Voll sozial Netzwerk-sozialisiert (Halbverwirrte Bestandsaufnahme)


(Anm 2017: Dieser Eintrag hat wegen abgedrehter services die meisten seiner Links verloren, bleibt aber aus netzarchäologischen Gründen dennoch online)

Angefangen hat es mit Twitter. Ein kleiner Stups von dort, und ich versuchte es zum zweiten Mal mit dem beim “first contact” von mir geschmähten 140-Zeichen-Publishing-System. Ein kleiner Rückschlag, dass mir zum damals angelegten Account partout das Passwort nicht mehr einfallen wollte (und die Email auch nicht), aber Sturmwarnung klingt ja auch ganz nett (und motiviert mich vielleicht, endlich etwas Richtiges mit der Domain anzufangen).

Auf Twitter hörte ich dann mehrfach von friendfeed, ein Web-Phänomen, das auch vorher schon an mir vorbeigerauscht war, aber irgendwie nicht so recht bei mir ankam. Die Ergebnisse der dann doch stattgefunden habenden Begegnung sind bekannt.

Auf friendfeed dann fiel mir auf, dass ich wirklich weit und breit die einzige ohne facebook-account bin. Facebook, davon hatte ich natürlich schon mehr als nur gehört, aber hängengeblieben war vor allem der Futurezone-Artikel, der (so ungefähr, ich finde ihn jetzt nicht wieder) eine Studie zitierte, in der stand, dass Myspace-Kids die verkrachten Hauptschüler sind, die so lange Bier saufen, bis sie Lust haben, sich die Leerflaschen um die Ohren zu schlagen, wohingegen auf Facebook die ehemaligen College-Kids abhängen, die Jazz schon immer viel cooler fanden als Garage-Rock.

Nun steh ich weder auf Glasscherben noch auf Jazz und habe folglich um beides einen großen Bogen gemacht. Bis ich, durch die vielen friendfeed-facebooker neugierig gemacht, meine Nase auch dort hineinsteckte und feststellte, dass in Wirklichkeit so ziemlich alle da sind, bis auf die versprochenen SchulkameradInnen (wobei die Sache mit den Nachnamen bei einer reinen Mädchenschule natürlich schwierig ist. Sind ja nicht alle so standhaft wie ich. Genau betrachtet vermutlich die wenigsten).

[Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich meine Nase natürlich auch irgendwann bei Myspace reingesteckt habe, auf die bin ich aber beleidigt. Als ich nämlich den dortigen Support dazu befragte, wie ich denn als Künstlerin meine Soundfiles dort hochladen könnte, erhielt ich die lapidare Schablonen-Antwort, dass aus Copyright-Gründen nur Musikern und Bands das Hochladen von Songs erlaubt sei, mir also nicht. Äh, Hallo? Vielleicht hättet ihr ja Mal nachfragen oder nachschauen können, ob ich selber Musik mache? – Egal, so richtig geheuer war mir die Site ohnehin nicht. Außerdem finde ich es etwas irritierend, dass mir, wenn ich mich alle heiligen Zeiten Mal dort einlogge, die Zeile “Chronistin is in your extended Network” entgegenleuchtet. Schizophren kann ich auch mit mir selber sein.]

Eher zufällig ergab es sich, ebenfalls in den letzten Wochen, dass ich meine plakativ kundgetane Abwendung von flickr revidierte. Im Grunde war ich ja mit Picasa recht zufrieden nicht-ganz-glücklich. Aber dass man seine Bild-Datenbank nirgends anders als auf der System-Partition ablegen kann, hat mich dann photokatalog-mäßig doch wieder in die Arme von ACDsee getrieben, wobei mir die Sommeraktion durchaus entgegenkam. Dass IPTC-Support mittlerweile zum Standard gehört, erleichtert das Wechseln, dass man IPTC-Daten bei ACDSee nur einzeln pro Photo ändern kann, ist etwas lästig, aber besser, als bei jeder Neuinstallation einen Extra-Schritt einzuplanen. Das einzige, was mir im Vergleich zu Picasa sonst noch abgeht, ist das supercoole geotaggen mit Google Earth, aber man muss halt Prioritäten setzen. Jedenfalls kann dieses neue ACDSee flickr-Upload per Mausklick (bei Bedarf noch Größe und Set auswählen, Title und Tags werden von IPTC übernommen, Datum von EXIF – viel einfacher geht’s wirklich nimmer), und mit dieser Möglichkeit bin ich als reumütiges Schaf zu Flickr zurückgekehrt. Ahem. Blööök.

