(Teil 1 war hier)

Die 70er neigten sich dem Ende zu, die Polaroid lag wegen hoher Produktionskosten mehr auf dem Schrank als in der Hand, die Pocketkameras glühten mangels Alternativen auf allen Familienfesten – bis endlich meinem Großvater die Modelleisenbahn langweilig wurde. Man könnte ja doch wieder einmal ordentliche Fotos machen, dachte er laut, und wälzte daraufhin wochen- wenn nicht monatelang Prospekte.

Das Ergebnis der damals noch langwierigen Recherchen war ein Nikkormat EL, dem ich allerdings vorerst nur von vorne in die Standard-50mm-Linse schauen durfte. Dass mich die andere Seite des Apparates viel mehr interessierte, war meinem Großvater recht egal – er hatte ja auch willigere Models.

Die Fotos: Endlich scharf! (Wenn man richtig gedreht hatte, zumindest – Autofocus hatte das Gerät keinen). Der Ausschnitt: Endlich wie im Sucher gesehen! Die Farben… naja, das hing vom Film ab. Mein Großvater kaufte immer den billigsten Film – so wichtig es ihm war, das “beste” Gerät zu haben, im Alltag galt die Devise “sparen”.

Wann ich denn endlich auch einmal abdrücken dürfte, fragte ich, “Wenn du dich auskennst!”, antwortete mein Großvater, ohne mir etwas zu erklären. Vermutlich wollte er die Kamera gar nicht hergeben und hatte vergessen, dass im Bücherregal ein “vergnügliches Lehrbuch” aus den 50er-Jahren herumlag. Es hieß “Manfred knipst sich durch” und erklärte alles über Belichtung, Blenden, Schärfentiefe (Tiefenschärfe?), Objektive und Filme. Ich fraß mich zweimal quer durch und erklärte im nächsten Urlaub meinem Großvater, dass es seinen Portraits gut tun würde, wenn er die Blende weiter aufmacht, und dass “weiter auf” nicht “höhere Zahl” heißt, und fragte, ob wir nicht einmal zum Testen einen Film mit höherer ISO-Zahl kaufen könnten. Wobei ISO ja damals noch ASA hieß.

Mein Großvater mochte es gar nicht, wenn man ihm belehrend kam, aber er stand zu seinem Wort. Fortan durfte ich ab und zu auch hinter die heilige Kamera, wenn auch immer nur unter Aufsicht und ständigen Ermahnungen (“nicht fallen lassen!” – “gerade halten!”). Er war auch unempfänglich für alle meine Erweiterungswünsche – einem “richtigen” Fotografen, so meinte er, genüge das Standardobjektiv – und blitzen wäre ohnehin nur etwas für Schnappschüssler.

Mein Vater, damals dem Canon-Lager zugehörig, sah das zum Glück nicht so – und ich lernte im Urlaub, Objektive zu wechseln und den Blitz einzustellen. Das war ja damals noch eine Wissenschaft für sich, mit Entfernungs- und Lichtstärketabellen, die man entweder auswendig kannte oder memorierte. Ich hatte Spass am Ausprobieren und schoss 1980 mein erstes erwähnenswertes Portrait.

Das ist mein anderer Großvater, und er ist gut getroffen. Erwähnenswert, weil ich mit Menschen bis heute so meine Schwierigkeiten habe beim Fotografieren. Naja, nicht nur beim Fotografieren.

Naja, egal.

Von meinem Vater lernte ich auch, dass es sich lohnen kann, beim Filmkauf ein paar Schilling mehr auszugeben. Agfa für den Urlaub am Meer (das wunderbare blau!), Kodak für heimische Gefilde (rot! grün!). Und bei Agfa musste man drauf achten, ob die aus französischer oder amerikanischer Produktion waren, aber ich habe vergessen, warum.

Nach dem Urlaub war mir jedenfalls klar: Ein Blitz muss her! Und ein Zoomobjektiv! Ich bettelte und wünschte und sparte mein Taschengeld – und kam so über Weihnachten und Ostern zu meinem ersten Blitzgerät (Marke hab ich vergessen) und einem 24-85er Sigma Zoomobjektiv. Obwohl ich mit der Canon viel mehr hatte machen dürfen, war ich mit der Nikon glücklicher – damals hauptsächlich deshalb, weil ich mit dem Nikon-Focusfeld viel leichter klar kam.

(wird fortgesetzt)