Der lärmtechnisch eher ruhige Nachmittag wird plötzlich von markerschütterndem Gebrüll durchschnitten. Es klingt ungefähr so, wie wenn ein ungeübter Metzger versucht, eine Sau abzustechen, während die Sau vor einem Megaphon steht. Ich bin aber ziemlich sicher, dass wir weder Schweine noch Megaphone im Haus haben. Also laufe ich, Telefon in der Hand, auf den Gang, um zu sehen, ob erste Hilfe, Rettung oder Feuerwehr gebraucht werden. Draußen die Nachbarin, die sich grade eine Zigarette anzündet (sie raucht nicht in der Wohnung). Ich frage: “Was war das?” – Sie rollt die Augen und schüttelt den Kopf: “Nichts.” Bevor ich nachfragen kann, fliegt ihre Wohnungstür mit einer Wucht auf, dass das ganze Stockwerk erzittert, und in der Tür steht die 9-jährige Tochter, mit hochrotem Kopf, aber offenbar unverletzt. Sie brüllt, in Sopran-Tonlage, mit der lautesten Stimme, die ich je bei einem Menschen gehört habe: “Ich wiiiiill aber einen Totenkopf auf den Arsch tätowiert haaaaaben!”

Ah, ja.

Ich schätze, ich geh dann Mal Ohropax kaufen.