Von Uhren und Zügen


Heute gnadenlos effektiv gewesen wie ein frisch aufgezogenes Uhrwerk, Anti-Feiertags-Frass-Diät (Wasser Kaffee und Brot) (note to self: morgen ein paar Vitamine beimengen) zeigt offenbar erstmal psychische Wirkung und wird vom Frühlingseinbruch verstärkt. Nachmittags festgestellt, dass der 5-Stunden-undfertig-Song vom Samstag immer noch so klingt wie am Samstag, dreckig, alter Probenkeller, schön blöd, passt. Und ab damit.

Davor und danach und dazwischen aber immer wieder Traumflashbacks, da war ein Zug, der fuhr von einer Stadt in die andere und wieder zurück, während ein Filmteam eine Doku über das Zugfahren drehte, und im Zug zeigten sie dann das neu geschnittene Video, während sie weiterdrehten, und bei jeder Fahrt kamen neue Szenen in den Film, wurde umgeschnitten und umarrangiert. Seltsame Nacht übrigens, oft wach geworden aber immer nach dem Umdrehen sofort wieder in diesem Zug, und was dort alles los war! Der Zug war überbreit, links und rechts des Mittelgangs jeweils verschieden gestaltete Abteile. In einem Büro mit Ex-Kollegen die Weltrevolution geplant; dann auf einer kleinen Bühne mit Leuten gesungen, die mich in Wirklichkeit wohl kaum noch kennen; in einem Plüschbadezimmerabteil mit meinem allerersten Freund geschmust; fluchend auf einer alten Adler einen Songtext getippt, der unbedingt schnell fertig werden sollte, aber die Tastatur hatte kein “e” mehr. Daneben sass The Edge & klimperte auf der Gitarre und meinte, ich soll gefälligst etwas rhythmischer Tippen.

Dazwischen immer wieder im Schlafwagen, der ein riesiges Matratzenlager war; ständig musste ich dort meine Tanten aus meinem Bett werfen, weil sie meinten, meine Matratze sei viel bequemer als ihre, ich solle mich doch bitte nicht so anstellen. Schließlich mit meinem zu Laptopgröße ausziehbaren Handy in die Bar-Lounge verzogen, dort bei gräßlicher Titanic-Tanzmusik Weblogs gelesen und selber gepostet: “Der Zug fährt immer noch!” oder sowas in der Art. Dann vor der Musik geflüchtet, am Gang kam mir fluchend der Sufi entgegen, irgendjemand hatte ihm seine Krabben geklaut, dabei sollte das Abendessen doch in einer Stunde fertig sein. Aufs Dach geklettert, um nach den Krabben zu suchen, auf einer riesigen Stahlbrücke am Dach dem Filmteam begegnet, die “Springen Sie! Springen Sie!” riefen; das aber ziemlich blöd gefunden, wie hätte ich denn dann wieder in den Zug kommen sollen? Stattdessen nach vorne zum Lokführer und dort saß Udo Lindenberg und futterte gerade die letzten Krabben.

Und so ging’s weiter und immer weiter, und je mehr ich dran denke, desto besser gefällt mir dieser Zug; vielleicht mal einen Film drehen oder sowas, das wär auch nett.


Schreibe ein Kommentar.