Gnadenlos früh zerrt man uns aus den warmen Betten, und nach einem kurzen Kaffee sind wir auch schon auf den Weg durch den für einen Abreisetag unverschämt schönen Morgen. Der Zubringerbus vom Hotel gehört uns ganz alleine, und ruhig und unorientalisch fahren wir durch das Land, musikalisch begleitet von einem französischen Radiosender mit 4-Uhr-früh-Musik. Bitte erschiessen sie den Pianisten!

Am Flughafen von Djerba heisst es warten, denn der Flug verzögert sich um eine Viertelstunde und dann nochmals, das braucht keine Lautsprecherdurchsage, nur ein diskretes Gewurl roter Lichter auf einer Anzeigetafel. Aber schließlich sind wir mit der zweipropellrigen Maschine unterwegs, ruhig und sonnig, und sehen unter uns noch einmal das Meer und dann Sand, und später, gegen Tunis hin, ein paar Wolken.

Natürlich hält es den Sufi nicht am Flughafen von Tunis, mit einem Taxi fahren wir einem empfohlenen Restaurant zu, das in der hiesigen Zone touristique einen erstklassigen Ruf genießt. Hier grünen die Wiesen, anstatt zu grauen, in der Ferne ein Schloss und dann ein Vergnügungspark, dazu Hochhäuser und Leuchtreklamen, seltsam zu erleben wie befremdend die anmuten können nach nur 3 Wochen der Absenz. Im Radio spielen sie eine Nummer von Mark Knopfler, der anscheinend eine neue Platte gemacht hat, die ganz nach den alten Dire Straits klingt.

Dann sind wir am Restaurant. Dort sagt man uns, wir mögen in einer halben Stunde wiederkommen, und wir setzen uns oben auf dem Hang hin und blicken über die Bucht, und wenn die Sonne herauskommt, ist es ein schöner Frühlingstag. Unten ein Fischerboot, und dazwischen Büsche und Wiesen, grün, und in der Ferne die Stadt, wie aus dem Bilderbuch.

Nach einer halben Stunde wieder im Restaurant, bittet man uns, noch eine halbe Stunde zu warten, weil der Fisch noch nicht geliefert ist. Das ist zu viel. Ein kurzer Spaziergang, dann nehmen wir ein Taxi zurück auf einen belebten Platz, dort eine Pizzeria, und wir tafeln in der Sonne, während rund um uns Pizzas ausgeliefert werden.

Ein paar Schritte noch in Richtung Stadt, dann wieder ein Taxi. Und die feucht glänzenden Wiesen da draußen, mit ihren Schafherden und den Hirten, die im Schatten ein Schwätzchen halten oder ein Schläfchen in der Sonne, wirken unwirklich, wie aufgemalt, der üppig fruchtbare Überfluss wie ein frivoles Gelächter im Gegensatz zur Wüste, und ich fühle, wie mir die Ruhe abhanden kommt, die Fremde, und schon greift mein altes ich forsch fordernd nach dem Wüstenlächeln, das ich bei mir trage.