Zartruhig eingeschlafen, nur um erschrocken aufzuwachen. Blick auf die Uhr erleichtert; es ist erst 3 – noch knapp 3 Stunden Schlaf vor mir.

Als der Wecker dann läutet erstaunlich ausgeruht. Schnell und beinah anstrengungslos den Rest der Sachen eingepackt. Dann anziehen, ungewohnt: Lange Hosen! Socken! Warme Schuhe!

Ganz leise noch ein letztes Mal Kaffee auf der Terrasse. Langsam fällt Dämmerung ins Dunkel. Schön.

Dann aber Zeit. Schlüssel und Adapter bleiben im Zimmer; Rest wird geschultert. Ächzend runter zur Haltestelle – nur um zu erfahren, dass der angepeilte Bus sonntags nicht geht. Das Taxi würde mich zwar zum Flugplatz fahren, aber um horrendes Geld.

Was solls, noch ist Zeit. Reichlich genug. Ich stelle mich zum Kiosk und trinke herrlich südlich-starken Kaffee, überm Meer wirds langsam Tag, während im TV Zeichentrick läuft, ganz ohne Ton. Vom Strand her kommen zwei im Blaumann, sie diskutieren in einer spanisch-englisch-deutschen Mischung, ob sie jetzt Bier trinken oder Kaffee. Sie bestellen Bier.

Ein Bus kommt, der Fahrer steigt aus und beginnt, das Fahrzeug zu waschen. Ein zweiter Bus kommt, und der Fahrer legt sich auf die schmale Holzbank auf ein Nickerchen. Ein elegant gekleidetes Mädel kommt und regt sich fürchterlich darüber auf, dass der Bus um 7:20 sonntags nicht geht. Sie macht das auf Spanisch, aber so deutlich artikuliert, dass ich trotzdem jedes Wort verstehe.

Ich bestelle einen zweiten Kaffeee, schaue den Wolken beim Ziehen zu und der Landschaft beim Hellwerden. Schließlich wird es dreiviertel Acht, und da kommt ein Bus, mit dem keiner gerechnet hat. Fahren Sie zum Flugplatz? Er fährt.

Alle steigen ein, aber die meisten fahren nicht weit. Sauber gekleidete Einheimische auf dem Weg zur Arbeit. In Puerto Rico 20 Minuten Aufenthalt, Zeit genug, um hinter einen Busch zu Pinkeln. Andere Gäste steigen ein, und schweigend geht es weiter bis Las Palmas, wo außer anderen Lokalreisenden noch 3 Schweizer einsteigen, die anfangs lauthals ihr (heimfahrendes) Schicksal beklagen, bevor sie auch in die Schweige-Falle des Busses tappen.

Naja. Leider und ziemlich unwillig irgendwann am Flugplatz angekommen. Frage mich durch bis zu meinem Schalter, der Nummer – na? – richtig, 42.

Dort ist noch zu, und um Zeit herumzubringen, kaufe ich einen höchst unnötigen Krimi, mit dem ich vor dem Schalter Stellung beziehe. Wenn ich die erste bin, habe ich nachher vielleicht noch Zeit für ein Stündchen auf der Terrasse?

Diese Illusion und die ganze Flughafenruhe jäh zerstört durch eine Horde wildgewordener Linzer Pensionisten, die sich mit spitzen Ellbogen und der geballten Kraft ihrer Gruppe gnadenlos an mir vorbeidrängeln.

Am Schlimmsten ein ältlicher Typ, der lauthals verkündet, zukünftig nur noch in Gars am Kamp Urlaub machen zu wollen, weil hier doch niemand richtiges Deutsch versteht. Als unsere Flugnummer, allerdings mit dem Zusatz “Destination: Linz” auf dem Display leuchtet, leichtes Murren, worauf der selbe Typ lauthals verkündet: “Natürlich wollen wir alle nach Linz, ist doch die Geburtsstadt des Führers!”

Während ich noch an einer vernichtenden Replik feile, kriege ich heftigst den Regenschirm einer Omi in die Rippen und muss erst Mal Luft holen.

Endlich öffnet der Schalter. Allgemeiner Rush. Die zwei Damen hinter dem Computer beraten kurz, dann über Lautsprecher die Frage: “Gibt es Passagiere nach Wien?”

Verwirrte Stille breitet sich aus, und mitten im ratlos vermodernden Haufen: Nur ich! auf dem Weg nach Wien, brülle erleichtert: “Ja, ich!” und kämpfe mich samt Gepäck durch die starrende, spitzzüngige Masse, kriege Bordkarte, bin die Riesentasche los. So böse können die anderen gar nicht schauen, wie ich jetzt freundlich grinse.

Noch ein bisschen Zeit und Zigaretten, CDs, Jause gekauft. Dann Panoramafensterblick auf Flugzeuge vor sonnenglitzerndem Meer. Nix mit Terrasse; quasi im Minutentakt wird die Gatenummer unseres (und der anderen) Flugzeugs geändert. Also kann man nur dastehen und hinunter schauen auf die Glücklichen, die gerade ankommen.

Schließlich der Zubringerbus über die Piste; bis der zweite Bus kommt, stehe ich auf der Gangway & atme Sonne und Meerluft. Wollte lesen, aber seltsam müde & erschöpft eingedöst. Wieder wach zum Abendrot über den Bergen. In Linz kurze Verwirrung, ob es überhaupt weitergeht nach Wien (es sind jetzt doch ca.10 Leute, die nach Wien wollen), aber es geht, obwohl wir betankt werden müssen vorher noch.

Spinnennetzdorflichter und leuchtfreudige Städte. Gleich bei der Passkontrolle wienerisch grantiger Drache. Heimat, du hast mich wieder!

Aufschub noch, indoors zur Schnellbahn und bis nach Wien Mitte, dann aber mitten im grauen Kalt und unter deutlich mehr Fremden als dort unten in Spanien. Sollte mir das nicht zu denken geben? Ich denke… nicht.