Wieder mal scheucht mich ein hartnäckiges Telefonklingeln aus dem Bett. Nicht etwa, dass ich bis Mittag geschlafen hätte. Nein. Das durchdringende Gedudel (lauteste Stufe, um beim Arbeiten mit Kopfhörer auch noch wahrgenommen werden zu können) kommt um kurz vor neun.

“Fröhliche Weihnachten!” plärrt es hysterisch in mein Ohr. Nicht etwa eine/r aus der letzten unverbesserlichen Familienbande, sondern jemand, der es nun wirklich besser wissen müsste. Daher spare ich mir heuchlerisches Gesäusel und antworte mit einem schlichten

– “Nein.”
– “Was, nein?”
– “Ich feiere kein Weihnachten.”
– “Na hör mal, du bist jetzt 35, du könntest endlich mit dem kindischen Unsinn aufhören!”
– “Du setzt dir eine rote Mütze auf, erzählst irgendeinen Quatsch von fliegenden Christkindern und nennst MICH kindisch?”
– “Jeder feiert Weihnachten. Sogar die Ägypter von gegenüber sind mit einer Tanne heimgekommen.”
– “Ich nicht.”
– “Ich finde, du könntest wenigstens deinen Freunden zu liebe wenigstens so tun als ob du dich freust.”
– “Ich finde, du könntest nach fast 10 Jahren wenigstens so tun als ob du’s akzeptierst.”
– “Du bist komisch.”
– “Mag schon sein. Gute Nacht.”

Schlafen allerdings ist nicht mehr, weil die Nachbarn schon voll im schönsten Weihnachtsstreit liegen. Ein durchdringender Gestank nach fadem Wiener Weihnachtskarpfen füllt das Treppenhaus. Computer an. Die Mailbox quillt über vor guten Wünschen. Früher einmal habe ich jedem geantwortet & erklärt, warum ich keine Lust habe, den Unsinn mitzumachen. Lohnt heute nicht mehr, es kommt ohnehin alles aus dem Verteiler. Neu ist, dass mein Handy sich aufhängt, weil der SMS-Puffer voller lustiger Weihnachtsbotschaften ist.

Tja. Die Zeiten ändern sich. Und ich feiere noch immer kein Weihnachten. Aber heuer ist es mir ein echtes Bedürfnis, die Weihnachtsbotschaft von ein paar lieben Freunden an euch alle weiterzugeben: