…ist kostbar. Was man in einem Land wie diesem – und besonders einer Stadt wie dieser – leicht vergisst. Wenn aber vormittags, nach dem ersten Kaffee, bei ungefähr 35 Grad Innentemperatur die Zeit zum Duschen gekommen ist, man sich auszieht und voll froher Erwartung am Kaltwasserhahn dreht, belohnt durch nichts weiter als ein bedauerndes trockenes Röcheln – dann weiß man plötzlich wieder, wie glücklich man normalerweise ist.

Vom Gang her heftiges Hämmern und Schrauben. Schon klar, da wird gearbeitet. Na gut dann. Wird eben später geduscht. Trink ich derweil halt noch einen Kaffee… Moment, das geht ja nicht. Na gut, dann mach ich mir… nein, ohne Wasser gibt’s auch kein Soda.

Ungeduscht wiederbekleidet der Sache auf den Grund gegangen. 1-2 Stunden wird das schon noch dauern, meint der Hobbyhandwerker bedauernd (also in Wahrheit mindestens 3), während die Nachbarin, der das in Reparatur befindliche Klo gehört, über die Frechheit der Hausverwaltung lamentiert, die von den Mietern verlangt, notwendige Reparaturen selbst zu bezahlen.

Da hat sie nun Recht. Trotzdem finde ich, man könnte es vorab ankündigen, wenn man das Wasser abdreht. Das sage ich auch, aber niemand hört zu; die Nachbarin schwärmt stattdessen vom Glück der Hochquellenleitung, über die der Sufi und ich uns schon wochenends erfreut geäußert haben.

Vor der unangenehmen Kommunikationsweise der Nachbarin, die pro Satz einen Schritt näher kommt, bis ich das Gefühl habe, sie wolle mir ins Ohr flüstern, flüchte ich zum Billa. Eingekauft werden muss ohnehin, dann halt meinetwegen Vormittags statt Nachmittags.

An der Wursttheke bestelle ich “Bergsteiger”, seltener Gusto aus Teenagertagen, und die Verkäuferin sticht mitten in einen Haufen gut abgelegener vorgeschnittener Wurstblätter. Nun stört mich so etwas normalerweise nicht, aber das, was da bereitliegt, zeigt schon deutliche Anzeichen von Fettschwitzen. Also bestehe ich auf frisch geschnittener Ware.

Hinter mir zwei weitere Kunden, die darob ins Streiten geraten. Ein Bauarbeitertyp, der irgendetwas von “Hausfrauen mit zuviel Zeit” murmelt, die sich “aus reiner Langeweile aufregen”. Eine Nobeltussitypin, die meint, man müsse sich “von den desinteressierten Verkäuferinnen auch heutzutage keine minderwertige Ware andrehen lassen”. Die beiden unterhalten sich wunderbar, ich brauch da gar nichts mehr dazu zu sagen. Das ist mir durchaus recht.

Auf dem Heimweg treffe ich einen dieser Tourette-Typen. Gut gekleidet, schimpft auf die Welt im Allgemeinen, und, der Himmel weiß warum, auch auf mich: “So wiast ausschaust bist du sogar zum Scheißen zu blöd” – was mich schmerzhaft an die abgedreht Wasserleitung erinnert.

Aber immerhin habe ich Sodawasser, und schließlich, so gegen zwei, rinnt auch die Leitung wieder. Und ich wünsch mir, dass die kleinen Selbstverständlichkeiten auch weiter selbstverständlich bleiben.