Zeit ist eine Illusion


Mit dem Klick auf den Senden-Knopf für die letzte Mail des Tages setzt draußen leichter Regen ein. Irgendwo in der Nachbarschaft übt jemand „Where did you sleep last night“ auf der Gitarre, unplugged, laut, falsch und mit Begeisterung. Wobei, die Gitarre stimmt eigentlich, es ist die Stimme, die konsequent danebenliegt, so konsequent, dass es fast als eine eigene Kunstform durchgehen könnte. Es wundert mich, dass mich das nicht stört, aber es stört mich nicht, im Gegenteil: Der glücklich falsche Gesang erzählt von diesem anderen Leben, das bei mir viel zu oft, viel zu lange Pause hat. Würde er richtig singen, wär das Gefühl nur halb so schön.

Der Juli geht auch schon zu Ende, und ich frage mich, wo diese sieben Monate geblieben sind. Der letzte Stress vor dem Urlaub ist in der Zielgeraden, und ich hüte eifersüchtig das bisschen persönlicher Zeit vor der nächsten Stressautobahn. Es gibt so viel, das ich nicht machen möchte, dass ich kaum dazu komme, darüber nachzudenken, was ich machen möchte. Erst mal diesen Pulli fertig, vielleicht, dann werd ich weitersehen. Vielleicht.

(Jetzt pfeift jemand von ganz woanders mit dem Falschsänger mit. Ich mag mein Grätzel.)


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