Traumreisen

Nach einem eh schon langen Tag stehe ich nachmittags an dieser Bushaltestelle. Wetter nicht kalt aber feucht, düster. Die Bushaltestelle ist verlegt, nur um ein paar Meter. Das Blumengeschäft, vor dem sie früher war, musste der U-Bahn-Baustelle Matzleinsdorfer Platz weichen. Das Blumengeschäft, aus dem übrigens dieser Kaktus stammte, hat auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein viel kleineres Geschäftslokal.

Die Tankstelle, an der ich gefragt habe, wo denn nun die Haltestelle hingekommen ist, darf offenbar bleiben. Schnell noch dort aufs Klo, bevor der Bus kommt, es ist lästig mit diesen Bussen: Man weiß ja nie, ob ein Klo an Bord ist, und wenn ja, ob es funktioniert. Nur einer der Gründe, warum ich normalerweise lieber mit dem Zug fahre, aber nach Hartberg, da fahren die Züge selten, und wenn dann sehr langsam.

Die Hauptverkehrsstraße, an der ich stehe und auf den Bus warte, bietet lärmtechnisch alles auf. Brausenden Verkehr, zischelnde Straßenkehrmaschinen, blaulichtige Sirenen und dumpfen Baustellenlärm. Dennoch muss ich noch beruflich telefonieren. Als der Bus endlich kommt, bin ich bettreif und gar nicht mehr heiß auf diese Fahrt, obwohl es ein selbstgewählter und interessanter Termin ist.

Im Bus kennen sich alle. Das weiß ich schon, ich hatte es nur vergessen. Menschen, die frühmorgens zwei Stunden in die Arbeit fahren und abends zwei Stunden wieder zurück. Es ist ein freundliches Grüßen ringsum und danach Stille. Einige schlafen, einige haben Kopfhörer im Ohr, eine liest, einer schreibt in ein Heft.

Von meinem Platz aus sehe ich zwei Fenster – das mir nähere zeigt die Welt rechts von mir, das Fenster weiter vorne ist verspiegelt und zeigt das Spiegelbild der Welt links von mir. Das ist seltsam trance-induzierend, und der singende Ton der Busräder auf der Autobahn tut das Seinige dazu. Der Ton schwingt, wie ein esoterisches Keyboard, und jetzt setzt auch noch hinter mir jemand die Kopfhörer auf. Nur das Schlagzeug dringt bis zu mir, es sind jazzige Breakbeats, und plötzlich ist das ganze Leben Musik.

Das Asphalt-Keyboard, das die Melodie ändert, wenn am Straßenrand eine Mauer ist, wenn wir überholen oder überholt werden. Die Beats dazu. Dazwischen schwingt unerwartet eine Stimme, die schon viel zu lange fehlt.

Der Termin spannend und entspannt, danach ein wunderbares Abendrötchen und im Bus wieder zurück, wieder kennen sich alle, die nun abends Richtung Wien fahren, außer mir natürlich. Am Tablet handschriftlich vorgearbeitet für den Artikel im dunklen Bus, und auf der Baustellen-Haltestelle ausgestiegen: abenddunkle Bildgeschichten.