Den letzten Tag haben wir dem Faulenzen gewidmet, und so ziehen wir etwas verloren über den heute wieder durch starken Wind abgekühlten Strand. Nach mehrmaligem Umkehren wegen falscher Gewandung beschliessen wir, doch noch reiten zu gehen. Der Sufi hat schon vor Tagen eine kleine „Ranch“ entdeckt, und dort handeln wir einen Preis aus für zwei Rassepferde und zwei Stunden. Während der Sufi zum Erstaunen der Einheimischen in orientalischem Reitstil grenzenlos cool am Strand entlang trabt, hopple ich, zum ersten Mal auf einem Pferd sitzend, mit schmerzendem Hintern und einem pausenlos plappernden Tunesier an meiner Seite ziemlich uncool dahin.

Davon habe ich bald genug, umdrehen, bedeute ich dem Wüstensohn, der freundlich versucht, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Der Sufi kann ja durch die Gegend reiten, soviel er will… Er paßt gut in die Landschaft hier, und die Menschen verstehen, so scheint’s, und mögen seine Art.

Aber alleine will er auch nicht, und Hand in Hand spazieren wir zurück in Richtung Hotel, wo wir, des letzten Tages wegen und weil wir, leicht melancholisch, nichts wertvolles mit unserer Zeit anzufangen wissen, uns an den Strand legen und uns zuwehen lassen mit dem feinen Sand, und der Sufi macht die Augen zu und ich rauche eine Zigarette, und dann schreibe ich meinen Namen in den lockeren Sand und schaue zu, wie der Wind den Schriftzug Sandkorn für Sandkorn verweht, und ich denke, wenn man das filmen würde, hätte man eine gute Parabel auf das Wesen des Lebens, aber ich filme es nicht.

Bevor wir selber zu Sanddünen werden, verlegen wir die Herumliegerei an den windgeschützten Swimmingpool, und dort ist es warm, und ich unterrichte den Sufi im richtigen Gebrauch des Zeigefingers in einem Luxushotel, und das bringt uns zwei Bier. Und ein paar flattrige Buchseiten später werden wir hungrig, und wir spazieren zum Platz Sangho hinauf und essen dort auf einer Terrasse mit einem unverschämt schönen Blick aufs Meer, und unten auf dem Platz geben die Jungs mit ihren Pferden an wie anderswo mit ihren Mopeds, und es ist kalt, und die Sonne versteckt sich, und unten am Strand lässt jemand einen Drachen steigen.

Wieder im Hotel: Ein heißes Bad, und dann machen wir unseren Anisette-Vorräten den Garaus, und dann sind wir schon wieder hungrig, und es ist dunkel geworden, und am Strand entlang spazieren wir unter Millionen von Sternen an einem ebberuhigen Meer entlang, der nasse Sand trägt unsere Spuren und die nächste Welle verwischt sie wieder, und der große Wagen hängt mit der Deichsel nach unten und in einem windgeschützten Eck sitzen ein paar von den hiesigen Cowboys an einem Feuer und reden und lachen.

Viel bietet man nicht mehr in der vorsaisonalen Zone touristique, aber das Hühnersandwich, das wir schliesslich ergattern, ist köstlich, und im Fernsehen gibt man ein Champions League Spiel, Real gegen Inter, und es steht eins zu eins, und als die erste Halbzeit vorbei ist, hat das Sandwich auch ein Ende genommen, und der Besitzer will zusperren, und der Sufi ist traurig, denn er möchte die zweite Halbzeit sehen, aber auch im Hotel gelingt uns das nicht, denn der Kanal ist nicht auffindbar.

Da bleibt nur noch eins: Das Wenige, was wir ausgepackt haben, wieder einzupacken, den letzten Schluck Rotwein zu genießen, und ab ins Bett.