Leider hatte ich heute zuviel zu tun, um dieses Wunderwerk der Technik sofort seiner Bestimmung zuzuführen. Ich arbeitete vor mich hin und warf ab und zu einen glücklichen Blick auf die originalverpackte Schönheit. Dann, endlich, war es soweit: Alles dringende erledigt. Das Vergnügen konnte beginnen.

Ich zückte einen spitzen Fingernagel und schlitzte die Verpackungsfolie auf. Ein kopiertes A-4 Blatt, eine CD und – das Gehäuse mit den unendlichen Weiten. Ich griff das Blatt. Nach den technischen Spezifikationen und einer Anleitung zum Aus- und Einbau der Festplatte in das Gehäuse – falls man das jemals brauchen sollte – fiel mein Blick auf folgende Sätze:

Insert the plug of the AC adapter into the External Power Jack.
Attach the AC adapter to an outlet.
Press Power Switch to on.
Windows Me/2000/XP and Macintosh
Just insert the desired interface cable into computer and into the related Interface connector. (Note: you cannot connect both interface cables to computer at the same time!)

Ich dachte, dass ich das sehr wohl könnte, dass aber vermutlich gemeint war, ich sollte es besser bleiben lassen. Dann dachte ich, dass das eine verdammt kurze Anleitung war, und warf einen mitleidigen Blick auf die restliche etwas-mehr-als-Viertelseite, die darüber aufklärte, was Benutzer anderer Systeme alles zu beachten haben. Und dann kroch ich unter den Tisch und tat, wie mir geheißen.

Ein leises “pa-lymp!” kündete von der Einbindung der neuen Komponente ins System. Keine Installation, kein Fenster, keine Nachfrage. Ich fand das ein wenig enttäuschend un-feierlich für so ein Riesending. Da sich sonst absolut nichts rührte, klickte ich auf den Explorer. Da war sie, meine unendliche Weite. Unberührt wartete sie still auf Ansprache. Ich erkundigte mich nach ihren Eigenschaften. “189GB frei” verkündete das Fenster. Nun kann alles Wissen um die Kapazitätsberechnerei nicht verhindern, dass ich mich in so einem Moment um 11GB betrogen fühle. Ist halt so mit Vernunft und Emotion. Ich dachte nicht weiter über innere Konflikte nach, sondern ließ meinen Blick auf der Zeile verweilen, die da lautete: “Dateisystem: FAT32”

Da fing es an, das Problem mit den Entscheidungen. Sollte ich dabei bleiben? Da war doch das Problem mit den beschränkten Dateigrößen unter FAT32… und ich will ja vor allem Videos…  Andererseits könnte es durchaus sein, dass ich doch einmal auf Linux umsteige… und das kann doch kein NTFS? Oder doch mittlerweile? Ich begann nachzulesen, kam aber davon ab und grübelte stattdessen über die Verwaltung nach. Sollte ich die unendlich Weite eine solche sein lassen? Oder sollte ich fein säuberlich themenorientierte Partitionen erstellen lassen? Vielleicht eine kleinere FAT32 Datenpartition und eine größere NTFS Videopartition? Geht das überhaupt, auf einer Platte? Ich wälzte Suchmaschinen und FAQs, kam vom Hundertsten ins Tausendste und überlegte gleichzeitig, wie ich denn dann vorgehen würde: Erst die Daten am Laptop und am Desktop sortieren und sie dann fein säuberlich übertragen? Erst Kraut und Rüben übertragen und dann nebeneinander sortieren?

Entscheidungen, Entscheidungen, Entscheidungen. Ich schaute tagträumend ins blaue Licht vorne am Gehäuse. Dann klickte ich auf “auswerfen” und drehte das Ding ab. Solch weitreichende Entscheidungen gehören zumindest einmal überschlafen.