt fragen“. Darauf der, und jetzt muss ich es sagen, äußerst widerwärtige Kunde: „Aber ich, ich muss gar nichts.“ Sprachs, drehte sich um und verschwand, ohne seinen Einkauf.

Ungefähr gleichzeitig traf die Filialleitung ein. Der Kassier schüttelte nur den Kopf, wies auf den vollen, unbezahlten Einkaufswagen, murmelte: „Idiot.“ und kassierte in professioneller Freundlichkeit mein Wollpaket.

Heimweg, zu Fuss

Mit meiner Wolle unterm Arm war ich durchaus willig, den Bus zu besteigen, doch der eine fuhr mir vor der Nase davon, und der nächste sollte in zehn Minuten kommen. Dann halt eine Station zu Fuss. Es passierte, was bei mir in ähnlichen Situationen immer wieder passiert: Schaufenster, Fotomotive und andere Zerstreuungen hielten mich davon ab, an der nächsten Station den nächsten Bus zu erwischen. Na gut, dann halt noch eine Station zu Fuss… Hm, ich bin leicht hungrig, vielleicht eine Pizzaschnitte (die hier übrigens 1 Euro kostet, gleich groß und auch nicht grauslicher als die in meinem Grätzl um 2,50)? Oh, da ist schon wieder ein Bus vorbei….

Nebenbei fiel mir übrigens noch eine weitere Hofer-Filiale auf, die in Maps gar nicht aufscheint. Supermarktdichte. Tja. Egal.

Sechs Kilometer später kletterte ich, sehr zufrieden über meinen Erfolg, in den vierten Stock, stellte Teewasser auf und griff zu den Stricknadeln.

Ph. Gibt schlimmere Wintertage!

Wollglück

Cascade Souk, die Seiden-Wollmischung für meine geplante Frühlingsweste, ist nach 7 Wochen irrfahrt doch noch bei mir eingetroffen. Immenses Glück, weil nicht mehr lieferbar.

Ausverkaufsbeute

Ausverkaufsbeute

Neues Projekt auf der Nadel

Neues Projekt auf der Nadel

Der Pulli wird schön…

Der Pulli wird schön...

Nachschub

Nachschub

Ha, es geht wieder!

Ha, es geht wieder!

Rotkäppchencape weitgehend fertig.

Rotkäppchencape weitgwhend fertig.

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