Still wird es, und unerwartet kühler. Alles widert mich an. Vielleicht hätte ich die letzten Nachrichten nicht anschauen, vielleicht auch nach dem Zähneputzen nicht vor dem Spiegel stehenbleiben sollen. Als ich das Fenster schließe und auch dort noch einen Moment stehenbleibe, hinausschaue über die Stadt im Halbschlaf mit ihren flimmernden Lichtern, verstehe ich, was ich schon lange weiß: Es ist dieselbe wunderschöne grausame Welt da draußen; ich bin es, die sich verändert hat. Die Wahrnehmung ist ein Hund, und wissen ist nicht gleich wissen. Das macht mich auch nicht glücklicher.

Morgen

Nach dem ersten Kaffee läutet das Telefon: ob ich denn zu Hause wäre. Ich bin. Jemand kommt vorbei mit einem Strauß Blumen, einfach so. Nein danke, keinen Kaffee, er ist in Eile. Nur Küßchen links und Küßchen rechts und ein Strauß Blumen. Und obwohl ich keine Schnittblumen mag (und er das seit Jahren wissen müßte) bin ich, hier gibt es kein besseres Wort als dieses uralte: ich bin gerührt.