Was nicht unbedingt heißt, dass ich mein Picasa abdrehe. Man kann ja nie genug online-Speicherplatz haben, jedenfalls nicht, wenn man die Vision eines kompletten Online-Lebensarchivs hat.

Und wenn man diese Vision hat (zu diesbezüglichen Datenschutz-Bedenken komme ich noch, falls ich nicht vorher schlafen geh), dann hätte man natürlich auch gerne eine zentrale Stelle, die alle diese und noch ein paar mehr Dinge auf einer schön differenzierten Zeitlinie darstellt. Naja. Ich weiß jetzt nicht, ob “man” das gerne hätte, aber ich hätte es gern. OK?

Mitten in diese Überlegung passte ein von mir neu entdecktes EE-Plugin: Feedgrab. Woah. Damit könnte man, RSS-Feed vorausgesetzt, überhaupt alles in die eigene EE-Datenbank saugen. Geil!

Geil?

Nja, ja. Saugen könnte man, funktioniert auch gut, aber wo dann hin mit all dem gesaugten? Tweets gleichberechtigt mit Weblogeinträgen? Fotos als Thumbnails oder doch groß reinklotzen? Delicious-Links einfach so dazwischengestreut? – Äh. Würde sich ja, so vom Ansatz her, gut machen in meinem zeitlich wohlorganisierten Archiv, aber wer außer mir würde dann noch durchblicken? (Andererseits, wäre das denn wichtig, wenn ich auf diese Art das mir perfekte allumfassende Archiv erschaffen könnte?)

Ich überlegte erst hin, dann wieder her, importierte hier halbherzig dieses und jenes, ohne je alles davon anzuzeigen, probierte nebenbei jede alternative Lifestream-Site, die mir zwischen die Finger kam (und die schießen ja jetzt wie Eierschwammerln aus gut beregnetem Augustboden):

Swurl zB sieht ganz gut aus, vor allem in der Timeline, frisst aber nur bewilligte Services (und keine generischen RSS-Feeds);

Lifestream.fm zeigt eine schöne Tages-Übersicht und hat die Möglichkeit, die Feeds auch mit Freundes-Feeds gemeinsam anzuzeigen, schön, unterscheidet aber nicht zwischen hochgeladenen und favorisierten Fotos (juristisch möglicherweise fatal); außerdem, ein Blog hab ich eigentlich schon (genaugenommen mehr als eins, oder vielleicht sogar zu viele);

Ein Popego wollte ich eigentlich immer schon haben, und der Magazincharacter hat etwas Sympathisches, daher verzeihe ich (zumindest in der Alpha-Phase) das augenschmerzerzeugende Pink, vermisse aber die Möglichkeit, Interessen zu gewichten (ich muss da jetzt nicht 9 Plattencovers rechts oben picken haben, die Überschriften meiner Blogposts wären mir lieber) – und, wie überall außer bei friendfeed, die Option, nur meine Beiträge aus Multi-Autoren-Blogs einzuzeigen.

Der ganze Social-Networking-Lifestream-Dance (nur linklos am Rande erwähnt bzw. mitgedacht seien zusätzlich plurk, tumblr, identi.ca, pownce und noch ein paar, die mir grade nicht mehr einfallen) war zwar spannend und lustig, aber auch reichlich ermüdend. Was bleibt ist friendfeed (in der Tat mein neues Lieblingsspielzeug), Facebook (Jaja) und, halt auch, Twitter (solange, bis auch die letzten gefolloweden einsehen, dass das alles auf friendfeed viel cooler geht – also wahrscheinlich ziemlich lang).

Und das mit “vollständiges Archiv auf eigenem Webspace” lege ich ab unter “alte Netzhasen erzählen von früher”, gleich neben “Wir haben unsere Webseiten ‘95 ja noch mit dem Meißel geschnitzt” und “Domain? Wozu brauch ich eine Domain? www.einserver.com/usernetwork/~user08154711 ist doch eine verdammt coole Adresse!”.

Fazit: Hier in der Einschicht gibt’s dann wieder Blogging as usual. Wer wissen will, was sich in meinem Netzleben sonst noch so tut, muss halt die rechte Spalte auch mitnehmen (die jetzt, mit dem Lifestream-Feed, deutlich besser ausschaut als je zuvor) – oder gleich den Friendfeed abonnieren.

Und die erwähnten Datenschutz-Bedenken erhalten demnächst einen eigenen Eintrag. Vielleicht.


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