Es ist gleichzeitig gut und schlecht, wenn man nicht live und mit Twitter Bachmannpreis schaut. Man hat einerseits mehr Zeit, sich auf einen Text einzulassen, andererseits fehlt die Verortung durch die anderen Meinungen. Ich habe ja schon lange vor Twitter ganz alleine jedes Jahr zugehört, und als ich an diesem Freitag Abend heim komme, freue ich mich schon auf die Nachmittagstexte.

Bov Bjerg war (ist) ja quasi der große Internet-Favorit des Jahres, mit entsprechender Erwartung näherte ich mich den „Serpentinen„, musste aber dann enttäuscht in die nächtliche Leere twittern.

Die Jury widmete sich mehr dem nicht ausgeführten Mysterium, ob Vater und Sohn nun auf der Flucht sind oder doch eher im Urlaub. Aber, es bleibt ein Vater, der nicht wirklich etwas mit seinem Sohn anfangen kann, der aber das „männliche“ Bedürfnis hat, die Vaterlinie zu erforschen und auch ein bisschen weiterzugeben, ohne die Suizid-Komponente natürlich. Dabei tut er „männliche“ Dinge wie Autofahren und Bier trinken und sich wundern, dass die Frau mit dem Hotel (?) nicht zu Hause picken geblieben ist. Das hätte sich so leicht und so gut aufbrechen lassen, aber… naja, ich kritisere ja immer die Jury, wenn sie sagt, was sie lieber gelesen hätte, daher lass ich das jetzt.

Besser gefiel mir Anselm Neft mit „Mach’s wie Miltos„. Dem Versuch, sich in die Innenwelt eines Obdachlosen zu begeben, mit der schwebenden Frage, wer oder was denn nun real ist – dem folgte ich gern, eine Geschichte, gut vorgetragen, und den Vorwurf der Jury, es sei emotionelle Erpressung, kann ich gar nicht folgen, die Story bleibt mir durchaus trocken und distanziert, obwohl von innen betrachtet.