Es kostet schon einiges an Selbstbeherrschung, nicht in den Zug am Bahnsteig gegenüber einzusteigen. In den, der nach Süden fährt. Mit ein, zwei mal umsteigen vielleicht sogar ans Meer.

Auch hier könnte man gut bleiben. Das strahlende Frühlingsgrün, die blühenden Obstbäume. Ein weiß-rosa Rauschen im grünenden Überschwang. Einfach hinsetzen und beim Erblühen und Verblühen zuschauen. Still.

Im Zug ist trotzdem gut rollen. Selbst lästigste Korrespondenz fühlt sich nach Freizeitvergnügen an, wenn sie draußen sonnige Landschaft vorbeirollen, grüne Wiesen, auf denen meditierende Kühe stehen oder Schafe, die nicht Mal aufschauen, wenn der Stahlwurm vorbei zieht.

Über den Semmering jetzt, eigentlich wollte ich mir da oben zumindest die Zeit zwischen zwei Zügen stehlen, 1 Stunde 50 Minuten hätte ich dem Arbeitstag noch abgeknipst, einen kleinen Spaziergang, ein paar Fotos, ein Kaffee im Cafe. Zu schade, dass der Zug da oben nicht mehr stehen bleibt. Also dieser. Andere schon noch. Aber der hier eben nicht, und so bleibt mir nur, aus dem Fenster zu blinzeln und die Momentaufnahmen innen abzuspeichern, fotografieren ist auch nicht wirklich verlockend, die könnten ihre Zugscheiben echt ab und zu einmal waschen.

Jetzt sieht man schon ins Tal hinunter, weit. Wunderbar klare Luft. Wo ist nur mein Flieger? Bin viel zu erdig in letzter Zeit, das macht träge. Und unzufrieden. Mehr Luft! Und dann…