Tiefseufz


[Vorgeschichte: Mein 10 Jahre alter, aber qualitativ und bedienungsfreundlichkeitsmäßig immer noch erstklassiger Videorekorder kommt von einer Reparatur zurück. Ich freue mich und nehme sofort die an sich nicht so komplizierte kabelsteckende Reintegration ins System in Angriff. Allein: Mir fehlt ein Kabel. Hmmmm….Wo könnte das??? Ah ja, vielleicht…]

Ich greife zum Telefon. Wähle. Austausch von Freundlichkeiten. Dann…

Ich: Sag, hab ich vielleicht mein langes Stereo-Cinch-Kabel bei dir gelassen?

Er: Nein, glaub ich nicht, wozu brauchstn das?

Ich: Vom Videorekorder in die Stereoanlage.

Er: Wieso willst du vom Videorekorder in die Stereoanlage?

Ich: Erstens weil mein Fernseher nur Mono ist, und zweitens weil ich ab und zu Musik aufnehme.

Er: Am Videorekorder?

Ich: Nein, auf Kassetten.

Er: Aber da kannst du ja vom Fernseher auf die Stereoanlage gehen?

Ich: Nein, weil erstens ist mein Fernseher Mono, und zweitens hat er keinen Sound-Ausgang.

Er: Das kann doch nicht sein.

Ich: Doch. Aber selbst wenn der Fernseher Stereo könnte und einen Soundausgang hätte, bräuchte ich noch immer zwei Cinch-Kabel. Also ein Stereo Cinch-Kabel.

Er: Ja, aber nicht am Videorekorder. Du brauchst das Kabel am Fernseher.

Ich: Nein, am Videorekorder.

Er: Blödsinn. Dann müsstest du ja immer den Videorekorder anschalten, wenn du Stereo hören willst.

Ich: Muss ich auch. Weil mein Fernseher Mono ist und keinen Soundausgang hat.

Er: Das kann nicht sein. Wenn du willst komm ich mal vorbei und schau mir das an.

Ich: Danke nein. Ich wollt nur wissen ob du mein langes Stereo-Cinch-Kabel hast.

Er: schweigt beleidigt.

 

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Re: Tiefseufz

Nun, in diesem typischen Fall eines “Aha ich Mann, sie Frau; Technik, also helfen müssen”-Syndrom würde ich empfehlen, den Komplex dieses zweifellos gutmeinenden Mitmenschen scham- und stolzlos zu befriedigen und ihm zu geben, was er braucht. Konkret sagt man ihm:“Ja, gerne, komm doch auf einen Kaffee vorbei und schau dir das einmal an. Aber bitte nimm unterwegs gleich zwei Cinchkabel mit.” Bevor er aufkreuzt, steckt man noch irgend ein Kabel falsch an, damit er später ein sicheres Erfolgserlebnis hat. Nachdem er sich dann bei selbigem Kaffee davon überzeugt hat, mit seinem Technikverständnis wieder einmal geholfen zu haben, nimmt man ihm dankbar lächelnd die zwei Cinchkabel ab, lobt ihn noch einmal und lässt ihn mit einem “Ganz lieb von dir, bis zum nächsten Mal” wieder seines Weges ziehen. Funktioniert garantiert.

Trurl, 05.11 13:07

Gute Idee…

…aber wie verstecke ich den Dampf, der mir vor lauter Zorn aus den Ohren strömt?

Chronistin, 05.11. 14:37

 


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