Wochenend-Worte


Ist es etwa warm? Es ist tatsächlich warm! Schon früh am Freitagabend stellen wir das fest, der Sufi und ich, als wir zwischen hunderten (wenn nicht tausenden) anderen Stadtflüchtlingen Stoßstange an Stoßstange, Glas an Glas und Ehestreit an Ehestreit stehen.

Aber wir lassen uns nicht aufhalten, nicht lange, ab durch die Prärie! Oder doch fast, auf Schleichwegen geht’s nach ab nach Wiesen, wo eine Rocklegende aufs “Auchgesehenhaben” wartet. Genauer gesagt, wir warten, aber das macht nichts, schließlich ist genug zu schauen, zu essen und zu trinken auf dem Festivalgelände, und Freunde, ja Freunde trifft man auch.

Das Konzert, wiesollmansagen, erfüllte alle Erwartungen, im Guten wie im weniger Guten. Nachdem Pink Floyd im ersten Teil kräftig und ausführlich abgehandelt wurde, griff Herr Waters im zweiten Teil in die Solokiste, und daswar sehr von Vorteil.

Danach, spät, eine riesige Mondsichel am Himmel und eine erstaunlich leere Autobahn.

Der Samstag, der erfüllte die Erwartungen eher weniger, wir wollen hier nicht auf die Details eingehen: Es soll genügen, wenn wir sagen, dass unser Bulli plötzlich erstaunt eine ihm bislang unbekannte Flüssigkeit in seinen stählernen Innereien bemerken musste. Die Geistesgegenwart seines Herrls, das den Zündschlüssel nicht umdrehte, verhinderte Schlimmeres als die nicht zu umgehende 4-Stunden-Flüssigkeitsentfernungsodyssee.

 

 

Danach war immerhin noch Zeit zum Baden, das erste Mal Schotterteich heuer, Zeichen eines kühlen Frühlings & einer Menge verschlampter Zeit. Nach Krems schaffen wir’s nicht mehr, aber nach Brunn, dort warten ernüchternde Zahlen und ein sättigendes Grillfest. Und dieser Himmel mit all seinen Sternen! Wahrscheinlich bin ich ein bisschen seltsam, dem Gespräch rund um mich mit viel Schweigen zu begegnen und mit einem in den Nacken gelegten Kopf, weil ich die Sterne zähle, ganz sicher seltsam: Seltsam glücklich.

Sehr eigen beginnt der Sonntag, im Traum schwemmt eine Sintflut über Wien hinweg, steht das Wasser bis zu meinem Fenster im vierten Stock, paddle ich mit dem Sufi und anderen Lieben durch die überfluteten Straßen auf der Suche nach trockenem Land. Im Traum niest der Sufi, nein: Er hat wirklich geniest! Und dann spielt auch schon Schweden gegen Senegal: Ein unglücklicher Morgen.

Dazu hat es auch noch wirklich geregnet, und ob man diesen Tag nicht im Bett verbringen sollte? Aber nein, wir rollen schon wieder über Land.

Das war auch gut so, in Krems wartet nicht nur unser „Wochenendhaus“ und Trurls Loft, sondern auch eine startbereite Maschine. Ach ist das heiß. Zwei Sprünge später und die Lustlosigkeiten der letzten Tage sind überwunden, die Welt ist schön und klar und danach ein Bier und Nettmenschenworte, wunderbar.

Der Sufi hat derweil versäumten Schlaf nachgeholt & wir suchen & finden ein erstklassiges Restaurant, eine lustige Geschichte, wie wir dahingekommen sind: aber die muss – wenn, dann – der Sufi erzählen.

Wir nehmen Platz und lassen uns erst einmal eine Zwiebelsuppe mit Forellennockerln, dann Kartoffelteigtäschchen mit Pilzfüllung servieren, auch das Wildschweingulasch, ganz toll, aber erst die Bitterschokoladenterrine im Fruchtmark läßt uns vollends schwebend zurück.

Zwischen zwei Gängen seufzt der Sufi sinnig: “Das Leben ist so anstrengend. Dauernd schleppt man sich von einem Genuss zum anderen!” – Dann geht ein Regenguss nieder, das läßt einen die Nussbaumblätter so richtig riechen.

Draußen, danach, der schönste Regenbogen meiner Regenbogengeschichte, breit wie eine Autobahn mitten hinein in den vielschichtigen Wolkenhimmel, vielleicht ein Foto, morgen, wenn der Sufi gut gelaunt ist. Und als wär das noch nicht Geschenk genug, ein geradezu afrikanisch anmutender Sonnenuntergang; “Afrikanisch? Nicht ganz.” sagt der Experte.

Und der Himmel wird immer schöner, Schicht um Schicht färben sich die verirrten Wolkenfetzen rot und golden, und während der Bulli uns unvermeidlich wieder in die große Stadt trägt, schaue und staune ich Sonne und Himmel und Wolken an und denke, dass der Himmel für mich mittlerweile das geworden ist, was früher das Meer war: Das Schönste überhaupt!

Und das ist gut so, denn ans Meer muss man fahren, aber der Himmel, der ist überall.

 


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